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Acht Lkw- und Energiekonzerne starten Wasserstoff-Ökosystem für schwere Lkw in Deutschland bis 2030

Daimler Truck, Volvo Group, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, MB Energy und TEAL Mobility haben auf der IAA Transportation 2026 in Hannover ein gemeinsames Wasserstoff-Ökosystem für den Schwerlastverkehr vorgestellt. Ziel ist der skalierbare Einsatz von Wasserstoff-Lkw in Deutschland bis 2030. Beim Förderaufruf des Bundesverkehrsministeriums gingen 526 Anträge über 455 Millionen Euro ein, bereitgestellt sind 220 Millionen Euro.

Acht Lkw- und Energiekonzerne starten Wasserstoff-Ökosystem für schwere Lkw in Deutschland bis 2030

Zum Start der IAA Transportation 2026 in Hannover haben acht Industrieunternehmen den Aufbau eines gemeinsamen Wasserstoff-Ökosystems für den Schwerlastverkehr in Deutschland angekündigt. Erklärtes Ziel ist es, die Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz von Wasserstoff-Lkw bis 2030 zu schaffen. Beteiligt sind die Lkw-Hersteller Daimler Truck, Volvo Group und Toyota Motor Corporation, der Automobilzulieferer Bosch sowie die Energie- und Infrastrukturunternehmen Air Liquide, TotalEnergies, MB Energy und TEAL Mobility, wie eurotransport.de und die Allgemeine Bauzeitung berichten.

Die Unternehmen bezeichnen das deutsche Modell als das erste in Europa, das alle Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz von Wasserstoff-Lkw entlang der gesamten Wertschöpfungskette und mit politischer Unterstützung bündelt. Sie fordern abgestimmte Maßnahmen der nationalen Regierungen und der Europäischen Kommission, um das Modell europaweit zu etablieren. In der gemeinsamen Erklärung heißt es, Wasserstoff sei eine "wichtige Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen", um die Dekarbonisierungsziele der EU zu erreichen – besonders bei Transporten mit großen Reichweiten, hohen Nutzlasten, kurzen Betankungszeiten und Flexibilitätsbedarf.

Förderanträge übersteigen das Budget deutlich

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger nahm noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier an der gemeinsamen Pressekonferenz teil und begrüßte das Vorhaben. "Ein Wasserstoff-Fahrzeug allein reicht nicht aus. Wir brauchen Tankstellen und Wasserstoff in ausreichender Menge – und Unternehmen, die in Wasserstoff investieren", sagte er laut eurotransport.de.

Die Resonanz auf den Förderaufruf des Bundesministeriums für Verkehr Anfang des Jahres war nach Angaben Bilgers groß. Bis zum Ende der Antragsfrist am 30. Juni gingen beim Projektträger 526 Förderanträge mit einem beantragten Volumen von 455 Millionen Euro ein – 71 Anträge für Tankstellen und 455 für Fahrzeuge und Fahrzeugflotten. Der Bund stellt 220 Millionen Euro für die Wasserstoff-Förderung bereit, weniger als die Hälfte der beantragten Summe.

Fahrzeugprogramme und Betankungskapazität

Kunden von Daimler Truck haben mit Brennstoffzellen-Lkw bereits fast 600.000 Kilometer zurückgelegt. Ab Ende 2026 will der Hersteller eine Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-Lkw der nächsten Generation in den Kundeneinsatz bringen, die ersten Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor kommen 2027 auf den Markt. Bis zum Ende des Jahrzehnts investiert Daimler Truck nach eigenen Angaben einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag in Wasserstoff-Lkw. Die H2-Lkw des Herstellers werden mit Flüssigwasserstoff betankt, was das Unternehmen mit höheren Reichweiten begründet; im geplanten Ökosystem sind jedoch Lieferketten für flüssigen wie für gasförmigen Wasserstoff vorgesehen.

"Die Elektromobilität stößt an ihre Grenzen", sagte Karin Rådström, President & CEO von Daimler Truck, auf der Pressekonferenz. Nach Angaben der Europäischen Kommission sind in Europa erst rund sechs Millionen Fahrzeuge emissionsfrei unterwegs.

Die Volvo Group treibt ihr Wasserstoffportfolio voran und investiert in Wasserstoffantriebe für die Markteinführung bis 2030 – sowohl Brennstoffzellen-Lkw als auch Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor. "Deutschland zeigt den Weg, Europa sollte folgen", sagte President & CEO Martin Lundstedt. Toyota beteiligt sich als Technologiepartner und greift dabei auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Brennstoffzellensystemen zurück; die Partnerschaft der acht Unternehmen sei wichtig, damit Wasserstoff ein Erfolg werde, so Executive Vice President Hiroki Nakajima. Auf derselben Messe gab Toyota zudem die Zusammenarbeit mit Iveco im EU-Projekt "Empower" bekannt: Der Konzern liefert das Brennstoffzellensystem für die neue FCEV-Generation des italienischen Herstellers. Bosch steuert zentrale Fahrzeugkomponenten für gasförmigen Wasserstoff sowie Betankungstechnologien für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff bei.

Auf der Energie- und Infrastrukturseite arbeiten Volvo Group und Daimler Truck mit den Wasserstofflieferanten Air Liquide, TotalEnergies und MB Energy sowie mit den Tankstellenbetreibern MB Energy und TEAL Mobility zusammen. Ihre Infrastrukturinvestitionen zielen auf Tankstellen mit hoher Kapazität und starker Betankungsleistung, die bis zu 100 Lkw pro Tag betanken können.

Die Kostenparität mit Diesel entscheidet

Für Flottenbetreiber ist laut den Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Diesel ausschlaggebend dafür, ob Wasserstoff überhaupt genutzt wird. Die Kombination aus politischer Unterstützung in Deutschland und industrieller Zusammenarbeit soll das über drei Hebel ermöglichen:

  • Senkung der Fahrzeugkosten durch Fördermaßnahmen und Serienproduktion;
  • ein gegenüber Diesel wettbewerbsfähiger Wasserstoffpreis an der Zapfsäule durch eine wettbewerbsfähigere Lieferkette und Treibhausgasquoten;
  • Anreize für Flottenbetreiber wie Mautbefreiungen für CO2-freie Fahrzeuge.

Zu den weiteren Maßnahmen, die die Unternehmen von den nationalen Regierungen und Brüssel fordern, zählen der Infrastrukturausbau durch abgestimmte Förderprogramme für Tankstellen und Fahrzeuge zur Erreichung der Ziele der Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR), pragmatische und harmonisierte Anrechnungsmechanismen für erneuerbare Kraftstoffe, Mautanreize sowie die gemeinsame Risikominimierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Produktion und Verflüssigung über die Distribution bis zum Fahrzeugbetrieb.

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