Ukrainische Maisernte nähert sich der Hälfte der gesamten EU-Menge, Frankreichs Bauern wehren sich
Die Ukraine erzeugte 2025 fast 31 Millionen Tonnen Mais, nahezu die Hälfte der rund 60 Millionen Tonnen der gesamten EU, berichtet BFMTV. Während Brüssel die Beitrittsgespräche mit Kiew wieder aufnimmt, warnen Frankreichs Maisproduzenten, ein Beitritt könne bis 2030 2,9 Millionen Tonnen französischen Mais und 663 Millionen Euro Umsatz gefährden.
Die Ukraine erzeugte 2025 fast 31 Millionen Tonnen Mais, nahezu die Hälfte der rund 60 Millionen Tonnen, die in der gesamten Europäischen Union geerntet werden, berichtet BFMTV. Während Brüssel die Beitrittsgespräche mit Kiew wieder aufnimmt, warnen Frankreichs Maisproduzenten, der Beitritt eines solchen Agrarschwergewichts könne die europäische Branche destabilisieren.
Der Aufstieg der Ukraine zur Maismacht
In 25 Jahren habe sich die ukrainische Maisproduktion verachtfacht, während sich die Anbaufläche verdreifacht habe, sagte Olivier Antoine, Direktor der Beratungsfirma ORAE Geopolitique und Autor eines vom französischen Maisproduzentenverband AGPM in Auftrag gegebenen Berichts über ukrainisches Getreide. Das Land habe sich „unter den weltweit führenden Erzeugern, vor allem aber unter den führenden Exporteuren positioniert", sagte er.
Der Krieg habe die Ernte weitgehend verschont. Die zentralen Regionen, fern der Kämpfe und frei von russischer Besatzung, blieben die größten Anbaugebiete, merkte Antoine an. Allein Frankreich erntete 2025 rund 13 Millionen Tonnen, nur einen Bruchteil der ukrainischen Menge.
Handelsströme und das zollfreie Kontingent
Die Ukraine ist stark exportorientiert und liefert drei Viertel ihrer Produktion auf die internationalen Märkte. Fast die Hälfte dieser Ausfuhren geht heute in die Europäische Union, womit die Ukraine mit Abstand der wichtigste ausländische Lieferant des Blocks ist, trotz der Zölle auf ukrainische Waren an der EU-Grenze. Im Rahmen ihres Assoziierungsabkommens mit der EU verfügt Kiew über ein zollfreies Kontingent von 650.000 Tonnen Mais, das bald auf 1 Million Tonnen angehoben werden soll.
Widerstand der französischen Bauern
„Wir beobachten sehr genau", was im Integrationsprozess geschehe, sagte AGPM-Präsident Franck Laborde auf einer Pressekonferenz. Der Verband beklagt ungleiche Produktionsbedingungen zwischen beiden Seiten:
- niedrigere Produktionskosten
- Einsatz von in der EU verbotenen Pflanzenschutzmitteln
- lockerere Agrarvorschriften
- sehr große, von Agroholdings geführte Betriebe
„Wir befinden uns in einer schweren Wettbewerbsverzerrung" mit der Ukraine, weil „wir heute nach unterschiedlichen Regeln spielen", sagte Benoit Laborde, Leiter der Saatgut-Sektion der AGPM, und ergänzte, dass die Einfuhren ukrainischen Saatmais nach Frankreich und Europa in den vergangenen zwei Jahren sehr bedeutend geworden seien. Die Branche beunruhigt zudem der Wille der Ukraine, ihre Verarbeitung zu beschleunigen, da sie derzeit vor allem Rohgetreide ausführt.
Ein ferner und umstrittener Beitritt
Die AGPM legte ihre eigene Schätzung der Folgen eines ukrainischen Beitritts vor. ORAE Geopolitique entwarf drei Szenarien: einen Status quo mit stabilisierter Front und ungelöstem Konflikt; einen gelösten Konflikt mit EU-Beitritt bis 2030; und einen gelösten Konflikt mit einer prorussischen Regierung. Im zweiten Szenario, in dem der Krieg sofort endet und die Ukraine 2030 vollständig der EU beitritt, könnte die ukrainische Produktion 39 Millionen Tonnen erreichen. In diesem Fall wären laut AGPM 2,9 Millionen Tonnen französischer Mais „in Gefahr", was einem Umsatzverlust von 663 Millionen Euro entspräche.
Ein solcher Zeitplan wirkt höchst hypothetisch. Die EU nahm die Beitrittsverhandlungen Mitte Juni offiziell wieder auf, nachdem Ungarn sein Veto aufgehoben hatte, und die Mitgliedstaaten billigten die Eröffnung einer ersten Gruppe von fünf der insgesamt 35 Verhandlungskapitel; Erweiterungskommissarin Marta Kos erklärte, fünf weitere könnten vor dem Sommer eröffnet werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte wiederholt, er wolle die Ukraine bis 2030 in der EU sehen. Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb Ende Mai jedoch, der Prozess könne in naher Zukunft nicht abgeschlossen werden, und laut BFMTV sagte der Ungar Peter Magyar, ein Beitritt sei erst in 10 bis 15 Jahren möglich. Ukrainische Agrarorganisationen forderten laut Agra Presse eine zehnjährige Übergangsfrist nach dem Beitritt, um das nationale Recht an die EU-Regeln anzugleichen, eine Ausnahme, die Brüssel nie gewährt hat und der insbesondere Frankreich wohl widersprechen würde.