Tabaksteuer-Vorhaben: Zigarren und Zigarillos vor deutlicher Verteuerung
Zeit Online berichtet über ein Tabaksteuer-Vorhaben, das Zigarren und Zigarillos treffen soll – eine Kategorie, die bislang von den stärksten Erhöhungen bei Zigaretten und Feinschnitt verschont blieb. Die Produkte könnten dem Bericht zufolge deutlich teurer werden. Steuersatz, Bemessungsgrundlage und Starttermin sind die offenen Fragen für Importeure und den Fachhandel.
In Deutschland wird eine Änderung der Tabaksteuer vorbereitet, die Zigarren und Zigarillos treffen soll – eine Kategorie, die bislang von den stärksten Erhöhungen bei Zigaretten und Feinschnitt ausgenommen blieb. Zeit Online berichtet unter der Überschrift „Tabaksteuer-Vorhaben“, dass Zigarren und Zigarillos deutlich teurer werden könnten. Beschlossen ist das Vorhaben nicht, und die Parameter, die über die wirtschaftliche Wirkung entscheiden – Höhe der Erhöhung, Bemessungsgrundlage und Inkrafttreten – sind offen.
Das Segment wird steuerlich seit jeher anders behandelt als Zigaretten. Die Zigarette trägt die höchste Steuerlast und hat mehrere Erhöhungsrunden hinter sich, während Zigarren und Zigarillos auf vergleichsweise niedriger Basis besteuert werden. Diese Lücke zu schließen ist die strukturelle Logik hinter jeder Maßnahme dieser Art – und genau deshalb kann der Effekt an der Kasse überproportional ausfallen: Bei niedriger Ausgangsbasis ergibt eine neue Satzfestsetzung einen großen prozentualen Sprung, auch wenn der absolute Betrag je Stück gering wirkt.
Warum die Kategorie anfällig ist
Zigarren und Zigarillos sind im Vergleich zur Zigarette ein Geschäft mit kleinen Mengen und breitem Sortiment. Die Spanne reicht von maschinell gefertigten Zigarillos im Supermarkt, am Kiosk und an der Tankstelle im Einstiegspreissegment bis zu handgefertigten Zigarren im Tabakfachhandel. Beide Enden reagieren gegensätzlich auf Steuern, weshalb die Ausgestaltung der Maßnahme wichtiger ist als ihre Schärfe.
Im Tabakgeschäft wird die Verbrauchsteuer nahezu vollständig an den Verbraucher weitergegeben. Die Margen in Herstellung, Großhandel und Einzelhandel sind zu dünn, um eine Erhöhung aufzufangen; die Steuer landet im Regalpreis. Für das günstige Segment ist eine feste Stücksteuer die schädlichste Variante: Sie belastet den billigen Zigarillo mit demselben Betrag wie den teuren, staucht das Einstiegssegment zusammen und treibt preissensible Käufer zu Zigaretten, Feinschnitt oder aus der Kategorie heraus.
Importeure und Fachhandel
Der Großteil der in Deutschland verkauften Ware ist importiert. Handgefertigte Zigarren kommen überwiegend aus Kuba, der Dominikanischen Republik, Nicaragua und Honduras; maschinell gefertigte Zigarillos werden weitgehend innerhalb der Europäischen Union produziert, wobei die Fertigung in den Benelux-Staaten ein fester Bestandteil der Lieferkette ist. Importeure disponieren auf Vorlauf, halten Lagerbestand über Monate und fixieren Einkaufspreise lange bevor die Ware im deutschen Regal steht. Eine Steueränderung ist damit ebenso ein Lager- wie ein Preisthema.
Der Tabakfachhandel ist der am stärksten exponierte Vertriebskanal, weil Zigarren und Zigarillos dort das Kernsortiment bilden und nicht eine Warengruppe unter vielen. Supermarkt und Kiosk können Regalfläche umwidmen, wenn die Mengen sinken – der Fachhändler kann das nicht. Steht ein Starttermin fest, bevorratet sich der Handel üblicherweise vor der Erhöhung mit versteuerter Ware, worauf die Finanzverwaltung in der Regel mit Fristen für den Abverkauf von Altbeständen reagiert.
Nachfrage und Grenzeffekte
Höhere Preise in einem nationalen Markt teilen die Nachfrage in drei Richtungen: Verbraucher weichen nach unten aus, sie kaufen nicht mehr, oder sie kaufen anderswo. Deutschland hat neun Nachbarländer, die meisten davon im EU-Binnenmarkt, aus denen Reisende Tabak im Rahmen der Mengen für den Eigenbedarf mitbringen dürfen. Preisunterschiede zu den Nachbarstaaten prägen den deutschen Tabakmarkt bereits; werden sie größer, wandern Mengen aus dem deutschen Steueraufkommen in den Grenzhandel. Das ist der übliche Zielkonflikt zwischen höherem Satz und kleinerer Bemessungsgrundlage.
Was noch zu klären ist
Drei Parameter entscheiden über das Marktergebnis: ob je Stück, auf den Kleinverkaufspreis oder in Kombination besteuert wird; wie hoch die Erhöhung ausfällt; und ob sie in einem Schritt oder gestaffelt über mehrere Jahre kommt. Eine Staffelung gibt Herstellern und Importeuren Zeit, Preise und Sortimente anzupassen. Ein einzelner Schritt bündelt den Schock – und ist in einer Kategorie, die von Genusskäufen lebt, die Variante, die am ehesten Mengen kostet.
Vollständige Marktanalyse