Syrische Lebensmittel- und Textilhersteller wollen in die Golfmärkte zurück
Nach mehr als einem Jahrzehnt sinkender Exporte und Produktionskapazitäten knüpfen syrische Hersteller wieder Kontakte zu Importeuren am Golf. Lebensmittel und Agrarprodukte verfügen über die beste Ausgangslage, während der Textilsektor mit Produktivitäts-, Qualifikations- und Wettbewerbsproblemen kämpft.
Bestehender Lebensmittelhandel schafft eine Ausgangsbasis
Syrische Hersteller wollen ihre Position in den Golfstaaten wiederaufbauen, nachdem Exporte und Produktionskapazitäten mehr als ein Jahrzehnt lang geschrumpft sind. Erem Business berichtet, dass syrische Produzenten und Importeure aus der Region wieder direkt miteinander verhandeln. Die Messe Syrix in Dschidda bot dafür zuletzt eine Plattform. Entscheidend ist nun, ob daraus regelmäßige Lieferverträge statt einzelner Geschäfte entstehen.
Die Lebensmittelverarbeitung und die Landwirtschaft haben die besten Chancen auf eine schnelle Expansion, da syrische Waren bereits mehrere Golfmärkte erreichen. Nach von Erem Business zitierten Daten von DataSaudi stiegen die saudi-arabischen Importe aus Syrien 2025 um 19,9 % auf 820,8 Millionen Saudi-Riyal. Tierische und pflanzliche Fette und Öle, Zubereitungen aus Gemüse, Früchten und Nüssen sowie frische Früchte, Nüsse und Zitrusschalen machten rund die Hälfte aus: mehr als 411 Millionen Saudi-Riyal.
Auch der Handel mit den Vereinigten Arabischen Emiraten legte kräftig zu. Im Mai veröffentlichte offizielle emiratische Daten bezifferten den Nichtölhandel mit Syrien 2025 auf rund 1,4 Milliarden $, ein Plus von 132,4 %. Kuwait importierte syrische Waren im Wert von 57,8 Millionen $, wobei Öle und Fette, lebende Tiere, Gemüse und Früchte stark vertreten waren. Damit stehen Lebensmittelanbietern bereits funktionierende Import- und Vertriebsnetze für höhere Mengen und zusätzliche Produkte zur Verfügung.
Vorkriegsexporte waren breiter aufgestellt
Vor dem Bürgerkrieg waren die syrischen Ausfuhren in die Golfregion geografisch und nach Produkten breiter aufgestellt. Laut UN-Comtrade-Zahlen, die Erem Business anführt, exportierte Syrien 2010 Waren im Wert von 542,6 Millionen $ nach Saudi-Arabien, 161,2 Millionen $ nach Kuwait, 90,2 Millionen $ in die Vereinigten Arabischen Emirate und rund 66 Millionen $ nach Katar. Geliefert wurden Gemüse, Früchte, lebende Tiere und verarbeitete Lebensmittel sowie Bekleidung, Textilien und andere Industriewaren.
Die Nominalwerte von 2010 sind nicht direkt mit heutigen Zahlen vergleichbar, weil sich Preise, Nachfrage und Wettbewerb in 15 Jahren verändert haben. Sie zeigen jedoch, dass syrische Exporteure am Golf früher ein vielfältigeres Sortiment verkauften. Die geografische Nähe und Zollbefreiungen der Großen Arabischen Freihandelszone für Waren, welche die Ursprungsregeln erfüllen, könnten Lieferzeiten und Einstandskosten senken.
Textilien treffen auf etablierte asiatische Konkurrenz
Für den Textilsektor ist der Rückweg schwieriger. Saudi-Arabien importierte 2025 nicht gewirkte syrische Bekleidung für rund 9 Millionen $, gegenüber syrischen Ausfuhren derselben Kategorie von 32,9 Millionen $ im Jahr 2010, wie die von Erem Business genannten UN-Comtrade-Daten zeigen. Gleichzeitig bezog Saudi-Arabien 2025 gewirkte Bekleidung für rund 358 Millionen $ aus Indien, 192 Millionen $ aus Bangladesch und 72,5 Millionen $ aus der Türkei. Die Bekleidungskategorie ist eine andere, verdeutlicht aber die Größenordnung etablierter regionaler und asiatischer Liefernetze.
Syrische Textilfirmen müssen deshalb die Produktivität steigern und Stückkosten senken, zugleich aber gleichbleibende Qualität, große Aufträge und verlässliche Termine gewährleisten. Fachkräftemangel, die Verfügbarkeit von Baumwolle, veraltete Maschinen und die Energieversorgung begrenzen die Branche. Eine Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation bei 140 Fabriken in Damaskus, Aleppo, Homs und Hama stellte Qualifikationslücken in der Lebensmittel-, Textil-, Chemie- und technischen Industrie fest.
Neue Fabriken müssen verlässliche Kapazität liefern
Die industrielle Basis liegt weiterhin unter dem Vorkriegsniveau. Eine Studie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen bewertete die private Industrieproduktion zu konstanten Preisen 2010 mit 428,4 Milliarden syrischen Pfund und 2024 nur noch mit 261 Milliarden syrischen Pfund. Nach Angaben des syrischen Wirtschafts- und Industrieministeriums wurden seit März 2025 in der Lebensmittel-, Chemie-, Textil- und technischen Industrie mehr als 2.000 Fabriken gegründet, die rund 30.000 Arbeitsplätze schufen.
Neue Betriebe und Arbeitsplätze zeigen eine Belebung, belegen aber noch keine tatsächlich verfügbare Exportkapazität. Käufer am Golf werden reale Produktion, Kosten, Qualität und Liefertreue prüfen. Lebensmittel- und Agraranbieter können auf bestehender Nachfrage aufbauen; Textilfirmen müssen größere Produktions- und Versorgungslücken schließen. Für beide Branchen sind dauerhafte Vertragsvolumen der entscheidende Erholungsindikator, nicht Messeteilnahmen oder die Zahl neu registrierter Fabriken.