Steigende Molkenpreise erhöhen den Kostendruck bei Säuglingsnahrung
Molke hat sich bei wachsender Nachfrage und knappen Verarbeitungskapazitäten um rund 47 % verteuert. Hersteller von Säuglingsnahrung können einen Teil der Mehrkosten auffangen, doch der britische Markt zeigt eine schnelle Weitergabe an Verbraucher.
Teurere Molke erreicht die Säuglingsernährung
Der anhaltende Anstieg der Molkenpreise weckt Sorgen über höhere Produktionskosten bei Säuglingsnahrung. Kurzfristig dürften Sport- und Erwachsenenernährung jedoch stärker betroffen sein. FoodNavigator zufolge wird die Nachfrage durch proteinreiche Ernährungstrends sowie durch Nutzer von GLP-1-Medikamenten gestützt, die länger satt bleiben und Muskelverlust vermeiden wollen.
Von der Publikation angeführte Zahlen der Rabobank zeigen einen Anstieg der Molkenpreise um rund 47 %. Tom Booijink, leitender Milchspezialist für Europa und Afrika bei RaboResearch Food & Agribusiness, sagte, höherwertige Molkenproteine hätten sich in den vorangegangenen Monaten stark verteuert. Eine Entspannung sei noch nicht erkennbar.
Molke steckt in Proteinriegeln, Shakes, Mahlzeitenersatz, Joghurt und Säuglingsnahrung. Die breite Nachfrage verschärft den Wettbewerb sowohl um den Rohstoff als auch um spezialisierte Verarbeitungskapazitäten.
Ein zentraler Bestandteil ohne Spielraum für Kürzungen
Kuhmilchprotein besteht zu ungefähr 80 % aus Kasein und zu 20 % aus Molkenprotein. Säuglingsnahrung zielt gewöhnlich auf ein Verhältnis von etwa 40:60 zwischen Kasein und Molke, um der Proteinzusammensetzung von Muttermilch näherzukommen. Booijink bezeichnet Molke deshalb als einen der wichtigsten Proteinbestandteile der Kategorie.
Professor Seamus O’Mahony, Leiter der School of Food and Nutritional Sciences am University College Cork, erklärte, Molke liefere hochwertiges Protein und essenzielle Aminosäuren wie Tryptophan für Wachstum und Entwicklung. Zum Einsatz kommen entmineralisierte Molke, Molkenproteinkonzentrat, Molkenproteinisolat und hydrolysiertes Molkenprotein.
Bei der Entmineralisierung werden überschüssige Mineralstoffe wie Natrium und Chlorid entfernt, die Säuglinge sonst nur schwer verstoffwechseln könnten. Entmineralisierte Molke wurde in den 1960er-Jahren in der Säuglingsernährung eingeführt und wird dort seit mehr als 60 Jahren verwendet. Molkenproteinisolat kommt auch in Spezialprodukten wie laktosefreier Nahrung zum Einsatz.
Hersteller können den Molkenanteil nicht einfach senken. O’Mahony zufolge kommt eine Verdünnung nicht infrage, weil Säuglingsnahrung die einzige Nahrungsquelle eines Kindes sein kann und sowohl der Gesamtproteingehalt als auch das Profil der essenziellen Aminosäuren streng reguliert sind.
Verarbeitung ist der entscheidende Engpass
Booijink erwartet bei Säuglingsnahrung geringe bis moderate Auswirkungen. Der wichtigste Engpass sei nicht die Verfügbarkeit flüssiger Molke, sondern die begrenzte Kapazität für deren Verarbeitung zu proteinreichen Zutaten wie WPC80 und Molkenproteinisolat, kurz WPI.
Die Herstellung erfordert Ultra- und Mikrofiltration, hohe Investitionen und spezialisiertes Fachwissen. WPC80 und WPI haben sich deutlich stärker verteuert als Molke mit ihrem Anstieg von rund 47 %. Das deutet auf knappe Verarbeitungskapazitäten und nicht auf einen Mangel am Rohstoff hin. Die hohen Preise haben bereits Investitionen in zusätzliche Anlagen ausgelöst, die den Engpass laut Booijink mit der Zeit mindern dürften.
Die vergleichsweise hohen Margen bei Säuglingsnahrung geben Herstellern die Möglichkeit, einen Teil der Mehrkosten selbst zu tragen. Booijink zufolge zeigen Geschäftsberichte und andere öffentliche Informationen von Danone, Nestlé und FrieslandCampina deutlich höhere Margen in der Säuglingsernährung als in vielen anderen Molkereikategorien. Ob die Kosten beim Verbraucher ankommen, hängt von Preissetzungsmacht und Wettbewerbsposition ab.
Großbritannien zeigt das Verbraucherrisiko
Die britische Competition and Markets Authority stellte in einem Bericht von 2025 fest, dass schwache Anreize zum Preiswettbewerb Herstellern und Händlern wenig Druck machten, Kunden vor höheren Produktionskosten zu schützen. Die Kosten seien überwiegend schnell und vollständig weitergegeben worden. FoodNavigator berichtete, dass die Preise für Säuglingsnahrung im Vereinigten Königreich zwischen Januar und März 2026 um bis zu 45 % stiegen. Eine Studie der Swansea University ergab, dass höhere Preise einige Familien in Schulden und zu Ernährungspraktiken drängten, deren mögliche Gefahren für ihre Babys ihnen bewusst waren.
Die Behörde nannte Preisobergrenzen als mögliche staatliche Maßnahme. Booijink warnte, sie könnten Investitionsanreize schwächen und den Kapazitätsmangel verlängern. Für Hersteller und Einkäufer ist daher entscheidend, wann neue WPC80- und WPI-Anlagen verfügbar werden. Bis das Angebot aufholt, dürfte die Sporternährung den stärksten direkten Druck spüren, während Formulanbieter über die Verteilung der Mehrkosten entscheiden müssen.