Verpackungsindustrie gab in Frankreich mindestens 2,5 Millionen € für Lobbyarbeit aus
Verpackungsunternehmen und verbundene Organisationen gaben 2025 in Frankreich mindestens 2,5 Millionen € für Lobbyarbeit aus, wie ein von Le Monde aufgegriffener Bericht von Zero Waste France zeigt. Betroffen ist ein Verpackungsmarkt mit rund 22 Milliarden € Umsatz, während Frankreich seine Ziele für Kunststoffreduktion und Recycling verfehlt.
Lobbyarbeit rund um einen Markt von 22 Milliarden €
Verpackungshersteller und verbundene Branchen gaben 2025 in Frankreich mindestens 2,5 Millionen € für Lobbyarbeit aus. Das geht aus einem Bericht von Zero Waste France hervor, über den Le Monde berichtet. Die Aktivitäten zielten auf Regeln für einen Verpackungsmarkt mit einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden €, insbesondere auf Maßnahmen zur Verringerung von Einwegkunststoffen.
Zero Waste France stützte die Schätzung auf Meldungen bei der französischen Transparenzbehörde HATVP. Die Organisation identifizierte 125 Akteure mit gemeldeten Einflussaktivitäten zum Thema Verpackungen. Davon verwendeten 34 mehr als die Hälfte ihres Lobbybudgets dafür. Die 2,5 Millionen € gelten als Untergrenze, weil Lobbyarbeit auf EU-Ebene, Auftragsstudien und Kommunikationskampagnen außerhalb des HATVP-Bereichs fehlen.
Die beteiligten Interessen reichen über Verpackungshersteller hinaus. Dazu gehören Kunststoffunternehmen, Lebensmittelkonzerne, große Einzelhändler, Mineralwasserabfüller und Organisationen für Verpackungsabfälle. Im Zentrum stehen Elipso, Plastalliance und Polyvia. Verpackungen erwirtschafteten 2025 42 % des Umsatzes der französischen Kunststoffbranche, deren Gesamtumsatz über 39 Milliarden € lag.
Kunststoffsteuer aus dem Haushalt 2026 gestrichen
Elipso, der Verband der Hersteller starrer und flexibler Kunststoffverpackungen, meldete für 2025 34 Einflussaktivitäten nach 42 im Jahr 2024. Das Lobbybudget belief sich auf 200.000 €, acht Beschäftigte arbeiteten im Bereich Public Affairs. Im Jahresbericht 2025 erklärte Elipso, die kontinuierliche Interessenvertretung habe in jeder entscheidenden Phase des parlamentarischen Verfahrens zu Änderungsanträgen gegen die Kunststoffsteuer geführt.
Die Abgabe war im französischen Haushaltsentwurf 2026 enthalten und sollte dem Staat 2026 Einnahmen von 29 Millionen € bringen. Sie hätte einen Teil der französischen EU-Kunststoffzahlung von rund 1,5 Milliarden € auf die Branche verlagert. Der Senat strich die Regelung im Dezember 2025 mit Änderungsanträgen von Abgeordneten der Parteien Les Républicains und Horizons. Elipso meldete mehr als 17 strategische Treffen mit Ministerbüros, Zentralverwaltung und Parlamentariern.
Le Monde berichtete außerdem über eine Organisation, die trotz 28 gemeldeter Aktivitäten für 2025 kein Lobbybudget auswies; 2024 hatte es über 400.000 € betragen. Im Januar finanzierte sie die Supermarktkampagne „Too much?“ zugunsten von Kunststoffverpackungen. Der Recyclingkonzern Paprec meldete Einflussausgaben von über 1 Million €. Im Rahmen einer 2025 geschlossenen Justizvereinbarung zahlte Paprec 17,5 Millionen €, um einer Strafverfolgung wegen Korruption, Absprache und Begünstigung bei öffentlichen Abfallaufträgen zu entgehen.
Frankreich bleibt hinter den Verpackungszielen zurück
Frankreichs Abfallgesetz von 2020 sieht vor, Einwegverpackungen aus Kunststoff bis 2040 abzuschaffen. Sechs Jahre später kommen jährlich noch immer mehr als 110 Milliarden Einweg-Haushaltsverpackungen auf den Markt. Die Zahl der Kunststoffflaschen verharrt bei 14,6 Milliarden, obwohl sie bis 2030 halbiert werden sollte.
Frankreich recycelt laut Le Monde nur ein Viertel seiner Kunststoffverpackungen. Das liegt deutlich unter dem europäischen Ziel von 50 % und dem Durchschnitt anderer Länder von 42 %. Wegen dieser Lücke tragen die Steuerzahler weiterhin die französische EU-Kunststoffzahlung von rund 1,5 Milliarden €.
Weitere gemeldete Akteure waren der Verband der Erfrischungsgetränke mit 175.000 €, der nationale Verband der Lebensmittelindustrie mit fast 65.000 € und die Verpackungsorganisation Citeo mit 240.000 €. Zwei Umweltorganisationen, die mehr als die Hälfte ihres Lobbybudgets für Verpackungen einsetzten, gaben 2025 zusammen nur 43.000 € aus — fast 60-mal weniger als die Industrie. Zero Waste France fordert, Abfallvermeidung und Wiederverwendung zu Schwerpunkten der kommenden Regierungsstrategie für Reduktion, Wiederverwendung und Recycling zu machen.