Wassermelonen und Melonen in Russland verteuern sich um mehr als 39%
Die russischen Einzelhandelspreise für Wassermelonen und Melonen stiegen Mitte Juli im Jahresvergleich um 39% beziehungsweise 42%, da Importe und frühe heimische Ernten das Angebot bestimmen. Krasnodar erwartet 125.000 Tonnen, doch Erzeuger warnen vor schwacher Nachfrage und steigenden Kosten.
Einzelhandelspreise steigen vor der Haupternte
Der durchschnittliche russische Einzelhandelspreis für Wassermelonen lag vom 13. bis 19. Juli 2026 bei 66,4 Rubel je Kilogramm, für Melonen bei 151,5 Rubel, berichtete Pravda.ru unter Berufung auf Iswestija. Damit verteuerten sich die Früchte im Jahresvergleich um 39% beziehungsweise 42%, blieben gegenüber der Vorwoche jedoch weitgehend unverändert.
Kurzfristig verlief die Entwicklung unterschiedlich. Wassermelonen wurden seit Anfang Juli um 17% billiger, Melonen dagegen um 2% teurer. Nach Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums dominieren derzeit Importware und frühe Ernten heimischer Betriebe die Regale. Bis zum 21. Juli waren mehr als 12.000 Tonnen Speisemelonen und Wassermelonen geerntet. Der Großteil der neuen Ernte soll jedoch erst im August auf den Markt kommen und nach Einschätzung des Ministeriums die Preise drücken.
Regionale Versorgung sorgt für große Preisunterschiede
Logistik und der Zeitpunkt der lokalen Ernte führen zu erheblichen regionalen Abweichungen. In der Region Pensa kosteten Wassermelonen 48-50 Rubel je Kilogramm und damit 25-28% weniger als im Landesdurchschnitt. Melonen wurden für 118-120 Rubel angeboten, ein Abschlag von 20-22%. Pravda.ru führte dies auf frühere Lieferungen und die lokale Ernte zurück, die Transportwege und Nebenkosten verringern.
Mosregtoday.ru berichtete, dass Russlands Anbaufläche für Melonen und Wassermelonen innerhalb von fünf Jahren um 20% geschrumpft sei. Dadurch sei die Abhängigkeit von Lieferungen aus Aserbaidschan und Usbekistan gestiegen. Pawel Schapkin, Vorsitzender des Nationalen Verbands für Verbraucherschutz, erklärte dennoch, für die aktuellen Ladenpreise gebe es keine objektive Grundlage; die eigentliche russische Saison beginne erst im August. Lieferungen werden gelegentlich wegen Verstößen gegen Pflanzenschutzbestimmungen gestoppt, während Importe aus Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion ansonsten nur geringen Zollhürden unterliegen.
Krasnodar plant eine größere Ernte
Krasnodar, eine der führenden russischen Anbauregionen, erwartet einen Anstieg der Wassermelonen- und Melonenernte um fast 5% auf 125.000 Tonnen. Im Jahr 2025 ernteten die Betriebe rund 120.000 Tonnen. Die Regionalregierung will die Anbaufläche stabil halten und die Erträge mit moderner Agrartechnik steigern, berichtete Kommersant.
Nach einem kalten und regnerischen Frühjahr begann die Saison später als üblich. Agrosojus Romanowski erklärte, die erste Ernte habe die Erwartungen erfüllt und die Qualität sei nicht beeinträchtigt worden. Kleinere Erzeuger äußerten sich vorsichtiger. Landwirt Maxim Welitschko sagte, die übermäßige Feuchtigkeit im Frühjahr habe die Wurzelentwicklung geschwächt, die Anfälligkeit für Sommerhitze erhöht und Krankheiten wie die Fusariumwelke begünstigt.
Zugleich steigen die Produktionskosten. Agrosojus Romanowski verwies auf höhere Ausgaben für Saatgut, Pflanzenschutz, Logistik und Arbeitskräfte. Russische Züchtungsprogramme entwickelten sich zwar weiter, könnten importiertes Saatgut in den kommenden Jahren aber nicht vollständig ersetzen. Heimische Hybride seien ausländischen Sorten bei Lagerfähigkeit und Erscheinungsbild noch unterlegen, was besonders bei langen Transportwegen wichtig sei.
Der Absatz wird zum größten Risiko
Über die Wirkung importierter Wassermelonen gehen die Einschätzungen auseinander. Welitschko zufolge drücken Lieferungen aus Iran und Kasachstan sowie Ware aus Dagestan auf die Preise. Agrosojus Romanowski hält dagegen, dass die Importe während der russischen Haupternte zurückgehen. Dann bestimmten das heimische Angebot und der Wettbewerb zwischen lokalen Erzeugern die Preise.
Mehrere Landwirte erklärten gegenüber Kommersant, der Verkauf sei inzwischen schwieriger als der Anbau. Igor Lichossenko warnte, dass ein reichliches Angebot bei unsicherer Nachfrage einen Teil der Früchte auf den Feldern zurücklassen könnte. Die Nachfrage von Abnehmern in den Feriengebieten Krasnodars hat nachgelassen. Landesweite Einzelhändler stellen strenge Anforderungen an Kalibrierung und Lieferpläne und erhöhen ihre Einkaufspreise nur ungern entsprechend den Kosten der Betriebe. In der Region gibt es praktisch keine Verarbeitungskapazitäten für Wassermelonen. Lichossenko zufolge verlor sein Betrieb in der vergangenen Saison allein durch einen Wechsel der Arbeitskräfte rund 3 Millionen Rubel und schloss das Jahr mit Verlust ab. In diesem Jahr strebt er lediglich die Gewinnschwelle an.