Asiens Biomassenachfrage rückt Umweltbelastung an Vietnams Pelletwerken in den Fokus
Anwohner eines Holzpelletwerks in der vietnamesischen Provinz Bình Định berichten über anhaltenden Holzstaub, Lärm und mögliche Gesundheitsfolgen. Japan und Südkorea stehen zusammen für rund 95 % der vietnamesischen Pelletexporte.
Holzstaub dringt in benachbarte Häuser ein
Bewohner in der Nähe eines Holzpelletwerks in der zentralvietnamesischen Provinz Bình Định lassen ihre Türen nur selten offen. Gelbe und schwarze Holzpartikel wehen in die Häuser und bedecken bis zum Abend Böden, Möbel und andere Oberflächen, berichtet Toyo Keizai.
Eine Anwohnerin namens Nung sagte, der Staub dringe selbst bei geschlossenen Türen ein, weshalb den ganzen Tag geputzt werden müsse. Trotz der tropischen Sonne bleiben die Fensterläden geschlossen; im Inneren ist die Familie auf elektrisches Licht angewiesen.
Nung wartet auf eine Herzoperation und erklärte, ihr Arzt habe ihr einen Umzug an einen saubereren und ruhigeren Ort empfohlen. Ihr Mann leidet an Bluthochdruck, den die Familie mit jahrelangen Schlafstörungen durch den Werkslärm in Verbindung bringt. Die Quelle belegt keinen medizinischen Zusammenhang zwischen der Anlage und den Erkrankungen. Die Berichte zeigen jedoch die Sorge der Bewohner über eine langfristige Staubbelastung und den fast ununterbrochenen Betrieb.
Die Produktion läuft fast rund um die Uhr
Auf der anderen Seite des Grundstückszauns liegt das Pelletwerk von Thinh Nhan. Es arbeitet fast 24 Stunden täglich, während weißer Rauch aus dem Schornstein steigt, so Toyo Keizai. Thinh Nhan ist eine Tochtergesellschaft von Ayo Biomass, die das Medium als einen der führenden vietnamesischen Holzpellethersteller bezeichnet.
Das Werk beliefert Kunden für den japanischen und den südkoreanischen Markt. Zusammen nehmen beide Länder rund 95 % der vietnamesischen Holzpelletexporte ab. Ihre Biomassekraftwerke sind damit ein wesentlicher Treiber für die kommerzielle Ausweitung der Pelletproduktion in Vietnam.
Der Fall macht den Unterschied zwischen der Vermarktung von Biomasse in den Importmärkten und der Brennstoffproduktion vor Ort sichtbar. Holzpellets werden als Brennstoff für eine CO₂-neutrale Stromerzeugung angeboten, während Gemeinden an Verarbeitungsstandorten Staub, Lärm und andere lokale Umweltbelastungen tragen können. Das Quellenmaterial enthält keine Angaben zu Produktionsmenge, Emissionen oder Luftmessungen am Werk. Das Ausmaß der Belastung und die Einhaltung vietnamesischer Vorschriften bleiben daher offen.
Handelshäuser verbinden das Werk mit Asiens Strommärkten
Japanische Ein- und Ausfuhrunterlagen, die dem Reporter vorlagen, nennen als Kunden von Thinh Nhan die japanischen Handelshäuser Sumitomo Corporation und Hanwa, den in Japan tätigen US-Biomassebrennstoffanbieter Enviva und das kanadische Erneuerbare-Energien-Unternehmen Pinnacle Renewable Energy. Pinnacle wurde 2021 vom britischen Konzern Drax übernommen.
Auch südkoreanische Handelsunterlagen zeigen laut Toyo Keizai, dass Pinnacle Produkte von Thinh Nhan bezog. Das Medium weist darauf hin, dass Enviva und Drax, zwei der weltweit größten Biomasseunternehmen, wegen Verstößen gegen US-Luftreinhaltevorschriften kritisiert wurden. Die Unterlagen verdeutlichen, wie Einkaufsentscheidungen großer Händler und Brennstofflieferanten einzelne vietnamesische Werke mit ausländischen Strommärkten verbinden.
Für Hersteller und Käufer stellt der Konflikt die Lieferantenkontrolle jenseits von Pelletqualität, Menge und Preis infrage. Importeure vietnamesischer Ware könnten zunehmend Nachweise zur Staubkontrolle, Betriebsführung und Belastung benachbarter Gemeinden benötigen. Für die Bewohner von Bình Định ist die Frage unmittelbarer: Kann die Produktion für ausländische Biomassekraftwerke weiterlaufen, ohne dass Holzpartikel und Lärm ihren Alltag bestimmen?