← Zurück zu den Nachrichten

USA mobilisieren 40 Milliarden $ für kritische Rohstoffe und ziehen Europa bei Wolfram davon

Die USA haben laut Financial Times seit 2022 rund 40 Milliarden $ für kritische Rohstoffprojekte mobilisiert, während Europa langsamer vorankommt. Für Wolframverbraucher wird der Abstand spürbar, da die europäischen APT-Preise fast 500 % über dem Vorjahresniveau liegen.

USA mobilisieren 40 Milliarden $ für kritische Rohstoffe und ziehen Europa bei Wolfram davon

US-Politik geht über klassische Förderung hinaus

Die USA haben laut Financial Times seit 2022 rund 40 Milliarden $ für Projekte im Bereich kritischer Rohstoffe mobilisiert. Damit wächst der Abstand zu Europa, während Staaten um Metalle für Verteidigung und Hochtechnologie konkurrieren. Die EU hat 75 strategische Projekte ausgewählt, für 2026 bislang aber nur rund 6 Milliarden € Unterstützung zugesagt, berichtet Wallstreet Online unter Berufung auf die Financial Times.

Washington verbindet Zuschüsse und Projektförderung mit direkten Beteiligungen. Das US-Verteidigungsministerium vereinbarte eine Investition von 400 Millionen $ in den Seltene-Erden-Produzenten MP Materials. Der Zugang zu kritischen Rohstoffen wird damit als industrie- und sicherheitspolitische Aufgabe behandelt und nicht allein privatem Kapital überlassen.

Der europäische Critical Raw Materials Act setzt Versorgungsziele und soll Genehmigungen beschleunigen. Der Europäische Rechnungshof warnte jedoch, dass zahlreiche Vorhaben die EU-Ziele für 2030 möglicherweise nicht rechtzeitig erreichen, heißt es in dem von Wallstreet Online zitierten Bericht der Financial Times. Vor der Produktion stehen weiterhin Exploration, Ressourcenschätzung, metallurgische Tests, Genehmigungen, Finanzierung und Bau.

Wolframpreise machen den Zeitdruck sichtbar

Wolfram wird wegen seiner Härte und Temperaturbeständigkeit in Hartmetallwerkzeugen, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und bestimmten Halbleiteranwendungen eingesetzt. China verfügt über eine dominierende Stellung bei Förderung und Verarbeitung. Exportkontrollen haben das außerhalb Chinas verfügbare Angebot zusätzlich verknappt.

Argus berichtete am 20. August, dass die europäischen Preise für Ammoniumparawolframat, kurz APT, trotz einer jüngsten Korrektur fast 500 % über dem Vorjahresniveau lagen. APT ist ein wichtiges Zwischenprodukt der Wolframkette, weshalb der Anstieg Werkzeughersteller und andere europäische Verarbeiter unmittelbar trifft. Hohe Preise fördern Investitionen in alternative Quellen, verkürzen aber nicht die langen Entwicklungszeiten für Bergwerke und Verarbeitungskapazitäten.

Projekte in Südkorea und Kanada gewinnen an Gewicht

Almonty Industries zeigt, welchen Wert der Markt einer Produktion außerhalb Chinas beimisst. Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von rund 43 Millionen C$, nach etwa 7,2 Millionen C$ im Vorjahresquartal, sowie ein Ergebnis aus dem Minenbetrieb von rund 26,1 Millionen C$. Das Sangdong-Projekt in Südkorea nahm Anfang Juli den Verarbeitungsbetrieb auf. Phase I soll nach vollständigem Hochlauf rund 640.000 Tonnen Erz jährlich verarbeiten; eine genehmigte zweite Phase könnte die Kapazität auf bis zu 1,2 Millionen Tonnen erhöhen.

In Kanada wurde das Wolfram-Molybdän-Projekt Sisson von Northcliff Resources in New Brunswick an das staatliche Major Projects Office verwiesen. Kanada stellt 8,2 Millionen C$ für weitere Arbeiten bereit. Northcliff zufolge kamen zudem 15 Millionen $ vom US-Verteidigungsministerium. Damit unterstützt die US-Politik unmittelbar die Entwicklung einer potenziellen Wolframquelle in einem verbündeten Land.

Das benachbarte Sisson North Tungsten Project von Adelayde Exploration umfasst 9.780 Acres. Dort wurden helikoptergestützte magnetische, radiometrische und VLF-Messungen abgeschlossen. Die Nähe zu Sisson belegt keine wirtschaftliche Lagerstätte; das Vorhaben befindet sich weiterhin in einer frühen, spekulativen Phase. Für Anleger ist die Trennung entscheidend: Staatliche Mittel können Untersuchungen finanzieren und tragfähige Projekte beschleunigen, aber weder einen Fund noch ein kommerzielles Bergwerk garantieren.

Für industrielle Abnehmer ist Zeit der zentrale Faktor. Die USA finanzieren Produzenten, Verarbeitung und frühe Projekte gleichzeitig, während Europa noch Förderung und Regulierung koordiniert. In einem Markt, in dem APT binnen eines Jahres um mehrere Hundert Prozent teurer wurde, könnten Verzögerungen europäische Verarbeiter in einen schärferen Wettbewerb um begrenztes Material außerhalb Chinas zwingen.

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.