Vietnamesische Exporteure nehmen Argentinien und den Mercosur ins Visier
Vietnamesische Anbieter suchen in Argentinien Absatzchancen für Elektronik, Schuhe, Textilien, Cashewkerne, verarbeitete Lebensmittel und Maschinen. Ein geplantes Präferenzhandelsabkommen mit dem Mercosur könnte den Marktzugang verbessern, doch Logistikkosten, technische Vorgaben und eine schwankende Nachfrage bleiben erhebliche Hürden.
Exporteure konzentrieren sich auf einzelne Produktsegmente
Vietnamesische Exporteure verstärken ihre Bemühungen um den argentinischen und den weiteren Mercosur-Markt. Zu den wichtigsten Chancen zählen Elektronik, Schuhe, Textilien, Cashewkerne, verarbeitete Lebensmittel, Maschinen und elektrische Ausrüstung. Vietnams Ministerium für Industrie und Handel rät den Anbietern, Nachfrage und technische Anforderungen für jedes Produkt gesondert zu prüfen, statt von einem einheitlich wachsenden argentinischen Markt auszugehen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Elektronik und fertigen Geräten. Die Marktbeobachtung der vietnamesischen Handelsvertretung in Argentinien zeigt bei einigen Produkten, darunter Computer und Telefone, Anzeichen steigender Einfuhren, während die Importe von Bauteilen stark zurückgegangen sind. Nach Einschätzung des Ministeriums sollten Exporteure einzelne Zollpositionen und die Anforderungen der Importeure prüfen. Zudem müssen sie klären, ob sie Vertrieb, Garantieleistungen oder die Belieferung argentinischer Montagebetriebe unterstützen können.
Auch Schuhe, Textilien und andere Konsumgüter bieten Potenzial, doch Argentiniens gesamte Konsumgüterimporte zeigen bislang kein breit angelegtes Wachstum. Vietnamesische Unternehmen sollen deshalb Partner mit etabliertem Vertrieb, stabilen Absatzmöglichkeiten und einer geeigneten Preispositionierung bevorzugen. Testbestellungen und eine Beobachtung der tatsächlichen Verkäufe können das Risiko begrenzen, bevor größere Mengen vereinbart werden.
Cashewkerne und Lebensmittel rücken näher an Abschlüsse
Cashewkerne und verarbeitete Lebensmittel könnten schneller zu konkreten Geschäften führen. Spezialisierte argentinische Importeure haben bei Kontakten einer VINACAS-Delegation Interesse an vietnamesischen Lieferungen gezeigt. Ein Seminar über vietnamesische Cashewkerne am 1. Oktober 2026 in Argentinien zog mehr als 20 argentinische Unternehmen und Organisationen an, darunter Importeure, Händler und Betriebe der Lebensmittelbranche. Besprochen wurden Produktspezifikationen, Qualitätsstandards, Preise und Lieferbedingungen. Als nächste Schritte gelten Musterlieferungen, Angebote und Verhandlungen über Bestellungen.
Die Arbeiten am Marktzugang umfassen außerdem Durian, frische Kokosnüsse, Passionsfrüchte, Pomelos, Litschis und Rambutan. Vietnamesische Maschinen, elektrische Ausrüstung und Materialien für Energie- und Bergbauprojekte erfordern dagegen einen gezielteren Ansatz. Anbieter müssen technische Vorgaben erfüllen, vollständige Lieferantendokumente vorlegen, Kundendienst anbieten und lokale Partner mit Kontakten zu den Projektbetreibern finden.
Handelsgespräche könnten Hürden senken
Vietnam und der Mercosur treiben nach ihrer ersten Verhandlungsrunde Ende August 2026 in Buenos Aires ein Präferenzhandelsabkommen voran. Die vietnamesische Handelsvertretung baut zudem Datenbanken mit Importeuren und Händlern in Argentinien, Uruguay und Paraguay auf. Sie erfassen Lebensmittel, Kaffee, Cashewkerne, Schuhe, Textilien, Holz, Maschinen, elektrische Ausrüstung, Energiespeicher und Telekommunikation. Im September 2026 beobachtete die Vertretung Zölle, Einfuhrverfahren, technische Standards, Handelsschutzmaßnahmen und neue Vorschriften Argentiniens und des Mercosur.
In der Gegenrichtung hat der Handel bereits ein beträchtliches Volumen. Getreide und Futtermittelrohstoffe bleiben wichtige argentinische Exporte nach Vietnam. Nach Angaben des argentinischen Wirtschaftsministeriums erreichten die agroindustriellen Ausfuhren in den ersten acht Monaten 84,26 Millionen Tonnen, 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihr Wert stieg um 13 % auf 37,525 Milliarden $, wobei Vietnam zu den wichtigsten Absatzmärkten gehörte.
Die geografische Entfernung, hohe Logistikkosten, lange Transportzeiten sowie Schwankungen bei Wechselkursen und Kaufkraft bleiben wesentliche Hindernisse. Das vietnamesische Ministerium empfiehlt, vor der Kontaktaufnahme Unternehmensprofile, Kataloge, Qualitätszertifikate und Produktinformationen auf Englisch oder Spanisch vorzubereiten. Entscheidend wird sein, ob aus gezielten Kontakten Muster, verbindliche Angebote und Verträge entstehen, ohne dass die Produkte nach der Lieferung ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit verlieren.