Thailand plant CO2-Zertifikate für die Zuckerindustrie
Thailand will CO2-Erfassung, Zertifikatehandel und CCUS in der gesamten Zuckerrohr- und Zuckerindustrie einführen. Der Sektor verursacht jährlich geschätzte 35–45 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent und spielt damit eine zentrale Rolle für das Netto-Null-Ziel bis 2050.
Kohlenstoff soll zum Wirtschaftsgut werden
Thailands Industrieministerium beschleunigt den Umbau der Zuckerrohr- und Zuckerbranche zu einer vollständig grünen Industrie. Als zentrale Instrumente sind Kohlenstoffmanagement, der Handel mit Emissionszertifikaten sowie die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO2, kurz CCUS, vorgesehen. Industrieminister Varavuth Silpa-archa bezeichnete die Maßnahmen als Möglichkeit, zusätzlichen wirtschaftlichen Wert zu schaffen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit unter strengeren Umweltanforderungen im Welthandel zu sichern.
Nach Angaben von Banmuang sagte Varavuth, ein Besuch der Zuckerfabrik Thai Udon Thani im Mai habe das Potenzial der Branche als Vorbild für grüne Produktion gezeigt. Das Ministerium will nicht nur Treibhausgasemissionen senken. Nachgewiesene Minderungen und abgeschiedener Kohlenstoff sollen Zuckerrohrbauern und Industrieunternehmen zusätzliche Einnahmen bringen.
Das Emissionsvolumen macht den Sektor für Thailands Klimapolitik bedeutsam. Der Zuckerrohranbau verursacht jährlich schätzungsweise 25–30 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, die Zuckerherstellung weitere 10–15 Millionen Tonnen. Das gesamte System kommt damit auf rund 35–45 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Regierung will Emissionssenkungen in dieser Lieferkette in Thailands Ziel einbinden, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Erfassung vom Feld bis zur Fabrik
Das Office of the Cane and Sugar Board entwickelt ein System zur Kohlenstoffverfolgung für die gesamte Produktionskette, vom Zuckerrohrfeld bis zur Fabrik. Es soll eine genaue und transparente Messung, Prüfung und Berichterstattung ermöglichen. Produzenten und Abnehmer könnten mit diesen Daten die Kohlenstoffintensität von Zucker und verwandten Erzeugnissen belegen.
Das Ministerium will zudem den Zertifikatehandel über das thailändische T-VER-Programm ausbauen, damit Landwirte und Unternehmen für anrechenbare Emissionsminderungen vergütet werden. Zu den sechs Prioritäten gehören international anerkannte Standards für CCUS-Zertifikate, eine lückenlose Kohlenstoffverfolgung, wirtschaftliche Anreize über Kohlenstoffmärkte sowie strengere Nachhaltigkeitsstandards nach Bonsucro und dem Sugar Ecolabel.
CCUS bildet einen weiteren Teil des Plans. Abgeschiedener Kohlenstoff könnte genutzt oder als Biokohle gespeichert werden. Nach Einschätzung des Ministeriums würde dies die Kohlenstoffbindung im Boden erhöhen und zugleich einen Mehrwert für die Landwirtschaft schaffen. Die Ankündigung enthält jedoch weder ein Investitionsvolumen noch einen Zeitplan oder eine Schätzung der Emissionsmenge, die zunächst abgeschieden, gespeichert oder in handelbare Zertifikate umgewandelt werden könnte.
Vorbereitung auf kohlenstoffbezogene Handelsregeln
Das Ministerium nannte den CO2-Grenzausgleichsmechanismus der Europäischen Union und weitere grüne Handelsmaßnahmen von Partnerländern als Themen, auf die sich die Branche vorbereiten müsse. Die Regierung befürchtet Wettbewerbsnachteile für Exporteure, falls thailändische Produktionsstandards und Systeme zur Kohlenstoffbilanzierung international anerkannte Anforderungen nicht erfüllen. Nachweisbare Emissionsminderungen könnten Unternehmen dagegen helfen, bestehende Exportmärkte zu sichern und neues Geschäft zu erschließen.
Die übrigen Schwerpunkte betreffen die Vorbereitung auf Kohlenstoff-Grenzmaßnahmen und die Einbindung der Zuckerrohr- und Zuckerbranche in Thailands Netto-Null-Programm für 2050. Die Initiative vereint Landwirtschaft, Fabriken und Kohlenstoffmärkte in einem politischen Rahmen, doch die Umsetzung entscheidet über die Verteilung von Kosten und Erträgen. Bauern brauchen praktikable Messregeln, Fabriken Systeme zur Rückverfolgung von Rohstoffen und Emissionen und Zertifikatekäufer eine verlässliche Prüfung. Bis detaillierte Vorschriften und Finanzierungsmodelle vorliegen, bleiben Kohlenstoffeinnahmen eine Chance und keine garantierte neue Erlösquelle.
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