Getreidepreise in der Ukraine und weltweit laufen auseinander, Kiew verliert EU-Marktanteile
Futterweizen in der Ukraine verteuerte sich in dieser Woche um rund 950 Hrywnja je Tonne, während Mahlweizen, Mais und Sonnenblumenkerne nachgaben. Das zeigen Preisdaten von AgroTender. An den Börsen in Chicago und Paris fielen Weizen und Mais. Der Umschlag in den Häfen von Groß-Odessa ist seit dem 22. Juli um mehr als das 15-Fache gesunken, die USA haben die Ukraine bei Maisexporten in die EU überholt.
Der ukrainische Getreidemarkt hat sich in dieser Woche in zwei Richtungen bewegt: Futterweizen verteuerte sich deutlich, während Mahlweizen, Mais und Sonnenblumenkerne an Wert verloren. Die Einkaufspreise stammen von AgroTender und wurden von ua.news veröffentlicht. An den internationalen Börsen war das Bild einheitlicher, dort gaben Weizen und Mais sowohl in Chicago als auch in Paris nach.
Glavcom, das die ukrainischen Einkaufspreise mit der Vorwoche verglichen und die Notierungen an der Chicago Board of Trade sowie an der Euronext verfolgt hat, kommt zum selben Befund einer Entkopplung von Binnen- und Weltmarkt. Innerhalb der Ukraine unterscheiden sich die Preise für Getreide und Sonnenblumenkerne weiterhin nach Region, Lieferbedingungen und Verkaufsort.
Futterweizen zieht an, Mais im Süden bricht ein
Futterweizen war der klare Gewinner der Woche. Der durchschnittliche Einkaufspreis über drei Regionen stieg laut AgroTender um rund 950 Hrywnja je Tonne oder etwa 16 Prozent. Der Anstieg konzentrierte sich auf den Süden und die Häfen, wo Futterweizen knapp 2.000 Hrywnja je Tonne zulegte. Auch im Zentrum und im Norden zogen die Preise an, im Westen blieben sie nahe dem Vorwochenniveau.
Mahlweizen entwickelte sich gegenläufig und verlor im Schnitt rund 300 Hrywnja je Tonne. Der Rückgang kam aus den zentralen, nördlichen und westlichen Regionen, in den Häfen legte Mahlweizen dagegen leicht zu.
Mais gab im Durchschnitt um rund 750 Hrywnja je Tonne nach. Der stärkste Rückgang wurde im Süden verzeichnet, mit etwa 2.600 Hrywnja je Tonne. Im Zentrum und im Norden stiegen die Maispreise entgegen dem Trend, im Westen sanken sie leicht.
Sonnenblumenkerne setzten ihren Rückgang fort, im Schnitt um rund 250 Hrywnja je Tonne oder 1,3 Prozent. In den meisten Regionen fielen die Preise, Ausnahme waren die Häfen mit einem kleinen Plus.
Chicago und Paris geben beide nach
An der Chicago Board of Trade fiel Mahlweizen um 11 US-Dollar je Tonne auf 269 US-Dollar, Mais verlor 4 US-Dollar auf 209 US-Dollar je Tonne, berichtet ua.news. An der Euronext in Paris sank Weizen um 7 US-Dollar auf 282 US-Dollar je Tonne, Mais um 6 US-Dollar auf 305 US-Dollar je Tonne.
Die europäischen Notierungen liegen damit weiterhin über den amerikanischen. Der Abstand beträgt 13 US-Dollar je Tonne bei Weizen und 96 US-Dollar je Tonne bei Mais, eine Prämie, die für jeden Exporteur zählt, der Ware in die Europäische Union bringen kann.
Angriffe auf Häfen drücken den Umschlag in Odessa
Beschuss der Hafeninfrastruktur und teure Logistik kosten die Ukraine laut Glavcom ihre Position in der EU, Wettbewerber besetzen den frei werdenden Platz rasch. Nach dem 22. Juli sank der Güterumschlag in den Häfen von Groß-Odessa um mehr als das 15-Fache. Ukrainisches Getreide muss über Alternativrouten transportiert werden, per Bahn, per Lkw und über die Donau, doch diese können den Seetransport mengenmäßig nicht ersetzen.
Amerikanische Erzeuger nutzen die Lücke. Zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres überholten die USA die Ukraine bei den Maisexporten in die Europäische Union, was Glavcom als direkten Verlust von Marktanteilen beschreibt. Asiatische Importeure haben unterdessen wegen Lieferverzögerungen aus der Schwarzmeerregion verstärkt Weizen aus Australien und Argentinien gekauft.
Gleichzeitig steigt der kommerzielle Einsatz in Europa. Wegen Dürre und geringerer Ernten könnte die EU ihre Maisimporte im neuen Wirtschaftsjahr von 19,3 Millionen auf 25 Millionen Tonnen erhöhen. Die Ukraine könnte ihre Lieferungen dafür grundsätzlich ausweiten, doch die Angriffe auf die Hafeninfrastruktur verhindern das.
Die Wochenverluste in Chicago und Paris folgen auf eine deutlich stärkere Aufwärtsbewegung. Im August verzeichneten die Weltmarktpreise für wichtige Agrarrohstoffe den steilsten Monatsanstieg seit mehr als 14 Jahren, unter anderem wegen kriegsbedingter Lieferunterbrechungen und extremer Wetterereignisse.