Südkoreas Geflügelbranche warnt vor Betriebsschließungen durch CPTPP-Beitritt
Der koreanische Masthühnerverband warnt, dass die Zollöffnung im Rahmen des CPTPP günstigeren Hühnerfleischimporten Marktanteile verschaffen und heimische Betriebe zur Aufgabe zwingen könnte. Die Regierung hat Konsultationen über einen möglichen Beitritt begonnen.
Regierung beginnt Konsultationen über CPTPP-Beitritt
Die südkoreanische Geflügelwirtschaft kritisiert den Kurs der Regierung in Richtung eines möglichen Beitritts zum Umfassenden und Fortschrittlichen Abkommen für eine Transpazifische Partnerschaft. Eine weitreichende Zollöffnung könne heimische Masthühnerhalter und Verarbeiter von Hühnerfleisch gefährden.
Nach Angaben von Nongmin kündigte die Regierung am 27. August bei der 273. Sitzung der für Außenwirtschaft zuständigen Minister an, eine gesellschaftliche Debatte und eine Anhörung zum CPTPP-Beitritt einzuleiten. Das im Dezember 2018 in Kraft getretene Abkommen umfasst 12 Staaten im asiatisch-pazifischen Raum. Unter den Mitgliedern werden im Durchschnitt 96,3 % der Agrarzölle abgeschafft. Die Folgen für bislang geschützte Agrarbereiche stehen deshalb im Mittelpunkt der südkoreanischen Diskussion.
Branche verlangt Folgenabschätzung vor einer Entscheidung
Der von Moon Jung-jin geführte koreanische Masthühnerverband kritisierte die Initiative am 1. September. Ein Abkommen mit einem hohen Grad an Marktöffnung könne über den Fortbestand der Masthühnerbetriebe und der gesamten heimischen Hühnerfleischindustrie entscheiden. Die Regierung dürfe die Konsultation nicht als Formalität behandeln und den Beitritt bereits voraussetzen.
Der Verband fordert stattdessen eine objektive Untersuchung der Hühnerfleischimporte, des Selbstversorgungsgrades, der Einkommen der Landwirte sowie der möglichen Auswirkungen auf Gastronomie und Franchiseunternehmen. Die Ergebnisse sollten veröffentlicht werden, bevor das Beitrittsverfahren weiter vorangetrieben wird. Damit rückt die Organisation neben dem Zollschutz auch die Folgen für Lieferketten und nachgelagerte Unternehmen in den Vordergrund.
Importdruck trifft auf steigende Produktionskosten
Nach Darstellung des Verbandes leiden die heimischen Produzenten bereits unter wachsenden Importen und höheren Ausgaben für Küken, Futter, Arbeit, Strom und Verpackungen. Eine weitere Öffnung könnte preisgünstiger ausländischer Ware zusätzliche Marktanteile verschaffen und mehr Masthühnerhalter zur Aufgabe der Produktion oder zur Schließung ihrer Betriebe bewegen. Nongmin gibt diese Aussagen als Einschätzung der Branche wieder; das Ausgangsmaterial enthält keine aktuellen Importmengen, Rentabilitätszahlen oder Schätzungen zur Zahl möglicher Schließungen.
Der Verband begründet seinen Widerstand auch mit der Versorgungssicherheit. Einmal verlorene Kapazitäten in der Tierhaltung ließen sich nicht kurzfristig wiederherstellen, und ein Wiederaufbau der Masthühnerbranche würde viel Zeit und Geld erfordern. Eine höhere Importabhängigkeit wegen hoher Inlandspreise könnte den Verbrauchern bei Störungen internationaler Lieferketten zusätzliche Kosten aufbürden. Der Verband lehnt den CPTPP-Beitritt nach eigenen Angaben ab, um Betriebe, Produktionskapazitäten, Franchisezentralen mit koreanischem Hühnerfleisch, kleine Unternehmen und Franchisenehmer zu schützen und eine stabile Versorgung mit hygienisch einwandfreien und sicheren Lebensmitteln zu gewährleisten. Die Konsultation eröffnet damit eine breitere Debatte darüber, ob Verbrauchervorteile durch günstigere Importe die Risiken für heimische Kapazitäten und verbundene Unternehmen aufwiegen.