Tschechien zieht türkischen Schlankheitstee nach Sibutramin-Fund zurück
Tschechische Behörden haben den Verkauf eines türkischen Kräutertees zum Abnehmen gestoppt und dessen Rücknahme angeordnet, nachdem Sibutramin nachgewiesen wurde. Das EU-System RASFF stufte das Risiko als ernst ein; offiziell erfasste Erkrankungen liegen bislang nicht vor.
Amtliche Kontrolle weist Sibutramin nach
Tschechische Behörden haben angeordnet, einen aus der Türkei stammenden Kräutertee zum Abnehmen vom Markt zu nehmen. Bei amtlichen Kontrollen wurde Sibutramin nachgewiesen, ein nicht deklariertes appetithemmendes Mittel, das mit schweren Herz-Kreislauf-Risiken verbunden ist. Nach Angaben von Sözcü und Yeni Alanya umfassen die Maßnahmen einen Verkaufsstopp und die Entfernung der betroffenen Ware aus tschechischen Verkaufsstellen.
Die Meldung wurde am 20. Juli 2026 in das Schnellwarnsystem der Europäischen Union für Lebens- und Futtermittel, RASFF, eingestellt. Die Europäische Kommission bestätigte sie. Das Produkt wurde als Lebensmittel in der Kategorie diätetische Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel erfasst. Hersteller, Marke, Charge, Liefermenge und Vertriebsnetz werden in den verfügbaren Berichten nicht genannt.
Risiko als ernst eingestuft
RASFF stufte das Produktrisiko als ernst ein. Sözcü zufolge wurde die Meldung als aufmerksamkeitsbedürftige Information behandelt; als Präventivmaßnahmen sind ein Verkaufsstopp und die Rücknahme vom Markt vermerkt. Zum von beiden Medien beschriebenen Zeitpunkt war offiziell weder eine Erkrankung noch ein betroffener Verbraucher im Zusammenhang mit dem Tee registriert.
Sibutramin unterdrückt den Appetit und wurde früher zur Gewichtsabnahme eingesetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen brachten den Stoff mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere schwere kardiovaskuläre Nebenwirkungen in Verbindung. Den Quellen zufolge ist seine Verwendung in der Europäischen Union, der Türkei und zahlreichen weiteren Märkten nicht erlaubt. Der Nachweis in einem als pflanzlich angebotenen Produkt wirft deshalb sowohl Fragen der Lebensmittelsicherheit als auch der korrekten Kennzeichnung auf.
Folgen für türkische Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln
Der Vorfall dürfte Rezepturen, Zutatenangaben und Chargenprüfungen türkischer Hersteller und Exporteure pflanzlicher Schlankheitsprodukte stärker in den Fokus rücken. Der Fund erfolgte bei der tschechischen Marktüberwachung und nicht infolge einer gemeldeten Erkrankung. Damit zeigt der Fall, dass Kontrollen im Bestimmungsland nicht deklarierte Arzneistoffe auch noch entdecken können, nachdem die Ware den Einzelhandel erreicht hat.
Da Marke und Charge nicht öffentlich genannt wurden, können Importeure und Händler derzeit nur eingeschränkt beurteilen, ob verbundene Bestände betroffen sind. Rückverfolgbarkeitsdaten, Lieferantendokumente und unabhängige Laborprüfungen sind besonders wichtig, wenn Produkte schnelle Gewichtsabnahme versprechen oder über wenig kontrollierte Onlinekanäle vertrieben werden. Yeni Alanya verwies auf Warnungen von Fachleuten, wonach angeblich rein pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln illegal chemische Wirkstoffe zugesetzt werden können, um die Gewichtsabnahme zu beschleunigen. Der Rückzug könnte zusätzliche Kontrollen vergleichbarer türkischer Produkte auslösen. Die verfügbaren RASFF-Angaben belegen jedoch kein breiteres Problem und nennen keine weiteren Produkte.