Uganda nutzt Zuckerüberschuss für regionale Lieferungen bei hoher Nachfrage in Kenia
Uganda produziert laut Zahlen der Bank of Uganda, die Daily Monitor veröffentlichte, jährlich mehr als 800.000 Tonnen Zucker. Die Überschüsse gehen nach Kenia und in weitere Regionalmärkte, doch kenianische Steuern und Genehmigungsauflagen lenken einen Teil des Handels auf informelle Routen und alternative Absatzmärkte.
Von der Knappheit zu mehr als 800.000 Tonnen Jahresproduktion
Uganda hat sich von einer schweren Zuckerknappheit zu einer Jahresproduktion von mehr als 800.000 Tonnen entwickelt. Die Menge reicht für den Inlandsverbrauch und Lieferungen in Nachbarländer. Von Daily Monitor veröffentlichte Zahlen der Bank of Uganda zeigen, wie die Wiederherstellung und Erweiterung der Verarbeitungskapazitäten das Land von einem Defizitmarkt zu einem regionalen Anbieter gemacht hat.
Der Gegensatz zu den späten 1980er Jahren ist deutlich. Der Einwohner von Busia, Muhmad Ofwono, erinnerte sich daran, dass er und andere Ugander 1988 den damaligen kenianischen Präsidenten Daniel Arap Moi bei dessen Besuch auf der kenianischen Grenzseite um Zucker baten. Moi übergab der Menge 10 Säcke. Das anschließende Gerangel veranlasste jedoch einen ugandischen Bezirksbeamten, Festnahmen und Stockschläge anzuordnen. Laut Ofwono kostete ein Kilogramm in Kampala und Jinja 2.000 Uganda-Schilling, während die alte Landeswährung bereits abgewertet war.
Wilson Muhumuza, der sich bereits 1984 in Busia aufhielt, sagte Daily Monitor, die Knappheit sei auf den Zusammenbruch der Fabriken Kakira, Lugazi und Kinyara gefolgt. Den allgemeinen industriellen Niedergang brachte er mit der Ausweisung der asiatischen Bevölkerung unter Präsident Idi Amin im Jahr 1972 in Verbindung. Bis 1976 war ein großer Teil der Fertigungsindustrie zusammengebrochen. Ugander schmuggelten deshalb zunehmend Zucker, Seife, Kleidung, Streichhölzer und Salz aus Kenia; dieser Handel wurde als magendo bezeichnet.
Neue Fabriken kehren die regionale Lieferrichtung um
Zur heutigen Branche gehören die etablierten Produzenten Kakira Sugar Works, Sugar Corporation of Uganda Ltd und Kinyara Sugar Works sowie neuere Fabriken in Kaliro, Kamuli, Buyende, Bugiri, Mayuge und Buikwe. Nach Angaben von Daily Monitor hat diese Expansion die Produktion über den Inlandsbedarf gehoben. Muhumuza zufolge begünstigte auch die politische Stabilität Investitionen in die Fertigungsindustrie.
Kenia ist ein naheliegender Absatzmarkt, weil Probleme bei Mumias, Nzoia und Chemelil das heimische Zuckerangebot geschwächt haben. David Ogeya, ein Händler im kenianischen Busia, sagte, der dortige Einzelhandelspreis sei von 220 auf 200 und schließlich auf etwa 150 Kenia-Schilling je Kilogramm gefallen, liege aber weiterhin über dem ugandischen Niveau. Ein Sack mit 50 Kilogramm kostete in Uganda mindestens 145.000 Uganda-Schilling, in Kenia dagegen wenigstens 6.000 Kenia-Schilling beziehungsweise rund 170.000 Uganda-Schilling.
Das Preisgefälle trägt regelmäßige Lieferungen nach Sofia in Busia Town, wo Händler Ware für kenianische Käufer lagern. Die Händlerin Apofia Nawasiima sagte Daily Monitor, Unternehmen bauten ihre Bestände aus, weil größere Mengen nach Kenia gingen. Nach Zahlen der Bank of Uganda beliefen sich die jährlichen Zuckerexporte nach Kenia trotz wechselnder Handelsbarrieren und Genehmigungsbeschränkungen auf 23,16 Millionen $, rund 87 Milliarden Uganda-Schilling.
Kenianische Abgabe fördert informelle Grenzströme
Kenias Finance Act 2026 erhöhte die Verbrauchsteuer auf importierten Zucker um 40 Kenia-Schilling je Kilogramm und 40.000 Kenia-Schilling je Tonne. Das entspricht etwa 1.200 beziehungsweise 1,2 Millionen Uganda-Schilling. Daily Monitor zufolge trug die Maßnahme zu mehr informellem Handel über durchlässige Grenzabschnitte bei. Zahlen der Bank of Uganda zeigen zudem einen Rückgang der Ausfuhren nach Kenia von 41,1 Millionen $ Ende 2025 auf 12,11 Millionen $ im ersten Quartal 2026. Als Gründe gelten die Abgabe und Kenias Bemühungen, die eigene Produktion wiederzubeleben.
Ugandische Anbieter suchen deshalb verstärkt Abnehmer in Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan. Kenia bleibt attraktiv, solange das lokale Defizit und der Preisaufschlag die zusätzliche Steuerbelastung ausgleichen. Ugandas Lieferantenrolle beruht damit auf zwei Voraussetzungen: ausreichender Fabrikkapazität für eine Produktion über dem Inlandsbedarf und fortbestehenden Defiziten in den Nachbarländern. Für Produzenten und Händler entscheidet der formelle Marktzugang darüber, ob der Überschuss im registrierten Handel oder über informelle Grenzkanäle abgesetzt wird.