Tadschikistan sucht wegen steigender Dieselpreise neue Lieferanten und Routen
Tadschikistan verhandelt mit Kasachstan, China, Turkmenistan, Iran und Belarus über Mineralöllieferungen zur Stabilisierung des Binnenmarktes. Der Dieselpreis ist von 10,40 Somoni auf 16–18 Somoni je Liter gestiegen und belastet Verkehr und Infrastrukturprojekte.
Duschanbe diversifiziert seine Kraftstoffimporte
Die tadschikische Regierung prüft alternative Lieferquellen und Transportwege für Mineralölprodukte, nachdem höhere Weltmarktpreise den heimischen Kraftstoffmarkt unter Druck gesetzt haben. Nach Angaben von Interfax sollen Kraft- und Schmierstoffe trotz der Instabilität an den globalen Energiemärkten ohne Unterbrechung verfügbar bleiben. Dazu zählen auch Marktfolgen der Kampfhandlungen im Nahen Osten.
Die Initiative umfasst Benzin, Diesel, Flüssiggas und weitere Mineralölprodukte. Präsident Emomali Rahmon wies die zuständigen Behörden am 28. Juli an, das Preisniveau zu stabilisieren, Lieferungen von Mineralölprodukten und Flüssiggas schneller zu organisieren und die Binnennachfrage zu decken. Eine Arbeitsgruppe soll zudem Maßnahmen zur Versorgung des Verkehrssektors mit Diesel und anderen Kraftstoffen ausarbeiten.
Kasachstan und China stehen im Mittelpunkt
Der Ausbau der Zusammenarbeit mit Kasachstan gehört zu den Prioritäten. Rahmon und der kasachische Präsident Kassym-Jomart Tokajew erörterten am 29. Juli in Astana eine mögliche Steigerung kasachischer Mineralöllieferungen nach Tadschikistan. Beide Seiten befassten sich auch mit einer breiteren Handelskooperation sowie dem Ausbau der Verkehrs- und Logistikverbindungen, die für zusätzliche Kraftstoffmengen benötigt würden.
Am selben Tag sprach Tadschikistans Energie- und Wasserressourcenminister Daler Juma mit dem chinesischen Botschafter Guo Zhijun über mögliche Benzin- und Diesellieferungen aus China. Nach Angaben des tadschikischen Energieministeriums laufen zudem Gespräche mit Turkmenistan, Iran und Belarus. Dabei geht es um Mengen, Preise und Einfuhrbedingungen. Verbindliche Lieferzusagen oder Zeitpläne wurden bislang nicht veröffentlicht.
Teurer Diesel erhöht die Infrastrukturkosten
Die Suche nach zusätzlichen Lieferanten folgt auf einen starken Anstieg des inländischen Dieselpreises. Bei einer erweiterten Sitzung des Verkehrsministeriums am 10. Juli erklärten Beamte, höhere Weltmarktpreise für Öl hätten den Dieselpreis in Tadschikistan von 10,40 Somoni auf 16–18 Somoni je Liter steigen lassen. Interfax nannte einen Wechselkurs von 9,22 tadschikischen Somoni je 1 $, das Ministerium legte jedoch keinen Dollarvergleich für die Kraftstoffpreise vor.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums betrifft teurer Diesel nicht nur den Güter- und Personenverkehr, sondern auch Bau, Reparatur und Instandhaltung von Straßen. Ein beträchtlicher Teil der tadschikischen Infrastrukturprojekte wird mit vergünstigten Krediten und Zuschüssen internationaler Entwicklungspartner finanziert. Höhere Energiekosten könnten deshalb Projektbudgets, Zeitpläne und Wirtschaftlichkeit verändern.
Die Abteilung für Prognosen und Wirtschaftsanalysen des Ministeriums soll gemeinsam mit anderen Behörden einen detaillierten Plan für eine unterbrechungsfreie Versorgung ausarbeiten. Für Produzenten, Bauunternehmen und Transporteure hängt das Ergebnis davon ab, ob die Verhandlungen wettbewerbsfähige Preise und praktikable Logistiklösungen hervorbringen. Potenzielle Lieferanten erhalten zusätzliche Absatzchancen, doch die Konditionen und die Transportkosten in das Binnenland bleiben entscheidend.