Syriens Textilbranche setzt mit NasTex 2026 und Fabrikneustarts auf Erholung
Auf der NasTex 2026 in Damaskus treffen Hersteller, Investoren und Technologieanbieter zusammen, während Syrien seine Textilindustrie wiederaufbauen will. Erste Fabriken nehmen den Betrieb auf, doch Energie, Vorprodukte, Finanzierung, Fachkräfte und Handelsverfahren bleiben Engpässe.
Die Branche sucht einen Weg zurück
Syriens Textilindustrie versucht eine schrittweise Rückkehr. Einige Fabriken nehmen den Betrieb wieder auf, während die NasTex 2026 Hersteller, Maschinenlieferanten, Investoren und Händler zusammengebracht hat. Die viertägige Veranstaltung fand vom 18. bis 21. Juli auf dem Messegelände in Damaskus statt. Die Wiederaufnahme der Textilproduktion ist Teil des breiteren Versuchs, die Industrie zu beleben und syrische Unternehmen wieder mit inländischen und ausländischen Märkten zu verbinden.
Nach Angaben der Syrischen Arabischen Nachrichtenagentur SANA sollten mehr als 300 Unternehmen aus mehr als 20 Ländern teilnehmen. Die Unterlagen von NasTex nennen mehr als 300 Aussteller aus über 25 Ländern und eine Ausstellungsfläche von mehr als 150.000 Quadratmetern. Die Agentur und der Veranstalter veröffentlichten somit unterschiedliche Länderzahlen. Beide Angaben sprechen jedoch für eine erhebliche internationale Beteiligung an der ersten Ausgabe.
Maschinen, Vorprodukte und Marktzugang
NasTex deckte Stoffe, Garne, Rohstoffe, Heimtextilien, Vorhänge, Möbel und Produktionsanlagen ab. Im Industriebereich wurden zudem Spinn- und Webmaschinen, vollständige Fertigungslinien, Automatisierung, intelligente Lagertechnik und digitale Systeme präsentiert. Für syrische Betriebe ist das entscheidend: Eine Wiedereröffnung allein reicht nicht, wenn veraltete Maschinen, unsichere Lieferungen oder hohe Betriebskosten eine wettbewerbsfähige Produktion verhindern.
Von SANA befragte Hersteller nannten die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Produktionskosten und eine stabile Energieversorgung als unmittelbare Prioritäten. Der Industrielle Samer Mustafa sagte, die Branche verfüge weiterhin über umfassende Erfahrung und eine etablierte Basis, benötige aber mehr Unterstützung bei Vorprodukten und Kostensenkungen. Der Nähmaschinenhersteller Samir Aqili forderte modernere Linien und Investitionen in fortgeschrittene Technik. Kamal al-Assali erklärte, stabile Energie und einfachere Ein- und Ausfuhrverfahren könnten Produktion und Marktzugang verbessern.
Finanzierung und Fachkräfte bleiben knapp
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen nannte im syrischen Privatsektordialog 2026 Vorprodukte, Energie, Qualifikationen, Technologie, Finanzierung und Marktzugang als Hürden für die Erholung der Textil- und Bekleidungskette. Eine Sitzung auf der NasTex behandelte außerdem die Ausbildung von Arbeitskräften für den aktuellen Bedarf der Fabriken. Davon hängt ab, wie schnell neu gestartete Betriebe von begrenzter Fertigung zu einem regelmäßigen kommerziellen Betrieb wechseln können.
Branchenvertreter verlangen zudem klarere Investitionsbedingungen. Die Industriekammer von Damaskus arbeitet nach eigenen Angaben mit Behörden an Infrastruktur, Finanzierung und Berufsausbildung für Textil-, Bekleidungs- und Färbebetriebe. Beim Start von NasTex vorgestellte Regierungspläne sehen vor, staatliche Fabriken zu bewerten und für Investitionen anzubieten, ohne sie zu privatisieren. Der Staat würde Infrastruktur bereitstellen, private Partner Kapital und betriebliche Kompetenz.
Die Messe ist nur ein Ausgangspunkt
NasTex verschafft syrischen Produzenten Zugang zu Ausrüstern, möglichen Partnern und Käufern. Ob daraus dauerhafte Kapazitäten entstehen, entscheiden jedoch Aufträge und Investitionen. Die vorhandenen Fähigkeiten und das Produktspektrum bilden eine Grundlage, darunter Bekleidung, Heimtextilien, Denim, Seidenstoffe und traditioneller Brokat. Die Erholung benötigt dennoch zuverlässigen Strom, bezahlbare Vorprodukte, qualifizierte Beschäftigte, verfügbare Finanzierung sowie berechenbare Zoll- und Handelsregeln. Für Hersteller und Händler zählt nun, ob Fabrikneustarts zu stabiler Produktion und neue Kontakte zu Verträgen auf regionalen und internationalen Märkten führen.