Südkoreanische Forscher warnen vor Belastung durch Abgabe auf zuckerhaltige Getränke
Südkoreanische Wissenschaftler mahnen bei einer Abgabe auf zuckerhaltige Getränke zur Vorsicht. Gemessen am Einkommen könnte die Belastung der niedrigsten Einkommensgruppe 8,4-mal so hoch sein wie die der höchsten; empfohlen werden zunächst Kennzeichnung, Aufklärung und Anreize zur Zuckerreduktion.
Forscher sehen eine regressive Belastung
Südkoreanische Wissenschaftler und Steuerexperten haben zu einem vorsichtigen Vorgehen bei der geplanten Abgabe auf zuckerhaltige Getränke aufgerufen. Nach ihrer Einschätzung könnte sie einkommensschwache und jüngere Verbraucher überproportional treffen. Erörtert wurde das Vorhaben am 7. beim 34. steuerpolitischen Seminar im Seouler Stadtteil Yeouido, das von der Korean Association of Tax Policy und der Korea Taxpayers’ Association veranstaltet wurde.
Der Vorschlag erfasst Getränke mit zugesetztem Zucker, darunter Zucker und Sirup. Wie The Fact und Financial News berichteten, stellte die Myongji-Professorin Noh Jeong-ran eine empirische Auswertung der Rohdaten der koreanischen Gesundheits- und Ernährungserhebung für 2016–2024 sowie eine Simulation der Verteilung der Abgabenlast vor.
Laut Nohs Analyse wäre die Belastung gemessen am Einkommen in der ersten Einkommensquintile etwa 8,4-mal so hoch wie in der fünften. Eine kombinierte Auswertung nach Alter und Einkommen zeigte zudem eine Konzentration bei einkommensschwachen jungen Erwachsenen und Jugendlichen. Die Forscher warnten, dieses Ergebnis könne dem gesundheitspolitischen Ziel der Maßnahme widersprechen.
Der Konsum sinkt bereits
Das Seminar befasste sich auch mit den Veränderungen, die auf dem Getränkemarkt bereits stattfinden. Der durchschnittliche tägliche Pro-Kopf-Verbrauch zuckerhaltiger Getränke sank von 116,9 Gramm im Jahr 2016 auf 87,0 Gramm im Jahr 2024. Das entspricht laut der von beiden Medien wiedergegebenen Analyse einem Rückgang von 25,6 %. Auch ihr Anteil an der gesamten Zuckeraufnahme ging weiter zurück.
Noh führte die Abnahme unter anderem auf die größere Verfügbarkeit zuckerfreier und zuckerreduzierter Produkte zurück. Hersteller und Verbraucher trieben die Zuckerreduktion bereits durch marktbasierte Anpassungen voran, argumentierte sie. Für Getränkeproduzenten spricht der Trend für eine anhaltende Nachfrage nach neuen Rezepturen und einem breiteren Angebot zuckerarmer und zuckerfreier Produkte.
Gesundheitswirkung und Finanzierung bleiben offen
Die Teilnehmer bezweifelten außerdem, dass höhere Getränkepreise zwangsläufig die gesamte Kalorienaufnahme senken oder die Gesundheit verbessern. Ha Sang-do, Professor an der Chung-Ang University und Präsident der Korean Society of Food Hygiene and Safety, bezifferte Südkoreas Adipositasquote bei Erwachsenen nach OECD-Standard auf 5,1 %. Gleichzeitig erreichten 61 % der Erwachsenen kein ausreichendes Maß an körperlicher Aktivität. Adipositas habe mehrere Ursachen; deshalb müssten die Wirkung auf die Kalorienaufnahme und mögliche Nebenfolgen vor einer Steuer oder Abgabe geprüft werden.
Auch die finanzpolitische Konstruktion wurde kritisiert. Sollte die Abgabe zugunsten des National Health Promotion Fund und nicht als Steuer erhoben werden, könnte sie nach Nohs Auffassung eine strengere parlamentarische Haushaltskontrolle umgehen. Hinzu komme ein Zielkonflikt: Sinkt der Konsum und wird das Gesundheitsziel erreicht, gehen die Fondseinnahmen zurück; bleiben die Einnahmen stabil, ist der beabsichtigte Konsumrückgang ausgeblieben.
Nam Hye-jeong von der Dongguk University forderte, die Verlagerung auf andere Getränke sowie die Weitergabe vergleichbarer ausländischer Abgaben an die Einzelhandelspreise zu untersuchen. In die Bewertung sollten neben der finanziellen Belastung der Haushalte auch mögliche gesundheitliche Vorteile einfließen.
Kennzeichnung, Bildung und Herstelleranreize vorgeschlagen
Vor einer einheitlichen Abgabe empfahlen die Referenten nicht preisbezogene Maßnahmen. Dazu zählen eine stärkere Nährwertkennzeichnung, gezielte Gesundheitsbildung für Jugendliche und Anreize für Unternehmen, freiwillig auf zuckerfreie oder zuckerreduzierte Produkte umzustellen. Hong Ki-yong von der Incheon National University befürwortete eine Kombination aus besseren Verbraucherinformationen und Anreizen zur Rezepturänderung.
Für Getränkehersteller, Händler und Zutatenlieferanten bleibt die Regulierung damit unsicher, doch die diskutierten Alternativen sind klarer geworden. Eine Abgabe würde unmittelbar Preise und möglicherweise die Nachfrage verändern. Kennzeichnungsvorschriften und Herstelleranreize würden dagegen Rezepturen, Verpackungsinformationen und Sortimentsstrategien in den Mittelpunkt rücken. Die Teilnehmer unterstützten grundsätzlich das Ziel einer besseren öffentlichen Gesundheit, verlangten aber vor einer landesweiten Einführung Untersuchungen zu Belastungsverteilung, Ausweichkonsum, Preisweitergabe und Haushaltskontrolle.