Tansania wirbt um Investitionen in Mais, Speiseöle und Avocados
Tansania sucht privates Kapital für Produktion, Verarbeitung, Lagerung und Logistik in den Wertschöpfungsketten Mais, Speiseöle und Avocados. Ein Maisüberschuss und wachsende Avocadoexporte stehen einer Versorgungslücke bei Speiseölen von 426.068 Tonnen gegenüber.
Drei Wertschöpfungsketten im Fokus
Tansania hat Mais, Speiseöle und Avocados zu vorrangigen Bereichen für private Agrarinvestitionen erklärt. Damit sollen Produktion, Verarbeitung und Exporte ausgebaut werden. Regierungsvertreter stellten die Möglichkeiten im Tanzania Deal Room auf dem Africa Food Systems Forum 2026 in Kigali, Ruanda, vor.
Der stellvertretende Landwirtschaftsminister David Ernest Silinde erklärte, die Regierung habe für die drei Sektoren günstige Investitionsbedingungen geschaffen. Das Angebot reicht über den Anbau hinaus: Gesucht werden Kapital und strategische Partner für Verarbeitung, Lagerung, Logistik, Mechanisierung, Wertschöpfung und die Erschließung von Exportmärkten.
Nach Angaben von George Mukono, Direktor für Investitionsförderung bei TISEZA, können Investoren fiskalische und nichtfiskalische Unterstützung erhalten. Genannt wurden Steuervergünstigungen, Kapitalfreibeträge, Sonderwirtschaftszonen und vereinfachte Investitionsverfahren. Angaben zum Kapitalbedarf einzelner Projekte, zu erwarteten Renditen oder Zeitplänen machte die Regierung nicht.
Maisüberschuss und Öldefizit eröffnen unterschiedliche Chancen
Tansania produzierte in der Saison 2025/26 nach Angaben von Peter Msofe, stellvertretender Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, 11,93 Millionen Tonnen Mais. Der Selbstversorgungsgrad lag bei 154%, sodass ein Überschuss von mehr als vier Millionen Tonnen entstand. Die Zahlen sprechen weniger für eine bloße Ausweitung der Anbaufläche als für Investitionen in Erfassung, Trocknung, Lagerung, Mühlen, Futtermittel und den Transport zu inländischen oder ausländischen Abnehmern.
Bei Speiseölen ist die Versorgungslage umgekehrt. Tansania fehlen rund 426.068 Tonnen, was Spielraum für Investitionen in Ölsaatenanbau, Presswerke, Raffination und weitere Verarbeitung schafft. Zusätzliche heimische Kapazitäten könnten die Abhängigkeit von Importen verringern. Investoren müssen jedoch Rohstoffverfügbarkeit, Flächenerträge, Beschaffungsnetze und die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Produkte prüfen.
Der Unterschied zwischen beiden Märkten ist wirtschaftlich entscheidend. Maisinvestoren müssen effiziente Absatzwege für den bestehenden Überschuss schaffen und Lager- sowie Preisrisiken kontrollieren. Speiseölprojekte bedienen eine vorhandene Versorgungslücke, benötigen aber eine verlässliche Ölsaatenbasis und Verarbeitungskosten, die mit Importware konkurrieren können.
Avocadoexporte schaffen eine Marktgrundlage
Tansania erzeugt rund 201.354 Tonnen Avocados; die Exporte erreichten 26.826 Tonnen im Wert von etwa 77,3 Millionen US-Dollar, berichtete Daily News. Der Exportanteil an der Gesamtproduktion ist damit noch vergleichsweise gering. Potenzial besteht bei kommerzieller Beschaffung, Packhäusern, Kühllagern, Qualitätskontrolle und Logistik. Weiteres Wachstum setzt voraus, dass geeignete Früchte zuverlässig zu den Käufern gelangen und die Exportstandards entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden.
Die Investitionsinitiative ist Teil eines umfassenderen Vorhabens, die Landwirtschaft gemäß dem Agriculture Master Plan 2050 zu einem Sektor mit einem Volumen von 100 Milliarden US-Dollar auszubauen. Der frühere Premierminister Mizengo Pinda, Vorsitzender des Presidential Food and Agriculture Advisory Council, verwies zudem auf Technologie und Mechanisierung als Quellen von Beschäftigung und Branchenentwicklung. Produktions- und Handelszahlen bieten eine Grundlage für neue Projekte, deren Erfolg jedoch von Infrastruktur, Verarbeitungskosten und verlässlichen Absatzwegen abhängen wird.