Vietnam bereitet Marktöffnung für australisches Känguru- und Hirschfleisch vor
Vietnam bereitet nach Prüfungen von Schlachtbetrieben und Lieferketten die erneute Zulassung von australischem Känguru- und Hirschfleisch vor. Die Spezialprodukte ergänzen einen Agrarhandel, der 2024 rund 2,2 Milliarden $ erreichte.
Vietnam treibt das Zulassungsverfahren voran
Australisches Känguru- und Hirschfleisch könnte bald wieder in vietnamesischen Geschäften erhältlich sein, während beide Länder die letzten Anforderungen für den Marktzugang bearbeiten. Ngoisao.vn berichtet, dass vietnamesische Behörden eine Delegation nach Australien entsandten, um Schlachtbetriebe zu kontrollieren und vor der Marktöffnung die gesamte Lieferkette zu bewerten.
Die geplante Zulassung wurde in einer gemeinsamen Erklärung Vietnams und Australiens vom 11. August erneut bestätigt. Australien hatte Vietnam bereits im Mai aufgefordert, die verbleibenden rechtlichen Verfahren zügig abzuschließen. Ein konkretes Einfuhrdatum, zugelassene Mengen oder die Lieferanten der ersten Sendungen wurden bislang nicht genannt.
Die Prüfung ist besonders relevant, weil sich die kommerzielle Gewinnung von Kängurufleisch von der konventionellen Nutztierhaltung unterscheidet. Das Fleisch stammt überwiegend aus Wildbeständen, deren Entnahme durch Quoten und ökologische Vorschriften der einzelnen australischen Bundesstaaten geregelt wird. Für die Zulassung zählen deshalb neben den Standards der Schlachtbetriebe auch Rückverfolgbarkeit und Kontrollen entlang dieser besonderen Lieferkette.
Ein Spezialprodukt für einen jungen Markt
Kängurufleisch ist vielen vietnamesischen Verbrauchern noch wenig vertraut, obwohl Australien das Produkt bereits in etwa 60 Länder und Gebiete exportiert. Laut Ngoisao.vn wird es wegen seines Gehalts an Protein, Eisen und Zink sowie eines Fettanteils von weniger als 2 % geschätzt. Damit können Händler das Produkt klar im gesundheitsorientierten Einzelhandel und in der Gastronomie positionieren. Die Nachfrage wird jedoch von Verbraucherinformation, Preis und einer verlässlichen Kühlkette abhängen.
Die erneute Öffnung umfasst auch australisches Hirschfleisch und erweitert damit das Angebot vietnamesischer Importeure um eine weitere spezielle Rotfleischkategorie. Beide Produkte dürften etablierte Fleischarten zunächst nicht mengenmäßig herausfordern. Die ersten Absatzchancen liegen eher bei Premiumsupermärkten, Restaurants und Abnehmern, die differenzierte magere Proteinquellen suchen.
Breitere Basis im Agrarhandel
Die Entscheidung fällt in eine Phase wachsenden Warenhandels. Vietnams Ausfuhren nach Australien erreichten laut Ngoisao.vn in den ersten sieben Monaten 2026 einen Wert von 4,6 Milliarden $, fast 30 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2025 lagen sie bei etwa 6,8 Milliarden $, verglichen mit 3,6 Milliarden $ im Jahr 2020.
Der bilaterale Agrarhandel belief sich 2024 auf rund 2,2 Milliarden $. Australien ist Vietnams drittgrößter Lieferant von Obst und Gemüse und stellt zugleich große Rohstoffmengen bereit. Vietnams Weizenimporte aus Australien erreichten 1,39 Millionen Tonnen im Wert von etwa 380 Millionen $. In der Gegenrichtung haben sich vietnamesische Meeresfrüchte, Cashewkerne, Holz, Obst und Gemüse sowie Kaffee auf dem australischen Markt etabliert.
Der Zugang für Frischwaren zeigt den gegenseitigen Charakter der Beziehungen. Vietnams erste Sendung frischer Pomelos traf im April nach mehr als zwei Jahren technischer Verhandlungen per Luftfracht in Australien ein. Pomelo wurde nach Litschi, Mango, Drachenfrucht, Longan und Passionsfrucht zur sechsten zugelassenen vietnamesischen Frischobstart. Känguru- und Hirschfleisch erweitern diesen Austausch nun um spezielle tierische Proteine. Australische Verarbeiter und Händler erhalten einen neuen regulierten Absatzkanal. Vietnamesische Importeure müssen zeigen, ob das besondere Nährwertprofil nach der anfänglichen Neugier eine dauerhafte Nachfrage erzeugt.