US-kanadischer Zollstreit setzt Kosten und Lieferketten für Toilettenpapier unter Druck
Die US-Papierindustrie ruft Verbraucher angesichts des eskalierenden Handelsstreits mit Kanada dazu auf, kein Toilettenpapier zu horten. Kanadische Gegenzölle von 25 % bis 50 % auf Toilettenpapier und Produktionsmaterialien könnten Kosten erhöhen und grenzüberschreitende Lieferketten stören.
Branche mahnt angesichts steigenden Zolldrucks zur Zurückhaltung
Die American Forest & Paper Association hat US-Haushalte dazu aufgerufen, wegen des eskalierenden Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada kein Toilettenpapier zu horten. Der Konflikt droht alltägliche Papierwaren zu verteuern. Der Verband vertritt US-Hersteller von Toilettenpapier und anderen Papierprodukten. Nach seiner Einschätzung ist der Binnenmarkt stabil; Hamsterkäufe könnten jedoch Engpässe erzeugen, die sonst nicht entstehen würden.
Eine Verbandssprecherin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur DPA, die US-Lieferketten für Papierprodukte seien auf vorhersehbare und effiziente Abläufe ausgelegt. Plötzliche Nachfragesprünge würden ein System unnötig belasten, das den normalen Bedarf der Haushalte zuverlässig decken soll. Steigen die Käufe deutlich schneller als der tatsächliche Verbrauch, leeren sich die Lager des Einzelhandels, Distributoren geben ungewöhnlich große Bestellungen auf und Fabriken haben nur wenig Zeit, ihre Produktionspläne anzupassen.
Kanada bereitet Gegenmaßnahmen vor
Auslöser der Sorgen sind die von Kanada angekündigten Gegenzölle auf US-Waren im Wert von fast 20 Milliarden $. Die Maßnahmen sollen am 8. September in Kraft treten und reagieren auf zuvor von den Vereinigten Staaten verhängte Zölle auf kanadische Produkte, berichtete Darik Business Review unter Berufung auf DPA und die Bulgarische Nachrichtenagentur.
Nach Angaben der kanadischen Regierung erfassen die Maßnahmen ein breites Warenspektrum. Für Toilettenpapier und Rohstoffe zu dessen Herstellung sind Zölle zwischen 25 % und 50 % vorgesehen. Das ist für die nordamerikanische Papierindustrie relevant, da sie auf grenzüberschreitende Transporte von Fertigwaren, Vorprodukten und Materialien angewiesen ist. Ein Zoll kann daher nicht nur den Ladenpreis einer importierten Rolle erhöhen, sondern auch die Kosten der Fabriken und Vertriebsnetze in beiden Märkten.
Die American Forest & Paper Association warnte vor negativen Folgen auf beiden Seiten der Grenze. Sie erwartet mehr Unsicherheit und zusätzliche Kosten für Hersteller, Beschäftigte und Kunden. Eine weitere Eskalation könne zudem Lieferketten stören, die es Papierfabriken und Verarbeitern ermöglichen, zu investieren, wettbewerbsfähig zu bleiben und grundlegende Alltagsprodukte bereitzustellen.
Preise können auch ohne tatsächlichen Mangel steigen
Die verfügbaren Angaben deuten weder darauf hin, dass US-Hersteller kein Toilettenpapier mehr haben, noch dass sie den normalen Haushaltsbedarf nicht decken können. Das unmittelbare Risiko ist vielmehr die Kombination aus zollbedingten Kosten und verzerrter Nachfrage. Kaufen Haushalte deutlich mehr als benötigt, können vorübergehend leere Regale entstehen, obwohl die Produktionskapazität insgesamt ausreicht.
DPA beziffert den US-Einzelhandelspreis auf ungefähr 1 $ je Rolle. Historische Daten von Statista, die in dem Bericht angeführt werden, zeigen für 2018 einen durchschnittlichen Verbrauch von 141 Rollen je Einwohner. Damit waren die Vereinigten Staaten nach dieser Kennzahl der weltweit größte Verbraucher von Toilettenpapier. Bei einem derart hohen Grundverbrauch kann bereits eine kurze Welle von Hamsterkäufen erhebliche Zusatzbestellungen bei Supermärkten, Großhändlern und Transportdienstleistern auslösen.
Hersteller und Einzelhändler müssen echte Verbrauchsänderungen von vorsorglichen Käufen unterscheiden. Produzenten müssen außerdem prüfen, ob die Zölle Rohstoffe, Fertigwaren oder beide Kategorien verteuern. Importeure und Exporteure stehen vor Unsicherheit bei Vertragspreisen und Lieferterminen. Händler müssen entscheiden, welchen Teil der Mehrkosten sie tragen können, bevor sie die Regalpreise anheben. Mit ihrem Appell will die Branche verhindern, dass das Verhalten der Verbraucher dem bilateralen Zollschock eine zweite Belastung der Lieferketten hinzufügt.
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