Vietnam muss für die Sicherung seiner Agrarmarktanteile in ASEAN mehr investieren
Vietnams Ausfuhren von Reis, Obst, Gemüse und Meeresprodukten nach ASEAN erreichten in den ersten sieben Monaten 2026 ein beträchtliches Volumen. Strengere Einfuhrstandards und mehr regionaler Wettbewerb erhöhen den Investitionsbedarf bei Rückverfolgbarkeit, Zertifizierung und höherwertigen Produkten.
Reisexporte erreichen fast drei Viertel der Menge von 2025
Vietnamesische Agrarexporteure wollen ihre Stellung in ASEAN behaupten, während die Importländer ihre Anforderungen an Qualität, Rückverfolgbarkeit, Zertifizierung und Hygienekontrollen verschärfen. Die Region bietet kurze Transportwege und Zollvergünstigungen, entwickelt sich aber zugleich zu einem immer stärker umkämpften Markt für Anbieter von Agrar-, Forst- und Meeresprodukten.
Vietnam exportierte in den ersten sieben Monaten 2026 rund 3 Millionen Tonnen Reis nach ASEAN, wie das Informations- und Dienstleistungszentrum für Landwirtschaft und Umwelt am vietnamesischen Institut für Strategie und Politik in Landwirtschaft und Umwelt mitteilte. Die Lieferungen hatten einen Wert von 1,4 Milliarden $. Das entsprach 75,3 % der Menge und 68,7 % des Wertes im Gesamtjahr 2025.
Der Abstand zwischen beiden Quoten zeigt, dass die Liefermenge im Verhältnis zum Vorjahresergebnis schneller vorankam als der Exportwert. Zugleich konkurriert Vietnam mit Thailand und einer wachsenden kambodschanischen Reiswirtschaft. Kambodscha exportierte im Siebenmonatszeitraum rund 707.000 Tonnen Reis im Wert von 415,12 Millionen $ — 68 % mehr Menge und 34,3 % mehr Wert als ein Jahr zuvor. Auf ASEAN entfielen etwa 266.300 Tonnen für 102,84 Millionen $.
Obst, Gemüse und Meeresprodukte bauen ihre Präsenz aus
Vietnams Obst- und Gemüseexporte nach ASEAN erreichten in den ersten sieben Monaten 249,8 Millionen $, entsprechend 68,8 % des Gesamtwertes von 2025. Die Ausfuhren von Meeresprodukten beliefen sich auf 439,6 Millionen $ oder 61,1 % des Vorjahreswertes. Malaysia und Thailand gehören laut Dang Phuc Nguyen, Generalsekretär des vietnamesischen Obst- und Gemüseverbandes, zu den zehn größten Exportmärkten des Landes in diesem Segment.
Vietnamesische Gemüseexporte nach Malaysia stiegen im Berichtszeitraum um 45 % gegenüber dem Vorjahr. In Thailand behaupteten vietnamesische Drachenfrüchte dank ganzjähriger Verfügbarkeit, ihres Aussehens und wettbewerbsfähiger Preise eine starke Stellung in Handelsketten wie Big C und Central Food Hall. Thailändische Unternehmen beziehen zudem mehr tiefgekühlte Gemüsezutaten, Trockenfrüchte, Saftkonzentrate und vorverarbeitete Agrarerzeugnisse aus Vietnam für die exportorientierte Lebensmittelindustrie sowie für Restaurants und Hotels.
Verarbeitetes und konserviertes Obst und Gemüse sowie getrocknete Nüsse profitieren im Rahmen des ASEAN-Warenhandelsabkommens ATIGA von einem Zollsatz von 0 %. Kurze Straßen- und Seeverbindungen bieten einen zusätzlichen Kostenvorteil. Dadurch können vietnamesische Anbieter direkter mit heimischen Marken in Thailand konkurrieren. Dauerhafte Regalplätze hängen jedoch zunehmend von einheitlichen Produktspezifikationen, vollständigen Unterlagen und zuverlässiger Lieferung ab.
Indonesien und die Philippinen erhöhen die Anforderungen
Für die Philippinen wird Vietnam empfohlen, mehr Reis im mittleren und gehobenen Segment anzubieten, darunter Duftreis, Bio-Reis und andere hochwertige Sorten. Le Phu Cuong, Handelsberater im vietnamesischen Handelsbüro auf den Philippinen, forderte zudem eine bessere Beobachtung von Änderungen bei Zöllen, technischen Hemmnissen und Quarantänegenehmigungen. Die Philippinen diversifizieren ihre Reisbeschaffung unter anderem über Kambodscha und Myanmar, wodurch die Abhängigkeit vom Massensegment riskanter wird.
Vietnamesische Lieferanten sollen ihre Aktivitäten außerdem über Metro Manila hinaus nach Cebu in den Visayas und Davao auf Mindanao ausweiten. Nhan Dan berichtete, dass diese regionalen Wirtschaftszentren eine erhebliche Nachfrage nach Reis und tiefgekühlten Meeresprodukten aufweisen, von vietnamesischen Exporteuren aber noch nicht ausreichend erschlossen sind. Dafür sind engere Beziehungen zu Importeuren und Vertriebspartnern sowie eine passende Logistik erforderlich.
Indonesien verschärft die praktische Anwendung seiner Produkt- und Zertifizierungsvorschriften, insbesondere der Halal-Anforderungen. Der von der indonesischen Halal-Behörde erlassene Beschluss Nr. 4/2026 sieht strengere Prüfungen von Dokumenten und tatsächlichen Produkten im Verlade- und/oder Ursprungsland vor dem Versand vor. Exporteure benötigen deshalb regelkonforme Rohstoffgebiete, dokumentierte Produktionsverfahren, Rückverfolgbarkeitssysteme, Zertifizierungsunterlagen und eine abgestimmte Logistik, bevor die Ware Vietnam verlässt.
Vu Ba Phu, Leiter der vietnamesischen Agentur für Handelsförderung, bezeichnete ASEAN sowohl als wichtigen Markt als auch als Netzwerk von Handels-, Investitions-, Liefer- und Produktionspartnern. Um Marktanteile zu halten, müssen Exporteure regionale Handelsvorteile nutzen und zugleich entlang der gesamten Lieferkette investieren — von Landwirtschaft und Verarbeitung bis zu Zertifizierung und Einzelhandelsvertrieb. Diese Kosten werden zu einer Voraussetzung für den Marktzugang und sind nicht mehr nur Teil einer freiwilligen Premiumstrategie.