Russischer Agrarkonzern Steppe stellt vollständig auf heimisches Saatgut um
Der Agrarkonzern Steppe hat bei sämtlichen Kulturen ausländisches Saatgut ersetzt und damit einen wichtigen Teil seines vor mehr als sechs Jahren gestarteten Importsubstitutionsprogramms abgeschlossen. Russland will den Versorgungsgrad mit heimischem Saatgut von derzeit geschätzten 69% bis 2030 auf mindestens 75% erhöhen.
Ausländisches Saatgut vollständig ersetzt
Der russische Agrarkonzern Steppe hat bei sämtlichen angebauten Kulturen vollständig auf heimisches Saatgut umgestellt, berichtete Vedomosti. Der schrittweise Wechsel erfolgte im Rahmen eines unternehmenseigenen Importsubstitutionsprogramms, das vor mehr als sechs Jahren begann.
Im vergangenen Jahr verzichtete Steppe auf importiertes Saatgut für Sonnenblumen, Flachs, Senf, Erbsen und Kichererbsen. Bereits 2024 ersetzte das Unternehmen ausländisches Zuckerrübensaatgut und nahm damit die in Russland am stärksten von Importen abhängige Kultur in Angriff. Ausländische Hybride erreichten damals einen Anteil von 92% am russischen Markt für Zuckerrübensaatgut. Bei den wichtigsten Getreidekulturen des Konzerns, Weizen und Gerste, wird bereits seit mehreren Jahren ausschließlich russisches Saatgut verwendet.
Russland strebt 75% Eigenversorgung an
Die Umstellung bei Steppe ist Teil des Ausbaus der russischen Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion. Nach der russischen Doktrin zur Ernährungssicherheit soll heimisches Saatgut bis 2030 mindestens 75% des Bedarfs decken. Das Landwirtschaftsministerium schätzt den aktuellen Anteil auf 69%; bis zum Ziel fehlen somit 6 Prozentpunkte.
Den von Vedomosti veröffentlichten Angaben zufolge wurden allein im vergangenen Jahr mehr als 1.000 neue Pflanzensorten und Hybride in das staatliche Register aufgenommen. In den vergangenen 10 Jahren entstanden an wissenschaftlichen Einrichtungen mehr als 30 Züchtungs- und Saatgutzentren. Auch große Agrarunternehmen wie EkoNiva, Rusagro, die Progress Agro Group und Steppe betreiben Züchtung, um sowohl die eigenen Betriebe als auch den Markt zu versorgen.
Lokalisierung von Züchtung, Maschinen und Software
Das Saatgutwerk von Steppe entwickelt Getreide- und Hülsenfruchtsorten eigenständig und gemeinsam mit Partnern. Vorstandschef Andrey Neduzhko erklärte, russisches Saatgut sei gut an die lokalen Boden- und Klimabedingungen angepasst und bei Krankheitsresistenz und Ertrag mit Importprodukten vergleichbar. Dabei handelt es sich um die Einschätzung des Unternehmens; vergleichende Daten aus Feldversuchen enthält das Ausgangsmaterial nicht.
Das Lokalisierungsprogramm reicht über Saatgut hinaus. Steppe verwendet ausschließlich in Russland hergestellte Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger. Heimische Maschinen stellen mehr als 80% der Agrartechnik, und ihr Anteil wächst weiter. Importierte Software wurde durch russische Systeme für Ernteplanung, Logistik, Finanzberichterstattung sowie Front- und Backoffice-Prozesse ersetzt. Die Betriebe nutzen zudem russische Agrartelematik und Systeme zur Maschinenüberwachung.
Digitale Substitution erreicht künstliche Intelligenz
Im vergangenen Jahr startete Steppe ein Projekt zur Fertigung von Bauteilen mittels 3D-Druck. In diesem Jahr gründete der Konzern eine Abteilung für künstliche Intelligenz, die eigene neuronale Netze, KI-Agenten, KI-Assistenten und Chatbots entwickeln soll. Damit verbindet Steppe die Lokalisierung landwirtschaftlicher Betriebsmittel mit dem Abbau der Abhängigkeit von ausländischer Industrie- und Digitaltechnik.
Auf staatlicher Ebene hat Landwirtschaftsministerin Oksana Lut als Ziel genannt, bis 2030 bei 80% der Agrarunternehmen importierte Basis- und Anwendungssoftware durch heimische Lösungen zu ersetzen. Der vor drei Jahren gegründete Integrator AgroPromTsifra soll Importsoftware ersetzen, Cybersicherheit gewährleisten und digitale Verfahren verbreiten. Für Saatgut- und Technologieanbieter zeigt der Wechsel bei Steppe, dass große Agrarkonzerne zugleich zu Kunden, Entwicklern und potenziellen Anbietern lokalisierter Betriebsmittel werden.