Türkische Rosinenbauern wehren sich gegen TARİŞ-Vorschuss von 80 Lira
TARİŞ will kernlose Rosinen zu einem Brutto-Vorschusspreis von 80 TL/kg übernehmen, nach 120 TL/kg in der Vorsaison. Erzeuger rechnen nach Abzügen mit 70–73 TL/kg bei geschätzten Produktionskosten von 90 TL/kg und warnen vor Rodungen.
TARİŞ senkt die erste Auszahlung
Die neue Saison für kernlose Rosinen in der Türkei beginnt mit einem Streit über den Erzeugerpreis. Der Verband der TARİŞ-Traubenverkaufsgenossenschaften kündigte an, Ware ohne Qualitätsdifferenzierung zu einem Brutto-Vorschuss von 80 TL je Kilogramm anzunehmen. Das Terminsystem öffnet am 7. September, die Käufe beginnen am 10. September.
Der Betrag ist keine endgültige Ankaufspreisfestsetzung. TARİŞ kann am Saisonende abhängig von seiner Finanzlage einen Preisaufschlag zahlen. Für die Produzenten ist die Auszahlung zur Ernte jedoch entscheidend, weil damit Arbeitskräfte, Betriebsmittel und fällige Schulden finanziert werden.
In der vergangenen Saison hatte TARİŞ für kernlose Rosinen der Nummer 9 einen Vorschuss von 120 TL/kg genannt. Laut Gıda Bülteni erwarteten die Erzeuger wegen höherer Kosten in diesem Jahr rund 150 TL/kg. Das neue Angebot liegt damit 70 TL unter ihrem Ziel.
Abzüge vergrößern das Defizit
Cem Yalvaç, Präsident der Landwirtschaftskammer Salihli, erwartet nach Abzügen eine Nettoauszahlung von lediglich 70–73 TL/kg. Die Produktionskosten dieser Saison bezifferte er auf rund 90 TL/kg. Damit liegt bereits der Bruttovorschuss 10 TL unter den Kosten; nach Abzügen fällt die Lücke noch größer aus, sofern TARİŞ später keinen erheblichen Aufschlag zahlt.
Yalvaç erklärte, der Preis berücksichtige vor allem die Interessen der Exporteure. Unrentable Erlöse könnten Bauern zur Rodung ihrer Weinberge bewegen. Er forderte eine staatliche Prämie von 10–15 TL/kg. Auch diese würde den Abstand zwischen dem Vorschuss von 80 TL und der Erzeugererwartung von 150 TL nicht schließen.
Der Manisa-Abgeordnete Bekir Başevirgen verglich das Angebot mit dem Dieselpreis von 82,50 TL je Liter: Für 80 TL könne ein Landwirt nicht einmal einen Liter kaufen. Salihlis Bürgermeister Mazlum Nurlu verlangte von TARİŞ eine Überprüfung und vom staatlichen Getreideamt TMO Angaben zu Preis, Ankaufstermin und Kapazität. Für die Saison 2026 hat TMO noch kein Programm veröffentlicht.
Exportwerte verschärfen die Debatte
Ferhat Şen, Vorsitzender des TARİŞ-Traubenverbands, hatte zuvor auf eine voraussichtlich hohe Ernte und die Konkurrenz aus China, Iran und Usbekistan hingewiesen. Wenn ausländische Käufer ein Produkt mit 1,8–2 $/kg bewerteten, könne die Türkei es nicht für 3 $ verkaufen. Ein höherer Inlandspreis könne deshalb Exportanteile gefährden.
Die von Gıda Bülteni angeführten Exportdaten liefern jedoch einen anderen Vergleichswert. Vom 1. September 2025 bis 29. August 2026 exportierte die Türkei 71.880 Tonnen kernlose Rosinen im Wert von 236,9 Millionen $ in die Europäische Union. Der Durchschnitt lag bei 3,296 $/kg. Für die Niederlande wurden 3,26 $, für Deutschland 3,57 $, für Frankreich 3,30 $ und für Spanien 3,42 $ ermittelt. Schweden erreichte 4,62 $ und Dänemark 4,73 $ je Kilogramm.
Über alle Absatzländer hinweg exportierte die Türkei in der Saison 2025–2026 insgesamt 139.400 Tonnen für 455 Millionen $, entsprechend 3,26 $/kg. Exportwerte sind keine Erzeugerpreise und enthalten nachgelagerte Kosten und Margen. Dennoch erhöhen sie den Rechtfertigungsdruck beim Vorschuss. Im Vorjahr setzte TMO nach einem Preisrückgang zulasten der Bauern einen Ankaufspreis von 120 TL/kg für Nummer 9 fest. Die nächste TMO-Entscheidung dürfte beeinflussen, ob Erzeuger Ware einlagern, an TARİŞ liefern oder Rebflächen aufgeben.