Südafrika vereinbart zweites Sojabohnengeschäft mit China
Südafrika will im November rund 200.000 Tonnen Sojabohnen nach China liefern. Es ist nach den 147.000 Tonnen von 2023 erst das zweite Geschäft dieser Art und fällt mit einem Rekordangebot sowie der Abschaffung chinesischer Zölle zusammen.
November-Lieferung folgt auf Zollabbau
Südafrika will im November rund 200.000 Tonnen Sojabohnen nach China exportieren. Es handelt sich erst um das zweite Sojabohnengeschäft zwischen beiden Ländern. Die geplante Menge übertrifft die erste Transaktion von 2023, als drei Schiffe zusammen 147.000 Tonnen nach China brachten.
Der Verkauf folgt auf Chinas Nullzollregelung für 53 afrikanische Staaten, die diplomatische Beziehungen zu Peking unterhalten. Laut Xinhua gilt die Regelung seit dem 1. Mai. Zuvor wurden südafrikanische Sojabohnen in China mit 3 % verzollt. Die Abschaffung verschafft ihnen gegenüber südamerikanischen Wettbewerbern einen geschätzten Kostenvorteil von 15 $ je Tonne.
Der südafrikanische Getreide- und Ölsaatenhandelsverband SACOTA bezeichnete die Vereinbarung als dringend benötigte Stütze für die heimische Branche und als Schritt zur Sicherung künftiger Marktchancen. Der Verband bereitet die Lieferung weiter vor. Dazu gehört die jährliche chinesische Registrierung von Händlern, Exportterminals und Silos.
Rekordernte schafft exportierbaren Überschuss
Das Geschäft kommt in einem Jahr mit Südafrikas bislang größter Sojabohnenernte zustande. Der Agrarökonom Wandile Sihlobo bezifferte die Produktion gegenüber EWN auf rund 3 Millionen Tonnen. Xinhua nannte unter Verweis auf eine April-Prognose des Crop Estimates Committee 2,8 Millionen Tonnen für die Sommergetreidesaison 2025/26. Die Angaben unterscheiden sich hinsichtlich Zeitpunkt und Methodik, deuten aber beide auf eine außergewöhnlich hohe Erzeugung hin.
Nach Angaben Sihlobos verarbeitet Südafrika im Inland rund 2,3 Millionen Tonnen Sojabohnen. Damit bleibt ein Teil der Ernte für den Export verfügbar. Der Zugang zu China kann Lagerbestände verringern und die lokalen Preise stützen. Allein das November-Geschäft entspricht fast 9 % der genannten inländischen Verarbeitungsmenge, ist gegenüber Chinas gesamtem Importbedarf jedoch weiterhin klein.
Die Ausfuhr zeigt zugleich die schnelle Entwicklung des südafrikanischen Sojasektors. Noch 2014 importierte das Land laut Sihlobo mehr als 1 Million Tonnen Sojaschrot und zusätzlich Sojabohnen. Inzwischen reicht die Rekordproduktion aus, um heimische Ölmühlen zu versorgen und zugleich Überschüsse für Auslandskunden bereitzustellen.
China bietet Größe, doch der Wettbewerb bleibt
China kauft laut Sihlobo mehr als 60 % der weltweit gehandelten Sojabohnen. Das macht den Markt für südafrikanische Erzeuger, Händler und Lagerbetreiber strategisch interessant. Sie müssen jedoch weiterhin bei Preis, Lieferkontinuität, Frachtkosten und verfügbaren Mengen mit etablierten südamerikanischen Anbietern konkurrieren. Der Nullzoll verbessert Südafrikas Ausgangslage, beseitigt diese kommerziellen Grenzen aber nicht.
Die breitere Chance reicht über Sojabohnen hinaus. China nimmt Sihlobo zufolge rund 11 % der weltweit gehandelten Agrarprodukte im Wert von etwa 200 Milliarden $ jährlich ab. Südafrika exportiert zum Vergleich Agrarprodukte für rund 15 Milliarden $ in alle Welt. Vom Zollabbau könnten nach seiner Einschätzung auch Obst, rotes Fleisch, Getreide, Geflügel und Wein profitieren, weil die Erzeuger zusätzliche Absatzmöglichkeiten erhalten.
Für die Sojabranche ist die Abwicklung der November-Lieferung der nächste Test. Die Registrierung und die Koordination von Silos, Terminals und Händlern werden darüber entscheiden, ob daraus Folgegeschäfte entstehen. Eine erfolgreiche zweite Lieferung begründet noch keinen dauerhaften Handelsstrom, würde aber zeigen, dass Südafrika einen erheblichen Überschuss im weltweit größten Sojabohnenmarkt platzieren kann.