Anteil illegaler Zigaretten in der Ukraine steigt auf Zweijahreshoch von 21,6%
Illegale Zigaretten erreichten im Juli 2026 einen Anteil von 21,6% am ukrainischen Markt und damit den höchsten Wert seit zwei Jahren. Kantar Ukraine beziffert den möglichen jährlichen Steuerausfall auf 36,4 Milliarden UAH; den jüngsten Anstieg trieben vor allem Duty-free- und Exportware.
Illegaler Marktanteil steigt auf 21,6%
Illegale Tabakwaren machten im Juli 2026 nach einer Untersuchung von Kantar Ukraine 21,6% des ukrainischen Zigarettenmarktes aus. Es war der höchste Wert seit zwei Jahren und lag nahe am historischen Höchststand vom Oktober 2023, berichtete Focus. Der Anteil war von 17,6% im Februar auf 19,8% im April gestiegen und nahm bis Juli weiter zu.
Kantar schätzt, dass dem ukrainischen Staatshaushalt beim derzeitigen Umfang des illegalen Handels jährlich 36,4 Milliarden UAH an Steuern entgehen könnten. Es ist die höchste Schätzung der jüngeren Erhebungsperioden. Legale Hersteller, Händler und Einzelhändler geraten damit stärker unter Druck durch Produkte, die nicht die volle Steuerlast des regulierten Marktes tragen.
Duty-free- und Exportware treibt den Anstieg
Der jüngste Zuwachs ging nicht primär auf klassische Fälschungen zurück, sondern auf Zigaretten, die für den Duty-free-Verkauf oder den Export gekennzeichnet waren und anschließend illegal in der Ukraine verkauft wurden. Ihr Marktanteil stieg von 7,8% im April auf 10,9% im Juli. Der Anteil gefälschter Produkte, darunter Packungen mit falschen Verbrauchsteuerzeichen, sank dagegen von 11,2% auf 9,1%.
Nach den von 24 Channel zitierten Verpackungsangaben wurden 57% der Duty-free- oder Exportware von der Vynnyky Tobacco Factory produziert; weitere 41% entfielen auf Marshall Finest Tobacco. Häufig genannte Marken waren Compliment, Marshall, Manchester, Urta, Lifa und Brut. Die Angaben auf den Packungen belegen für sich genommen jedoch keine Verantwortung der Hersteller für den Weg der Ware in illegale Verkaufskanäle.
Im Inland produzierte Zigaretten mit gefälschten Verbrauchsteuerzeichen stellten 37% aller Fälschungen, berichtete 24 Channel. Gemessen an den Kennzeichnungen auf den gefundenen Packungen entfiel der größte Anteil dieser Gruppe auf Marshall Finest Tobacco, auch als United Tobacco oder VK Tobacco FZE bezeichnet.
Sieben Regionen bündeln den Großteil der illegalen Verkäufe
Der illegale Markt ist geografisch stark konzentriert. Sieben Regionen vereinten laut PravdaTutNews und Focus 68% der illegalen Tabakwaren. Auf die Region Dnipropetrowsk entfielen 18% des landesweiten illegalen Segments, auf Charkiw 12% und auf Odesa 11%. Die Stadt Kyjiw und die Region Kyjiw kamen zusammen auf 8%, Lwiw auf 7% sowie Kirowohrad und Chmelnyzkyj auf jeweils 6%.
Rund zwei Drittel der illegalen Tabakwaren wurden über gewöhnliche Kioske und Geschäfte verkauft. Der Handel ist damit in etablierte Einzelhandelskanäle eingebettet und nicht auf informelle oder versteckte Verkaufsstellen beschränkt. Das erschwert die Kontrollen und setzt regelkonforme Händler einem direkten Preiswettbewerb aus.
Zeitplan für digitale Verbrauchsteuer umstritten
Der erneute Anstieg folgt auf einen schrittweisen Rückgang des illegalen Segments in den Jahren 2024–2025. Danylo Hetmantsev, Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Finanz-, Steuer- und Zollpolitik, stellte dem Juliwert einen Schattenmarktanteil von 12,6% im Jahr 2024 gegenüber. Die gestiegenen Haushaltsverluste seien der entscheidende Maßstab für die Wirksamkeit der Kontrollen.
Die Ukraine plant ein elektronisches Verbrauchsteuersystem für Alkohol und Zigaretten, doch Wirtschaftsverbände fordern einen Aufschub. Sie drängen das Parlament, den Gesetzentwurf Nr. 15532 zu beraten und zu verabschieden, der den Start auf den 1. Juli 2027 verschieben würde. Branchenvertreter halten die zusätzliche Vorbereitungszeit für notwendig. Der Erfolg der Umstellung wird sich auf Steueraufkommen, Rückverfolgbarkeit und die Wettbewerbsposition legal arbeitender Unternehmen auswirken.