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WWF-Test: Tropenholz in 56 Prozent der geprüften Grillholzkohle in Deutschland

Eine gemeinsame Analyse von WWF Deutschland, dem Thünen-Institut und der Earthworm Foundation hat in 32 von 57 im deutschen Handel gekauften Holzkohleprodukten tropische oder subtropische Holzarten nachgewiesen. Bei neun Produkten gab es Unstimmigkeiten bei den deklarierten Holzarten oder unklare Herkunftsangaben. Erstmals ist der Anteil verdächtiger Produkte am deutschen Markt rückläufig.

WWF-Test: Tropenholz in 56 Prozent der geprüften Grillholzkohle in Deutschland

In Deutschland verkaufte Grillholzkohle enthält weiterhin erhebliche Mengen tropischer und subtropischer Hölzer. Das zeigt eine gemeinsame Marktanalyse von WWF Deutschland, dem Thünen-Institut und der Earthworm Foundation, über die das Fachmagazin diy berichtet. Untersucht wurden 57 Produkte – von klassischer Holzkohle über Briketts bis zu Alternativen aus Kokosnussschalen – jeweils auf die verwendete Holzart. Erstmals ist dabei der Anteil verdächtiger Produkte aus womöglich illegalem Holzeinschlag am deutschen Markt rückläufig.

Die Ergebnisse der Stichprobe

Gekauft wurde die Ware in Supermärkten, bei Discountern, in Baumärkten, in Getränkemärkten und an Tankstellen und damit über die wichtigsten Vertriebswege für Holzkohle in Deutschland. Die Holzartenbestimmung ergab folgendes Bild:

  • 32 der 57 Produkte (56 Prozent) enthielten tropische oder subtropische Holzarten.
  • Bei neun dieser Produkte (16 Prozent) gab es Unstimmigkeiten bei den deklarierten Holzarten oder nicht eindeutige Angaben zur Holzherkunft.
  • 25 Produkte (44 Prozent) deklarierten die Holzarten gut.
  • 35 Produkte (61 Prozent) machten nachvollziehbare Angaben zur Holzherkunft.

In der Summe informierte nur etwa die Hälfte der Stichprobe die Verbraucher angemessen. Schwachstelle bleibt die Holzart: Zur Herkunft äußerte sich eine deutliche Mehrheit der Produkte nachvollziehbar, korrekt und vollständig benannt wurde die Holzart dagegen bei weniger als der Hälfte.

Siegel schließen die Lücke nicht

42 Produkte (74 Prozent) trugen ein freiwilliges Siegel – FSC, PEFC oder Naturland. Die Zertifizierung übersetzte sich nicht durchgängig in belastbare Angaben. Elf zertifizierte Produkte machten keine oder keine nachvollziehbaren Herkunftsangaben, zehn hatten unzureichende oder falsche Angaben zu den Holzarten. Fünf FSC-zertifizierte Produkte enthielten subtropische oder tropische Hölzer bei gleichzeitigen Abweichungen von der FSC-Datenbank oder Zweifeln an der deklarierten Herkunft.

„Der Druck der vergangenen Jahre zeigt Wirkung“, sagt Johannes Zahnen vom WWF. „Viele Händler haben ihr Sortiment aufgeräumt, fragwürdige Ware verschwindet zunehmend aus den Regalen. Gelöst ist das Problem damit aber nicht. Noch immer landet Holz aus mutmaßlichem Raubbau im deutschen Einkaufswagen, teilweise sogar mit Öko-Siegel.“

Verschobene EUDR nimmt den Verstößen die Folgen

Neben den wiederkehrenden Marktanalysen schreibt der WWF auch der anstehenden EU-Waldschutzverordnung (EUDR) einen Anteil an der positiven Entwicklung zu. „Einige der Falschangaben, die wir gefunden haben, wären ein Verstoß gegen die EUDR gewesen, wenn sie nicht Ende 2025 erneut verschoben worden wäre“, sagt Zahnen. Die Verordnung müsse nun ohne Abstriche und ohne weitere Verzögerung kommen.

Eine zweite regulatorische Änderung betrifft die Logistik: Ab dem 1. Januar 2026 muss Holzkohle auf dem Seeweg ausnahmslos als Gefahrgut deklariert werden, wie diy berichtet. Das wirkt auf Frachtpapiere, Verpackung und Handling jedes Importeurs, der Holzkohle im Container nach Deutschland bringt.

Was das für den Handel bedeutet

Für Importeure und Einkäufer geht es weniger um Mengen als um Nachweise. Die Holzart lässt sich im Labor bestimmen, damit ist die Deklaration nachträglich überprüfbar und eine falsche Angabe wird vom Auslegungsthema zum belegbaren Mangel. Die Untersuchung zeigt zudem, dass ein Siegel auf dem Sack keine Holzart- und Herkunftsangaben ersetzt, die zum Inhalt passen: In zehn zertifizierten Fällen war die Angabe zur Holzart selbst falsch oder unzureichend.

Die Richtung geben die bereits getroffenen Sortimentsentscheidungen vor. Der sinkende Anteil verdächtiger Produkte spricht dafür, dass die Einkaufsabteilungen ihre Lieferanten prüfen, während die 56 Prozent Produkte mit tropischen oder subtropischen Arten zeigen, wie stark das deutsche Holzkohleangebot weiterhin von tropischen Laubhölzern abhängt. Sobald die EUDR greift, werden aus denselben Lücken statt eines Reputationsthemas ein Compliance-Thema, und der Nachweis von Holzart und Herkunft wird von der freiwilligen Aussage zur Bedingung für den Marktzugang.

Vollständige Marktanalyse

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