Vietnam verhängt Antidumpingzölle von bis zu 45,30 Prozent auf Keramikfliesen aus Indien
Vietnams Industrie- und Handelsministerium erhebt endgültige Antidumpingzölle von 5,55 bis 45,30 Prozent auf bestimmte Keramik- und Feinsteinzeugfliesen aus Indien, befristet auf fünf Jahre. Damit endet das im August 2025 auf Antrag von neun inländischen Herstellern eröffnete Verfahren AD23. Verbandsdaten aus dem Verfahren zeigen eine zeitweise Kapazitätsauslastung von rund 50 Prozent und einen Rückgang der Neuinvestitionen um fast 58 Prozent.
Vietnams Industrie- und Handelsministerium hat endgültige Antidumpingzölle auf bestimmte Keramik- und Feinsteinzeugfliesen mit Ursprung in Indien verhängt. Die Sätze reichen je nach Hersteller- und Exporteurgruppe von 5,55 bis 45,30 Prozent. Grundlage ist der Beschluss Nr. 2174/QD-BCT vom 9. Juli 2026; die Maßnahme gilt fünf Jahre, sofern sie nicht durch eine gesonderte Entscheidung des Ministeriums verlängert, geändert oder aufgehoben wird, berichtet cafef.vn.
Die endgültige Feststellung kam zu dem Ergebnis, dass Dumping vorlag, dass eindeutige Belege für die Gefahr einer bedeutenden Schädigung der vietnamesischen Fliesenindustrie bestehen und dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den gedumpten Einfuhren und dieser Gefahr besteht.
Vom Antrag zum Verfahren AD23
Das Verfahren begann mit einem gemeinsamen Antrag inländischer Hersteller. Am 2. Juli 2025 bestätigte die vietnamesische Behörde für Handelsschutz mit der Mitteilung Nr. 94/TB-PVTM, dass die von neun inländischen Produzenten eingereichten Unterlagen vollständig und gültig sind. Zu den Antragstellern zählte die VITTO Group JSC aus der Unternehmensgruppe VTHM. Am 18. August 2025 eröffnete das Ministerium mit dem Beschluss Nr. 2333/QD-BCT förmlich die Untersuchung unter dem Aktenzeichen AD23.
Für den Antrag mussten die Unternehmen umfassende und überprüfbare Daten zu Produktion, Kapazität, Verkaufspreisen, Kosten, Lagerbeständen, Gewinn, Beschäftigung und Investitionen vorlegen. VTHM erklärte, man habe ungewöhnliche Marktentwicklungen festgestellt, gemeinsam mit anderen Herstellern die Belege zusammengetragen und gehöre zu den Unternehmen, die den branchenweiten Antrag zusammen mit dem vietnamesischen Verband für Baukeramik angestoßen haben.
Halb stillstehende Öfen und sinkende Investitionen
Das Marktumfeld hatte sich verschlechtert. Vietnams Fliesenhersteller sahen sich einer nur langsam anziehenden Baunachfrage, schwankenden Rohstoff- und Energiekosten, Überkapazitäten und steigenden Einfuhren mit Preisvorteil gegenüber. Zahlen des vietnamesischen Verbands für Baukeramik, zitiert von cafef.vn, zeigen das Ausmaß:
- branchenweite Kapazitätsauslastung zeitweise bei rund 50 Prozent;
- Lagerbestände um mehr als 30 Prozent gestiegen;
- Neuinvestitionen in die Fliesenproduktion um fast 58 Prozent gesunken.
Vietnams Fliesenbranche produziert in großem Maßstab, beschäftigt Zehntausende Arbeitskräfte und deckt einen erheblichen Teil der Lieferkette für Baustoffe ab. Einzelne Unternehmen haben Hunderte Milliarden bis mehrere Billionen Dong in Technologie, Automatisierung und Linien für Großformatfliesen investiert.
Gestaffelte Sätze und Reaktionen der Branche
Die Spanne zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Zollsatz zeigt, dass die Untersuchungsbehörde die Daten und die Mitwirkung jedes Herstellers und Exporteurs einzeln bewertet hat, statt eine einheitliche, undifferenzierte Maßnahme anzuwenden.
Nguyen Minh Tuan, Vorsitzender des vietnamesischen Verbands für Baukeramik, sagte, das Vorgehen der VITTO Group und weiterer inländischer Unternehmen markiere einen Wandel im Umgang der Branche mit Marktproblemen: Statt nur auf Preisdruck zu reagieren, hätten die Unternehmen Daten, Rechtsgrundlagen und handelspolitische Schutzinstrumente genutzt. Sobald der Markt auf eine transparentere Wettbewerbsgrundlage gestellt sei, müssten die Unternehmen diese Chance in Investitionen in Technologie, Qualität sowie effizientere und grünere Produktion umsetzen.
VTHM: kein Schutzschild gegen Wettbewerb
VTHM erklärte, die Teilnahme an einem Handelsschutzverfahren bedeute weder eine Einschränkung der Zusammenarbeit mit Indien noch eine Ablehnung indischer Waren; das Unternehmen bleibe offen für Technologieforschung, Produktentwicklung und Importe, die dem vietnamesischen Markt Mehrwert bringen. Der Ursprung sei nicht der einzige Maßstab für den Wert eines Produkts: Alle Waren, ob im Inland gefertigt oder eingeführt, müssten die Vorschriften einhalten, den ausgewiesenen Standards entsprechen und transparent konkurrieren. Niedrige Preise dürften nicht aus Dumping, aus dem Absenken notwendiger Standards oder aus der Verlagerung von Qualitätsrisiken auf Händler, Verarbeiter und Endnutzer entstehen.
Die Gruppe betonte zudem, der Zoll sei kein Grund für ungerechtfertigte Preiserhöhungen oder nachlassende Innovation, und bezeichnete die kommende Zeit als Phase zur Stärkung der eigenen Leistungsfähigkeit. Anforderungen an Energieverbrauch und Emissionen in der Keramikindustrie - höhere Ofeneffizienz, Abwärmenutzung, geringerer Materialeinsatz und alternative Brennstoffe - erforderten langfristiges Kapital. Man werde mit Behörden und anderen Unternehmen die Durchsetzung beobachten und Umgehungsversuche identifizieren. VTHM führt die Marken Perfetto, Vitto, Vincera und Vinlux und war das erste Unternehmen in Vietnam, das ein zweites Sacmi-Continua-System in eine Produktionslinie integriert hat, im Werk Vitto-VP; zum Großformatsortiment gehören Fliesen im Format 750x1500 mm in matter und polierter Ausführung auf Feinsteinzeugscherben mit einer Wasseraufnahme von unter 0,5 Prozent.