Fast 890 vietnamesische Lebensmittelpositionen erreichen internationale Handelsketten
LuLu International Group exportiert fast 890 vietnamesische Agrar- und Lebensmittelpositionen, während Lootah in Abu Dhabi ein Verteilzentrum entwickelt. Käufer im Golfraum und in Europa zeigen wachsendes Interesse, verlangen jedoch Rückverfolgbarkeit, sichere Qualität, geeignete Verpackungen und nachhaltige Produktion.
Vietnamesische Produkte gewinnen Regalfläche im Ausland
Vietnamesische Anbieter von Agrarerzeugnissen und verarbeiteten Lebensmitteln bauen ihre Präsenz in internationalen Vertriebssystemen aus. Treiber ist das wachsende Interesse von Einkäufern im Nahen Osten, in Europa und in Südostasien. Auf einem Branchenseminar am 4. September in Ho-Chi-Minh-Stadt teilte MAY Exports, ein Unternehmen der LuLu International Group, mit, fast 890 vietnamesische Artikelnummern zu exportieren. Das Sortiment reicht von Gemüse, Obst, Reis und Kokosnüssen bis zu Kokoswasser, Getränken, Süßwaren und weiteren verarbeiteten Lebensmitteln.
LuLu kauft sowohl OEM-Ware als auch Produkte vietnamesischer Marken. Mirash Basheer, Direktor von MAY Exports, nannte eine stärkere Sichtbarkeit dieser Marken im Einzelhandel und ein klareres Profil Vietnams als Lebensmittelproduzent als langfristige Ziele. Nach Angaben von Dân Việt betreibt die Gruppe rund 80 Einkaufszentren und Supermärkte im Nahen Osten. Kleinere Hersteller müssen jedoch Verpackung, Warenpräsentation und Markenaufbau verbessern, wenn sie die Anforderungen internationaler Handelsketten erfüllen wollen.
Die VAE öffnen den Zugang zum Golfraum
Die Lootah Group investiert in Abu Dhabi in ein Lebensmittel-Verteilzentrum mit dem Namen Vietnam Food Pavilion. Dort sollen vietnamesische Agrarerzeugnisse und Lebensmittel gebündelt und in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie weiteren Märkten des Nahen Ostens vertrieben werden. Kaffee, Cashewkerne, Obst und verarbeitete Lebensmittel gelten als besonders wettbewerbsfähige Produktgruppen. Laut Dân Việt importieren die VAE rund 80 % ihres Bedarfs an Lebensmitteln und Agrarprodukten. Der Wert dieser Einfuhren lag 2025 bei etwa 15 Milliarden $.
Zugleich dienen die VAE als regionales Drehkreuz. Rund 77 % der von Mitgliedern der Dubai Chambers importierten Waren werden nach Angaben von Dân Việt in andere Länder des Nahen Ostens reexportiert. Vietnamesische Drachenfrüchte und Limetten sind bereits am Markt etabliert; bei Bananen bietet die kürzere Transportzeit einen Vorteil. Laut Basheer benötigen Lieferungen aus den Philippinen und Ecuador etwa 40 Tage bis in den Nahen Osten, aus Vietnam dagegen nur etwas mehr als 20 Tage. Das unterstützt Frische und schnelle Auftragsabwicklung. Lieferanten müssen dennoch Halal-Vorgaben erfüllen, Rückverfolgbarkeit gewährleisten und dauerhafte Beziehungen zu Distributoren aufbauen.
Europa verlangt Kontrolle vom Anbau bis zur Palette
Auch Europa bietet Wachstumsmöglichkeiten, stellt aber höhere technische Anforderungen. Sven Dekker, Mitgründer von Vietnam Food Europe BV, erklärte, sein Unternehmen arbeite mit rund 25 vietnamesischen Lieferanten. Für den Eintritt in die EU müssen chemische Rückstände, Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe, Verpackung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit kontrolliert werden. Hinzu kommen Verpackungsmaße, Palettenkonfiguration und effiziente Logistik. Neue Vorschriften zur Rückverfolgbarkeit und zu digitalen Produktpässen erfordern Investitionen bereits in der Produktion und nicht erst kurz vor dem Export.
Die Exportentwicklung schafft dafür ein günstiges Umfeld. Nach Angaben des vietnamesischen Industrie- und Handelsministeriums stiegen die Ausfuhren von Agrarprodukten und Lebensmitteln zwischen 2022 und 2025 durchschnittlich um 15-16 % pro Jahr und überschritten 2025 einen Wert von 41,27 Milliarden $. In den ersten 7 Monaten 2026 erreichten die Ausfuhren der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft fast 42,8 Milliarden $, 7,5 % mehr als im Vorjahr. Rund 80 % der vietnamesischen Reisexporte entfallen inzwischen auf Duftreis oder hochwertige Sorten; die Lieferungen in die EU legten um etwa 16 % zu. Die elektronische Regierungszeitung berichtete zudem, dass Vietnams Gesamtexporte in den ersten 8 Monaten 2026 um fast 22 % auf rund 374 Milliarden $ stiegen. Ho-Chi-Minh-Stadt steuerte etwa 21 % bei. Kleinere Anbieter erhalten damit erhebliche Chancen, doch dauerhafter Marktzugang hängt von konstanter Qualität, tieferer Verarbeitung, grüner Produktion, transparenten Fabrikdaten und bekannten Marken ab, nicht allein von höheren Mengen.