US-Erntewetter und El Niño erhöhen Unsicherheit am Sojamarkt im dritten Quartal
Die weltweite Sojabilanz bleibt dank Brasiliens Rekordernte und des hohen südamerikanischen Angebots komfortabel. US-Erträge, El Niño, die Biokraftstoffnachfrage und die Umsetzung chinesischer Kaufzusagen könnten die Preisvolatilität bis Ende September jedoch erhöhen.
US-Erträge werden zum wichtigsten Preistreiber
Der globale Sojamarkt ist mit einer relativ komfortablen Versorgung in das dritte Quartal 2026 gestartet. Die Unsicherheit über die US-Ernte 2026/27 könnte die Preisvolatilität bis Ende September jedoch erhöhen. Notícias Agrícolas berichtet unter Berufung auf den 36. vierteljährlichen Rohstoffausblick von StoneX, dass die Bestandsentwicklung in den USA, eine Verstärkung von El Niño, die Nachfrage nach Rohstoffen für Biokraftstoffe und die Handelsbeziehungen zwischen China und den USA im Mittelpunkt stehen werden.
Das zweite Quartal war vom Preisdruck durch Brasiliens Rekordernte und günstige erste Aussichten für die US-Produktion geprägt. Nun richtet sich der Blick auf die entscheidende Entwicklungsphase der amerikanischen Bestände, in der Wetter und Feldbedingungen das Ertragspotenzial bestimmen. Ana Luiza Lodi, Marktanalystin bei StoneX, bezeichnete die US-Ertragserwartungen als wichtigsten Faktor für die Preisbildung bei Soja in diesem Quartal.
Die Aussaat in den USA wurde schneller als im historischen Durchschnitt abgeschlossen, zugleich nahm die Sojafläche zu. StoneX führt den Anstieg auf die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit von Soja gegenüber Mais zurück. Gründe waren hohe Kosten für Stickstoffdünger und die Rekordernte bei US-Mais in der Vorsaison. Die größere Fläche stützt die Produktionsaussichten, doch die endgültige Menge hängt von den Erträgen ab.
El Niño und der WASDE-Bericht im August erhöhen das Wetterrisiko
NOAA bestätigte El Niño offiziell im Juni, und das Phänomen könnte sich in den kommenden Monaten verstärken. Im Bericht angeführte internationale Prognosen sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis zum Jahresende eine starke Intensität erreicht. Historisch verringert das Phänomen das Risiko lang anhaltender Sommertrockenheit in den USA und kann damit den Beständen helfen. Die erwartete Stärke des aktuellen Ereignisses erhöht jedoch die Unsicherheit, statt Wetterrisiken auszuschließen.
Der WASDE-Bericht im August wird zu einem wichtigen Marktereignis, weil er die ersten offiziellen US-Ertragsschätzungen auf Grundlage von Feldbefragungen der Erzeuger enthalten wird. Eine deutliche Änderung der Produktivitätserwartungen könnte Preise, Verarbeitungsmargen und Einkaufsentscheidungen an den Märkten für Sojabohnen, Sojaschrot und Sojaöl beeinflussen.
Auch die Nachfrage wächst. Laut StoneX bleiben die US-Verarbeitungsmargen historisch attraktiv. Unterstützung liefern höhere Biokraftstoffvorgaben für 2026 und 2027, gestiegene Preise für branchenbezogene Gutschriften und höhere internationale Energiepreise. Die Verarbeitung bleibt der wichtigste Wachstumsmotor der US-Sojanachfrage, während der Ausbau der Biokraftstoffindustrie das Gewicht von Sojaöl in der globalen Bilanz erhöht.
Brasiliens Rekordangebot hält die Bilanz komfortabel
Der Handel zwischen China und den USA bildet eine weitere Unsicherheitsquelle. Eine Zusage zum Kauf amerikanischer Sojabohnen gilt weiterhin, doch der Markt zweifelt daran, dass die vereinbarten Mengen vollständig abgenommen werden. Auch umfassendere Verpflichtungen zum Kauf von US-Agrarprodukten werden beobachtet. Werden die Käufe umgesetzt, könnte die US-Angebots- und Nachfragebilanz enger ausfallen als derzeit prognostiziert.
Das südamerikanische Angebot bildet einen erheblichen Puffer. StoneX schätzt Brasiliens Rekordernte 2025/26 auf 182,1 Millionen Tonnen, getragen von einer größeren Anbaufläche und guten Erträgen in den meisten Produktionsregionen. Für 2026 werden brasilianische Sojaexporte von rund 113 Millionen Tonnen erwartet. Das wettbewerbsfähige Angebot ermöglicht hohe Lieferungen selbst in der Jahreszeit, in der die USA traditionell Marktanteile im internationalen Handel gewinnen.
Auch die brasilianische Inlandsverarbeitung bleibt lebhaft, da die Biodieselproduktion und günstige Margen die Verarbeitung fördern. In Argentinien übertraf die Ernte die ersten Erwartungen und verbesserte damit die globale Verfügbarkeit zusätzlich. Das Land verarbeitet weiterhin einen großen Teil seiner Sojabohnen industriell und bleibt ein wichtiger Exporteur von Sojaschrot und Sojaöl. Derzeit ist das Angebot reichlich, doch US-Erträge, El Niño, chinesische Käufe und südamerikanische Anbauentscheidungen könnten die Aussichten für Erzeuger, Verarbeiter und Händler schnell verändern.