Weltweiter Weinkonsum auf niedrigstem Stand seit 1957, Portugal einziger wachsender Großmarkt
Der weltweite Weinkonsum sank 2025 um 2,7 % auf 208 Millionen Hektoliter und damit auf den niedrigsten Stand seit 1957; neun der zehn größten Märkte gaben nach, wie OIV-Zahlen zeigen, die Observador zitiert. Portugal war der einzige große Markt mit Wachstum, plus 5,6 % auf einen Rekordwert von 5,6 Millionen Hektolitern, während Brasilien mit knapp 42 % den stärksten relativen Zuwachs verzeichnete. Südafrika, siebtgrößter Produzent weltweit, setzt nach dem zehnten Jahr schrumpfender Rebfläche auf Wert statt Volumen.
Der weltweite Weinkonsum ist 2025 um 2,7 % auf 208 Millionen Hektoliter gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit 1957. Das geht aus Zahlen der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) hervor, die das portugiesische Medium Observador zitiert. Seit 2018 summiert sich der Rückgang auf 14 %.
Neun der zehn größten Märkte der Welt schrumpften im vergangenen Jahr. Die USA, der größte Einzelmarkt, verloren 4,3 %. Die weltweite Rebfläche ging das sechste Jahr in Folge zurück, auf sieben Millionen Hektar, weil Betriebe Reben herausreißen, für deren Wein es keinen Absatz mehr gibt.
Verlagerung statt Ablehnung
Die Daten deuten auf eine Umverteilung der Trinkanlässe hin, nicht auf eine Ablehnung der Kategorie. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IWSR gibt jeder zweite Weinkonsument an, den Konsum aktiv zu begrenzen; jüngere Konsumenten sind deutlich weniger an eine einzelne Getränkekategorie gebunden und wechseln je nach Anlass zwischen Wein, Bier, Spirituosen und alkoholfreien Alternativen. Der Preis spielt eine Rolle, da ein Bier weniger kostet als eine Flasche Wein, und ebenso die Gesundheit, die bei einer 25-jährigen Kaufentscheidung heute viel stärker wiegt als 1990. Observador beschreibt den Vorgang so, dass der Wein seine Exklusivität am Tisch verloren hat, nicht eine ganze Generation.
- Welt: 208 Millionen Hektoliter 2025, minus 2,7 % und 14 % unter dem Stand von 2018
- Portugal: 5,6 Millionen Hektoliter, plus 5,6 %, OIV-Rekord für das Land
- Brasilien: 4,4 Millionen Hektoliter, plus knapp 42 %, nun zwölftgrößter Markt
- Südafrikas Exporte: 9,8 Milliarden Rand, rund 490 Millionen Euro, minus 4,7 %
Portugal und Brasilien gegen den Trend
Portugal war der einzige der zehn größten Märkte mit Wachstum, plus 5,6 % auf 5,6 Millionen Hektoliter, die höchste Menge, die die OIV für das Land jemals erfasst hat. Frankreich, Italien, die USA und Deutschland gaben dagegen nach. Portugal bleibt mit rund 62 Litern pro Kopf und Jahr mit großem Abstand der stärkste Verbraucher der Welt, verglichen mit knapp 40 Litern in Frankreich und Italien. Observador führt die Widerstandsfähigkeit teils auf Tourismus, eine erhaltene Tischkultur und bezahlbare Preise zurück, teils auf das kommerzielle Gewicht der Herkunftsnamen: Douro, Alentejo, Vinho Verde und Rebsorten, die es nirgends sonst gibt.
Brasilien verbuchte den größten relativen Zuwachs aller von der OIV untersuchten Märkte, knapp 42 %, und wurde zum zwölftgrößten Weinmarkt der Welt, mit Aussicht, China zu überholen. Der Pro-Kopf-Konsum liegt weiter bei zwei bis drei Litern pro Jahr. Mit mehr als 200 Millionen Einwohnern trank Brasilien 4,4 Millionen Hektoliter, weniger als die 5,6 Millionen Hektoliter der zehn Millionen Portugiesen. Brasilien zählt bereits zu den wichtigsten Exportzielen portugiesischen Weins, weshalb die Lücke zwischen Wachstumsrate und Pro-Kopf-Menge die kommerziell wichtigste Zahl des Berichts ist.
Zwei starke Ernten in Brasilien
Rio Grande do Sul erntete 2025 nach Angaben des amtlichen brasilianischen Statistikinstituts 957.000 Tonnen Trauben, 36 % mehr als im Vorjahr, und die nationale Weinproduktion stieg um 38 %. Der Jahrgang 2026 lag erneut über dem historischen Mittel; die Landwirtschaftsdienste des Bundesstaates schätzen ihn auf rund 905.000 Tonnen, wobei Erzeuger in der Serra Gaucha die Qualität als historisch bezeichnen und selten erreichte Mostgewichte melden. Beide Ernten folgen auf die verheerenden Überschwemmungen von 2024. Die ab 1875 von italienischen Einwanderern besiedelte Serra Gaucha stellt den größten Teil des brasilianischen Weins und trägt etwa 15.000 Familien, nahezu ausschließlich Familienbetriebe, auf gut 40.000 Hektar Rebfläche. Weiter südlich an der Grenze zu Uruguay erhielt die Campanha Gaucha, eine flache, sandige, mechanisierbare und kostengünstigere Zone, 2020 ihre geografische Angabe und zieht Investitionen in hochwertige Weine an.
Südafrika: schrumpfende Rebfläche, Kurs auf Wert
Südafrika ist der siebtgrößte Weinproduzent der Welt, vor Chile, Deutschland und Portugal, doch die Rebfläche schrumpft seit zehn Jahren in Folge, und die Produktion 2024 war die niedrigste seit 2005. Der Inlandskonsum ging zurück. Die Exporte fielen in Rand gerechnet im vergangenen Jahr um 4,7 % auf 9,8 Milliarden Rand, etwa 490 Millionen Euro, wobei das Fassweinsegment um mehr als 13 % nachgab. Ein Zoll von 30 % bei der Einfuhr in die USA ließ die Verkäufe in diesen Markt um 28 % einbrechen. Die Zahl der Traubenerzeuger sank von 4.360 im Jahr 2005 auf 2.693 im Jahr 2020, fast eine Halbierung in einem Vierteljahrhundert. Die Antwort der Branche heißt Premiumisierung: Rückzug aus dem billigen Exportliter, bei dem jedes Land mit günstigem Wechselkurs unterbieten kann, hin zur Flasche mit ausgewiesener Herkunft und Rebsorte, also Menge gegen Marge.