US-Zölle rücken Brasiliens Ethanol und Soja ins Zentrum der Handelsgespräche
Die US-Aufschläge betreffen 23,1 % der brasilianischen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten und erhöhen den Druck auf die Gespräche zwischen Washington und Brasília. Der Marktzugang für Ethanol und der weltweite Sojahandel sind für Goiás als bedeutenden Produktions- und Verarbeitungsstandort besonders relevant.
Zölle verunsichern brasilianische Exporteure
Zusätzliche US-Zölle auf brasilianische Waren haben die Unsicherheit im bilateralen Handel erhöht und Ethanol sowie Soja—zwei für Goiás wichtige Branchen—auf die Agenda der Gespräche zwischen Washington und Brasília gesetzt. Im Juli führten die Vereinigten Staaten zusätzliche Aufschläge von 25 % und 12,5 % auf Teile der Einfuhren aus Brasilien ein. Bei bestimmten Produkten können sich die Sätze laut O Hoje auf 37,5 % summieren. Das brasilianische Ministerium für Entwicklung, Industrie, Handel und Dienstleistungen, MDIC, schätzt, dass die Maßnahmen 23,1 % der brasilianischen Exporte in den US-Markt erfassen.
Estadão, der Kopien der US-Vorschläge an Brasilien vorlagen, berichtete, dass die Regierung von Präsident Donald Trump Zollsenkungen an eine Reihe handelspolitischer und politischer Forderungen knüpfte. Ein erster Vorschlag vom 16. Oktober 2025 enthielt 21 Maßnahmen. Eine zweite Fassung vom 9. Januar 2026 verkleinerte die Themenliste und strich einen Teil der Forderungen zur brasilianischen Innenpolitik. Ende August nahmen beide Regierungen ihre Verhandlungen wieder auf.
Marktzugang für Ethanol wird zur Verhandlungsfrage
Ethanol ist unmittelbar Teil des Konflikts. Eine US-Handelsuntersuchung führte den Zugang amerikanischer Biokraftstoffe zum brasilianischen Markt unter den Themen auf, die das Büro des US-Handelsbeauftragten prüfte. In früheren Vorschlägen hatte Washington zudem die Abschaffung des brasilianischen Zolls auf US-Ethanol verlangt. Brasilien verweist darauf, dass dieser Satz zum Gemeinsamen Außenzoll des Mercosur gehört, während brasilianisches Ethanol und brasilianischer Zucker auf dem US-Markt ebenfalls auf Barrieren stoßen.
Veränderte Einfuhrbedingungen könnten eine wachsende Wertschöpfungskette in Goiás treffen. Der Bundesstaat produzierte im Erntejahr 2025/2026 rund 5,3 Milliarden Liter Ethanol, darunter 841,6 Millionen Liter aus Mais. Im Juli 2026 lagen die Bestände an wasserhaltigem Ethanol 76 % über dem Vorjahresniveau. Bei diesem Lagerstand könnten die Produzenten auf zusätzliche Konkurrenz durch importierten Kraftstoff besonders empfindlich reagieren.
Brasiliens Ethanolexporte könnten im Erntejahr 2026/2027 ein Volumen von 1,535 Millionen Kubikmetern erreichen, 20 % mehr als in der vorangegangenen Saison. Ab Oktober oder November könnte die brasilianische Wettbewerbsfähigkeit jedoch nachlassen, wenn US-Ethanol voraussichtlich günstiger wird. Der brasilianische Verband der Zuckerrohr- und Bioenergieindustrie, Unica, wirbt für eine Verhandlungslösung und verweist auf die führende Rolle beider Länder in der globalen Biokraftstoffproduktion sowie auf gemeinsame Kooperationschancen.
Verschobene Sojaströme hätten breitere Marktfolgen
Soja war Bestandteil des ersten US-Vorschlags, der eine Zusammenarbeit beider Länder zur Stabilisierung des Welthandels mit der Ölsaat vorsah. Soja gehört nicht zu den wichtigsten Waren, die von den neuen spezifischen Aufschlägen betroffen sind. Politische Änderungen zwischen zwei großen Produzenten und Exporteuren könnten jedoch Käufe, Exportziele und Preise auf den internationalen Märkten verlagern.
Für Goiás reicht die Betroffenheit über die landwirtschaftliche Erzeugung hinaus. Die Sojaproduktion des Bundesstaates wird für 2025/2026 auf 20,1 Millionen Tonnen geschätzt, das zweithöchste Volumen der historischen Reihe, bei Erträgen über dem brasilianischen Durchschnitt. Im Juni exportierte Goiás 319.400 Tonnen Sojaschrot, einen Monatsrekord. Verarbeitungsanlagen in Rio Verde, Jataí, Itumbiara, Anápolis und Luziânia schaffen zusätzlich zur Ausfuhr unverarbeiteter Bohnen industrielle Wertschöpfung.
Die Folgen hängen davon ab, wie sich die Handelsströme zwischen Brasilien, den Vereinigten Staaten und anderen Käufern entwickeln. Eine stärkere Nachfrage nach brasilianischem Soja könnte Inlandspreise und Exportprämien stützen, während ein großes globales Angebot oder verlorener Marktzugang die Notierungen belasten würde. O Hoje zufolge hatten konkurrierende Käufer die brasilianischen Preise und Prämien bereits im Juli erhöht, wobei das weltweite Angebot den Anstieg begrenzte. Für Produzenten, Verarbeiter und Händler in Goiás entscheidet der Ausgang der Gespräche damit sowohl über den Ethanolzugang als auch über die Marktposition des Sojakomplexes.