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Südkorea ersetzt Erneuerbaren-Zertifikate durch langfristige Stromverträge

Südkorea schafft sein Quotensystem für erneuerbare Energien schrittweise ab und vergibt neue Solar- und Windprojekte ab 2027 über Ausschreibungen. Erfolgreiche Projekte schließen langfristige Festpreisverträge mit der Korea Electric Power Corporation, während der bestehende REC-Markt vorübergehend weiterläuft.

Südkorea ersetzt Erneuerbaren-Zertifikate durch langfristige Stromverträge

Nach 15 Jahren weicht das Fördersystem Ausschreibungen

Südkorea wird den seit 2012 geltenden Renewable Portfolio Standard (RPS) schrittweise abschaffen. Laut ESG Economy tritt das geänderte Gesetz zur Förderung der Entwicklung, Nutzung und Verbreitung neuer und erneuerbarer Energien am 1. Januar 2027 in Kraft. Neue Solar- und Windprojekte konkurrieren dann um staatlich festgelegte Mengen, statt auf den Verkauf von Herkunftszertifikaten für erneuerbare Energien (REC) angewiesen zu sein.

Unter dem RPS mussten große Stromerzeuger einen festgelegten Anteil ihrer Produktion aus erneuerbaren Quellen bereitstellen. Sie konnten die Vorgabe durch eigene Anlagen oder durch den Kauf von RECs anderer Ökostromproduzenten erfüllen. Betreiber von Solaranlagen erzielten deshalb sowohl Erlöse zum Systemgrenzpreis SMP als auch aus dem Verkauf von RECs. Die Regierung würdigt den Beitrag dieses Modells zum Ausbau erneuerbarer Energien, begründet die Reform jedoch mit schwankenden REC-Preisen, komplexen Handelsstrukturen und begrenzten Anreizen zur Senkung der Erzeugungskosten.

Festpreise können die Finanzierung erleichtern

Im neuen Vertragsmarkt legt die Regierung technologiespezifische Beschaffungsmengen und Höchstpreise fest. Projektentwickler bieten zu oder unterhalb dieser Grenze; erfolgreiche Vorhaben schließen anschließend langfristige Stromabnahmeverträge zu Festpreisen mit der Korea Electric Power Corporation. ESG Economy verweist auf mögliche Laufzeiten von 15 oder 20 Jahren. Banken und Investoren können künftige Zahlungsströme damit verlässlicher kalkulieren als bei einer gleichzeitigen Abhängigkeit von SMP- und REC-Preisen.

Besonders relevant ist die Umstellung für kapitalintensive Offshore-Windparks, die häufig stark auf Projektfinanzierungen angewiesen sind. Planbare Vertragserlöse können das Risiko der Kreditgeber, die Finanzierungskosten und die Renditeanforderungen der Entwickler senken. Diese Sicherheit gibt es jedoch nur nach einem Zuschlag. Bei neuen Solarprojekten verschiebt sich das Geschäftsmodell vom Bau mit anschließendem REC-Verkauf hin zur Sicherung eines wettbewerbsfähigen Vertrags vor Baubeginn. Kleinere Entwickler könnten gegenüber großen Bietern ins Hintertreffen geraten. Die Regierung plant deshalb einen eigenen Vertragsmarkt für kleine Anlagen; Zugangskriterien und Abläufe stehen noch nicht fest.

Nicht allein der Preis entscheidet

Bei der Bewertung zählen auch nicht preisliche Kriterien wie der Beitrag zur heimischen Industrie, zu Lieferketten und zur Energiesicherheit. Das könnte südkoreanische Hersteller im Wettbewerb mit chinesischen Solarunternehmen stützen, die über große Produktionskapazitäten und niedrige Preise verfügen. Zugleich verbindet das Modell die Beschaffung erneuerbarer Energie mit den staatlichen Plänen zur Stärkung heimischer Lieferketten und zur Entwicklung von Technologien wie Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen. Die Gewichtung von Preis und industriepolitischen Kriterien kann die Ausrüster und Projektkosten erheblich beeinflussen.

Die RECs verschwinden nicht sofort. Bestehende Projekte können nach ihren bisherigen Vereinbarungen grundsätzlich bis zu 20 Jahre lang weiter Zertifikate erhalten. Der REC-Spotmarkt bleibt nach Inkrafttreten des Gesetzes noch drei Jahre bis zum 31. Dezember 2029 geöffnet. Damit bestehen beide Systeme zeitweise nebeneinander, wodurch Preisverzerrungen zwischen Bestandsprojekten und neuen Ausschreibungen entstehen können. Nach einer öffentlichen Anhörung am 30. September will die Regierung die Ausführungsbestimmungen bis Jahresende abschließen und nach Inkrafttreten des Gesetzes die ersten Solar- und Windausschreibungen bekannt geben. Für Entwickler und Finanzierer werden Höchstpreise, Wettbewerbsintensität und Zuschlagspreise wichtiger als der tägliche REC-Preis.

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