Vietnams Fischbranche setzt auf Technologie und heimische Nachfrage
Vietnams Exporte von Fisch und Meeresfrüchten erreichten in den ersten sieben Monaten 2026 fast 6,9 Milliarden $, 12,8 % mehr als im Vorjahr. Die Branche baut Technologie, Verarbeitung und Rückverfolgbarkeit aus und erschließt zugleich einen Binnenmarkt von rund 1 Milliarde $ jährlich.
Exporte steigen, Qualitätsanforderungen ebenfalls
Vietnams Exporte von Fisch und Meeresfrüchten erreichten in den ersten sieben Monaten 2026 fast 6,9 Milliarden $, ein Plus von 12,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, berichtet Thoi Bao Ngan Hang. Das Wachstum gelang trotz volatilen Welthandels und höherer Anforderungen der Käufer an Qualität, Lebensmittelsicherheit, Herkunftsnachweise und Umweltstandards.
Die Branche will künftig mehr Wert je Produkteinheit schaffen, statt sich vor allem auf größere Mengen und niedrige Kosten zu stützen. Auf der Vietfish 2026, die vom 19. bis 21. August unter dem Motto „Innovation und Nachhaltigkeit“ in Ho-Chi-Minh-Stadt stattfand, präsentierten sich 335 Unternehmen aus 18 Ländern und Gebieten an 568 Ständen. Erwartet wurden mehr als 13.000 Fachbesucher und internationale Gäste.
Die stellvertretende Außenministerin Nguyen Minh Hang erklärte, die Branche müsse über Qualität, Technologie, Wertschöpfung, Marken und Nachhaltigkeit konkurrieren. Technologie sei in der gesamten Kette nötig, von Zucht und Aquakultur über Krankheitsmanagement bis zu Verarbeitung, Lagerung, Logistik und Rückverfolgbarkeit. Der stellvertretende Minister für Landwirtschaft und Umwelt Vo Van Hung forderte, dass digitale Systeme und Daten Produktivität, Kosten, Qualität und Transparenz für Unternehmen, Züchter und Fischer konkret verbessern.
Verarbeitung und Zertifizierung rücken in den Mittelpunkt
Der Pangasius zeigt den Modernisierungsdruck besonders deutlich. Vietnam ist der weltweit größte Produzent und Exporteur dieses Fisches; 2025 erreichten die Ausfuhren fast 2,2 Milliarden $. Internationale Käufer verlangen jedoch zunehmend den Nachweis anerkannter Standards. Die stellvertretende Industrie- und Handelsministerin Phan Thi Thang erklärte, die Branche habe die tiefere Verarbeitung schrittweise ausgebaut, ihr Angebot diversifiziert und ihre Fähigkeit zur Erfüllung anspruchsvoller Marktvorgaben verbessert.
Vietnam strebt für 2026 Fischerei- und Meeresfrüchteexporte von 12 Milliarden $ an. Laut VASEP beliefen sie sich 2025 auf rund 11,3 Milliarden $ und erreichten mehr als 170 Länder, während die nationale Produktion fast 10 Millionen Tonnen betrug. Das neue Ziel hängt daher nicht nur von höheren Verkäufen von Garnelen und Fisch ab, sondern auch von einem größeren Anteil technologieintensiver, verarbeiteter und markengeführter Produkte.
Der Binnenmarkt wird zum zweiten Wachstumskanal
Der vietnamesische Binnenmarkt für Fisch und Meeresfrüchte ist nur rund 1 Milliarde $ pro Jahr groß. Das ist gemessen an der Produktion und einer Bevölkerung von fast 100 Millionen Menschen gering. Steigende Einkommen, Ernährungsbedürfnisse und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein eröffnen Chancen. VASEP weist jedoch darauf hin, dass sich heimische Kunden bei Geschmack, Verpackung, Portionsgröße, Preis, Vertrieb und Kommunikation von Exportkunden unterscheiden.
Kleine Packungen mit Fischfilets, Fertiggerichte und praktische Produkte dürften besser zu städtischen Haushalten passen als für Auslandskunden entwickelte Ware. Nguyen Thai Dung, stellvertretender Generaldirektor von Fujimart Vietnam, warnte wegen hoher Logistik-, Lager- und Transportkosten vor einer einseitigen Konzentration auf Frischware. Er forderte mehr Investitionen in Vor- und Tiefenverarbeitung sowie in Produkte mit höherer Wertschöpfung für den heimischen Bedarf.
Supermärkte, Convenience-Läden, Onlinehandel, Restaurantketten und Großküchen schaffen zusätzliche Zugänge zu den Verbrauchern. Der Handel verlangt zugleich Rückverfolgbarkeit, Lebensmittelsicherheit bereits beim Wareneingang und eine lückenlose Kühlkette. Tran Quang Huy, Einkaufsleiter für Fisch und Meeresfrüchte bei MM Mega Market Vietnam, bezeichnete diese drei Kontrollen als unverzichtbar. Ein stärkerer Heimatmarkt könnte Verarbeitern bei Änderungen ausländischer Zölle, technischer Hürden oder Umweltstandards als Puffer dienen, die Produktion stabilisieren und die Abhängigkeit von wenigen großen Exportmärkten verringern.