Vietnam weitet Vorgehen gegen Zigarettenschmuggel auf Onlinehandel aus
Vietnam verstärkt das Vorgehen gegen illegale Tabaknetzwerke an den Grenzen, im Binnenmarkt und im Internet. Da sich der Verkauf in soziale Medien, den E-Commerce und zu Lieferdiensten verlagert, sollen Kontrollen, Datenaustausch und digitale Rückverfolgung ausgebaut werden.
Regierung erweitert die Kontrollen
Vietnam verschärft den Kampf gegen den Zigarettenschmuggel, da illegale Netzwerke traditionelle Grenzrouten zunehmend mit sozialen Medien, E-Commerce, Lieferdiensten und elektronischen Zahlungen verbinden. Das ständige Büro des Nationalen Lenkungsausschusses 389 hat die Ministerien für öffentliche Sicherheit, Verteidigung, Finanzen sowie Industrie und Handel und die lokalen Behörden aufgefordert, die Überwachung an Grenzen und Grenzübergängen, im Binnenmarkt und im Internet zu verstärken.
Nach Angaben von Bao Dau Tu folgt die Anweisung auf das Regierungsdokument 8979/VPCP-V.I vom 3. September 2026. Sie verlangt eine wirksame Umsetzung der Richtlinie 25/CT-TTg des Premierministers vom 9. Juni 2026. Die Behörden sollen Patrouillen, Kontrollen und den Austausch von Erkenntnissen ausweiten. Im Fokus stehen Netzwerke, die geschmuggelte Zigaretten, gefälschte Tabakwaren, Tabakrohstoffe, E-Zigaretten und erhitzte Tabakprodukte schmuggeln, transportieren, herstellen, verkaufen, lagern oder illegal verwenden.
Sicherstellungen zeigen die Größe des illegalen Marktes
Nhan Dan zufolge bearbeiteten vietnamesische Behörden zwischen 2014 und 2025 insgesamt 79.459 Fälle mit 59.257 Beteiligten. Sie beschlagnahmten mehr als 110,18 Millionen Zigarettenpackungen, 388.196 Kilogramm Tabakblätter und 2,37 Millionen Einheiten neuartiger Tabakprodukte. Grundlage der bisherigen Maßnahmen war die Richtlinie 30/CT-TTg vom 30. September 2014, die nun durch die Richtlinie 25 ersetzt wurde.
Der vietnamesische Tabakverband VTA schätzt, dass sichergestellte Zigaretten lediglich 1-2 % des illegal gehandelten und konsumierten Volumens ausmachen. Von 2017 bis 2020 registrierten die Behörden durchschnittlich rund 13.800 Fälle pro Jahr; die beschlagnahmte Menge stieg von 7,8 Millionen auf 14 Millionen Packungen. Zwischen 2021 und 2024 sank die Fallzahl auf etwa 10.000 pro Jahr und die Sicherstellungen gingen von 6,3 Millionen auf 4,1 Millionen Packungen zurück. Laut VTA bringt eine geschmuggelte Packung Jet oder Hero bei einem Einzelhandelspreis von 25.000-30.000 Dong einen Gewinn von etwa 10.000-12.000 Dong. Weil Steuern und Abgaben umgangen werden, ist das Drei- bis Vierfache des Gewinns legaler Produkte im selben Segment möglich.
Digitaler Vertrieb erschwert die Ermittlungen
Nach Angaben der Behörden werben und handeln Verkäufer zunehmend über soziale Netzwerke und geschlossene Onlinegruppen. Sie nutzen mehrere Scheinprofile, Bankkonten fremder Inhaber, Kryptowährungen und Lieferdienste. Konten können schnell gelöscht werden, während Verkäufer und Kunden in unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen sitzen. Bao Dau Tu berichtete über Schwierigkeiten bei Ermittlungen zu E-Zigaretten in An Giang und Tay Ninh, darunter die Produktprüfung sowie die Ermittlung von Mengen und Drogengehalten. Die Behörden in Ho-Chi-Minh-Stadt erwarten, dass der illegale Tabakhandel E-Commerce, soziale Medien, Lieferdienste und elektronische Zahlungen verstärkt einsetzen wird.
Geplant ist eine gemeinsame Datenbank, die Informationen über Verkäufer, Lager, Lieferadressen, Fahrzeuge und Transaktionen verknüpft. Vertreter des Grenzschutzes schlugen ein dreistufiges System vor, das Gebiete jenseits der Grenze, die Grenzregion und den Binnenmarkt umfasst. Hinzukommen sollen einheitliche Verfahren für digitale Rückverfolgung und Risikowarnungen, strengere Regeln für E-Zigaretten, erhitzten Tabak, Komponenten und Flüssigkeiten sowie klarere Vorgaben für beschlagnahmte Waren. Seit dem 1. Januar 2025 sind Verkauf und Nutzung von E-Zigaretten und erhitztem Tabak in Vietnam in jeder Form verboten. Legale Hersteller und Händler könnten von weniger Konkurrenz durch unversteuerte Produkte profitieren. Entscheidend ist jedoch, ob die Behörden Organisatoren und Vertriebsnetze identifizieren, statt nur einzelne Sendungen abzufangen.