Vietnams Holzexporte wachsen im 1. Halbjahr 2026, doch 19-Milliarden-Dollar-Ziel unter Druck
Vietnams Exporte von Holz und Holzprodukten stiegen im ersten Halbjahr 2026 laut Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt um 4,4% auf 8,54 Milliarden US-Dollar. Steigende Logistikkosten, die starke Abhängigkeit von den USA und strengere Nachhaltigkeitsvorgaben gefährden das Jahresziel von 19 Milliarden US-Dollar.
Vietnams Exporte von Holz und Holzprodukten wuchsen im ersten Halbjahr 2026 weiter, doch steigende Logistikkosten, geopolitische Konflikte und strengere Standards der Importmärkte stellen die Fähigkeit der Branche, ihr Jahresexportziel von 19 Milliarden US-Dollar zu erreichen, auf die Probe, wie vietnamplus.vn und dttc.sggp.org.vn berichten.
Exportwerte und wichtige Märkte
Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt schätzte die Holz- und Holzproduktexporte im Juni 2026 auf 1,53 Milliarden US-Dollar, womit der Umsatz im ersten Halbjahr auf 8,54 Milliarden US-Dollar stieg – ein Plus von 4,4% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025. Das Ergebnis wurde erzielt, während der Konflikt im Nahen Osten die Transport- und Logistikkosten in die Höhe trieb und die Geschäfte der Exporteure belastete.
Die USA blieben der größte Markt mit knapp 50% des gesamten vietnamesischen Holz- und Holzproduktexports, gefolgt von China mit 15% und Japan mit 12,9%. Die Markttrends gingen deutlich auseinander. In den ersten fünf Monaten des Jahres fielen die Exporte in die USA um 8%, während die Lieferungen nach China um 49% und nach Japan um 5,1% zulegten. Die Niederlande waren das am schnellsten wachsende Ziel, während Südkorea unter den 15 größten Exportmärkten Vietnams den stärksten Rückgang verzeichnete.
Konzentrationsrisiko und Diversifizierung
Vietnam zählt zu den fünf größten Holzmöbelexporteuren der Welt, seine Produkte sind in nahezu 170 Ländern und Gebieten vertreten. Dennoch hält das Land nur rund 7% der weltweiten Importnachfrage nach Holzmöbeln – einem Markt von etwa 230 Milliarden US-Dollar pro Jahr –, was auf erhebliches Wachstumspotenzial hindeutet.
Der größte Engpass der Branche ist die Abhängigkeit von den USA, wo etwa die Hälfte des Exportumsatzes konzentriert ist. Diese Abhängigkeit macht Unternehmen anfällig für Änderungen der Handelspolitik, Zölle und handelspolitische Schutzmaßnahmen. Deshalb ist die Diversifizierung in Richtung Europäische Union, Japan, China, Indien und Naher Osten zu einer dringenden Priorität geworden. Unternehmen berichten, dass viele Aufträge bis zum Ende des zweiten Quartals und teils bis ins dritte Quartal unterzeichnet sind – ein positives Signal angesichts der allmählichen Erholung der weltweiten Nachfrage.
Nachhaltigkeitsstandards verschärfen sich
Laut Nguyen Van Dien, stellvertretender Direktor der Abteilung für Forstwirtschaft und Waldschutz, liegt die zentrale Herausforderung nicht mehr in den Aufträgen, sondern in der Erfüllung immer strengerer Anforderungen an die legale Holzherkunft, Entwaldungsvermeidung, Rückverfolgbarkeit und geringere CO2-Emissionen. Vietnam habe seine internationale Position durch den Aufbau legaler Rohstoffquellen und die Ausweitung nachhaltig zertifizierter Waldflächen gefestigt, dies sei jedoch nur eine erste Grundlage.
Die Fortschritte bei transparenten Lieferketten bleiben begrenzt. Das Codesystem für Produktionswälder wurde erst auf rund 25.500 Hektar in fünf nördlichen Provinzen erprobt – bei landesweit knapp 4,9 Millionen Hektar Aufforstungsfläche. Die nachhaltig zertifizierte Waldfläche beträgt etwa 868.000 Hektar und reicht noch nicht für den Exportbedarf. Zu den Prioritäten zählten laut Nguyen Van Dien die Ausweitung der zertifizierten Fläche, die Digitalisierung der Rückverfolgbarkeit und die Vorbereitung auf neue Vorschriften wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), den US-Lacey-Act und CO2-Emissionsstandards.
- Exporte Juni 2026: 1,53 Mrd. USD; 1. HJ 2026: 8,54 Mrd. USD (+4,4%)
- US-Anteil knapp 50%, China 15%, Japan 12,9%
- Zertifizierter Wald: rund 868.000 von knapp 4,9 Mio. Hektar Aufforstung
Politische Unterstützung
Phung Quoc Man, Vorsitzender des Handwerks- und Holzverarbeitungsverbands von Ho-Chi-Minh-Stadt (HAWA), sagte, die ASEAN-Holzindustrie könne sich nur nachhaltig entwickeln, wenn die Länder bei transparenten, verantwortungsvollen Lieferketten zusammenarbeiten. Zur Unterstützung der Unternehmen arbeitet das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt mit dem Finanzministerium an der Lösung von Fragen der Mehrwertsteuerrückerstattung für vorverarbeitete Holzprodukte gemäß Dekret 181/2025/ND-CP und finalisiert Leitlinien zur EUDR-Umsetzung. Das Ministerium wird zudem einen nationalen Plan für Produktionswald-Codes für 2026-2030 einführen und das Pilotprojekt auf 15 bis 20 Schlüsselprovinzen ausweiten, integriert in die nationale Walddatenbank.