US-Zolldrohung lenkt globale Kupferströme um und treibt Preise nahe ans Rekordhoch
Händler bringen raffiniertes Kupfer vor möglichen US-Zöllen ab 2027 in amerikanische Lagerhäuser, während die Preise an Rekordstände heranrücken. Dadurch verknappt sich das verfügbare Angebot außerhalb der USA trotz eines zuvor erwarteten globalen Überschusses.
Lagerabzüge verschärfen die Marktlage
Dreimonatskupfer an der London Metal Exchange erreichte am Dienstag 14.343 $ je Tonne und näherte sich damit dem Rekord von 14.527,50 $. Zuvor waren innerhalb weniger Tage Aufträge zur Entnahme von 65.400 Tonnen Kupfer aus LME-Lagern eingegangen. Diese Stornierungen von Lagerscheinen schmälerten die Entlastung durch den in der Vorwoche verzeichneten Anstieg der verfügbaren Bestände an der LME und der Shanghai Futures Exchange.
Nach Einschätzung von Analysten spiegelt die Preisstärke vor allem eine zunehmende Knappheit bei sofort verfügbarem Kupfer außerhalb der USA wider, nicht jedoch ein globales Defizit. Das Metall bleibt ein zentraler Rohstoff für Stromnetze, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Eine begrenzte kurzfristige Verfügbarkeit trifft deshalb Verarbeiter und industrielle Käufer unmittelbar, selbst wenn das weltweite Gesamtangebot rechnerisch ausreicht.
COMEX-Bestände erreichen Rekordniveau
Höhere Kupferpreise in den USA haben Händler dazu veranlasst, Metall vor einer möglichen Einführung von Zöllen auf raffiniertes Kupfer ab 2027 in COMEX-Lager zu bringen. Die COMEX-Bestände stiegen 46 Tage in Folge auf den Rekordwert von 675.185 Tonnen. CRU hatte für 2026 zuvor einen weltweiten Kupferüberschuss von 639.000 Tonnen prognostiziert, doch die Verlagerung des Metalls hat das zugängliche Angebot in anderen Regionen verringert.
Robert Edwards, leitender Kupferanalyst bei CRU, erklärte, die Zolldrohung habe einen Markt, der in diesem Jahr einen Überschuss aufweisen sollte, bestenfalls in einen ausgeglichenen Markt verwandelt, sofern das in den USA angesammelte Kupfer dem Rest der Welt nicht mehr zur Verfügung steht. Die USA importierten im ersten Halbjahr 2026 fast 885.000 Tonnen raffinierte Kupferkathoden. Das waren rund 3 % mehr als im Vorjahreszeitraum und mehr als doppelt so viel wie in den ersten sechs Monaten 2024. Im Gesamtjahr 2025 erreichten die US-Importe von raffiniertem Kupfer mit 1,64 Millionen Tonnen einen Rekord.
Zollentscheidung kann Preise in beide Richtungen bewegen
Raffiniertes Kupfer wurde im vergangenen Jahr letztlich von den US-Zöllen ausgenommen, was zunächst einen starken Preisrückgang auslöste. Das US-Handelsministerium sollte dem Weißen Haus jedoch bis zum 30. Juni einen Bericht über den Kupfermarkt vorlegen. Präsident Donald Trump könnte daraufhin über einen Zoll von 15 % ab dem 1. Januar 2027 entscheiden, der ab 2028 auf 30 % steigen würde. Macquarie-Strategin Alice Fox sagte, der bereits an der COMEX eingelagerte große Kupferbestand könne erst nach Jahren aufgebraucht sein. Macquarie sieht größere Abwärtsrisiken, obwohl Fox bei einer tatsächlichen Einführung des Zolls einen starken Preisanstieg erwartet.
Glencore-Chef Gary Nagle sieht die Unsicherheit über die US-Politik als stärkeren Preistreiber als den Zoll selbst. Eine endgültige Entscheidung könnte seiner Einschätzung nach die Preise senken, unabhängig davon, ob der Satz bei 0 %, 15 % oder 30 % liegt, weil der Markt Klarheit erhielte. Er erwartet, dass die US-Bestände, für die die entsprechenden Abgaben bereits entrichtet wurden, mit der Zeit im Inland verbraucht und wegen der Kosten nicht wieder exportiert werden. Andere Regionen könnten dadurch weiter unter einem begrenzten Angebot leiden. Amelia Fu, Leiterin der Rohstoffmarktstrategie bei Bank of China International, erklärte, die starke chinesische Binnennachfrage könne die Fähigkeit des weltweit größten Kupferschmelzlandes begrenzen, Engpässe anderswo auszugleichen. Als weitere Belastungen nannte sie niedrige Bestände, Minenausfälle und den Stillstand der Gresik-Hütte in Indonesien. In den kommenden Wochen oder Monaten hält sie neue Kupferpreisrekorde für möglich.