Spanische Reiserzeuger fordern Aussetzung der EU-Handelspräferenzen für Myanmar
La Unión Extremadura fordert eine sofortige Aussetzung der EU-Handelspräferenzen für Myanmar. Nach Angaben des Bauernverbands gelangt zollfreier Reis zu weniger als 50 % der EU-Produktionskosten nach Europa und drückt Erzeugerpreise sowie Anbauflächen.
Bauernverband verlangt sofortige Aussetzung
Der spanische Bauernverband La Unión Extremadura hat die Europäische Kommission und das spanische Landwirtschaftsministerium aufgefordert, die präferenzielle Handelsregelung der Europäischen Union für Myanmar sofort auszusetzen. Billige Reisimporte untergrüben die Preise europäischer Erzeuger, während Myanmar die Ziele nicht erfülle, mit denen die Vergünstigungen ursprünglich begründet wurden.
Myanmar erhält über das Allgemeine Präferenzsystem und die Regelung „Alles außer Waffen“, kurz EBA, Zugang zum EU-Markt. Berechtigte Länder können nahezu alle Waren zoll- und quotenfrei liefern. La Unión zufolge setzt dieses System die Reisbauern in der EU dem Wettbewerb mit Produktionsstandorten aus, deren Kosten erheblich niedriger sind.
Importmenge mit Spaniens Erzeugung verglichen
Nach den von La Unión vorgelegten Daten erreichten die Einfuhren aus Myanmar im Jahr 2024 insgesamt 690 Millionen kg weißen Reis. Diese Menge sei mit der gesamten Erzeugung auf Spaniens Reisanbauflächen vergleichbar. Unterschiedliche Produktionsbedingungen ermöglichten zudem einen Verkauf in Europa zu einem Preis von weniger als 50 % der Kosten, die EU-Landwirte tragen.
Der Verband führt den anhaltenden Rückgang der europäischen Erzeugerpreise auf diese Einfuhren zurück. Wegen mangelnder Rentabilität werde außerdem die Reisanbaufläche verkleinert. Der Konflikt betrifft damit nicht nur die laufenden Einkommen der Betriebe, sondern auch Europas künftige Produktionskapazität: Ein dauerhafter Flächenverlust würde die regionale Versorgungsbasis für Verarbeiter und Käufer schmälern.
Handelspolitik trifft auf Menschenrechtsfrage
Die Präferenzen sollten laut La Unión die wirtschaftliche Entwicklung und die Einkommen in Ländern wie Myanmar fördern, sofern diese Menschenrechtsverpflichtungen einhalten. Der Verband wirft der Militärregierung vor, diese Bedingung nicht zu erfüllen, und verweist auf Gräueltaten gegen die Rohingya. Die Regelung schütze weder europäische Reiserzeuger noch erreiche sie ihre erklärten politischen Ziele.
Die Europaabgeordneten Diana Riba von ERC und Vicent Marzà von Compromís haben das Thema bereits gegenüber der Europäischen Kommission angesprochen. Brüssel verteidigte die Präferenzen mit dem Argument, sie trügen zur Armutsbekämpfung bei und eine Rücknahme könne die schwächsten Bevölkerungsgruppen Myanmars treffen. Zudem seien die wirtschaftlichen Vorteile der Militärjunta aus EBA begrenzt; die Lage im Land werde regelmäßig überwacht.
Kommission muss zwei Risiken abwägen
La Unión wies diese Begründung zurück und verlangte Maßnahmen von Brüssel und Madrid. Die Politik muss nun den von europäischen Reisbauern gemeldeten wirtschaftlichen Druck gegen mögliche soziale Folgen eines eingeschränkten Marktzugangs für Myanmar abwägen. Aus dem vorliegenden Material geht nicht hervor, dass die Kommission oder das spanische Landwirtschaftsministerium einer Aussetzung zugestimmt hat.
Für Erzeuger, Händler und Verarbeiter ist entscheidend, ob die Forderung eine formelle Prüfung oder Schutzmaßnahmen auslöst. Bis zu einer politischen Änderung behält Myanmar seinen zoll- und quotenfreien Zugang über EBA. Europas Reisbauern konkurrieren weiter mit Importware, deren Preis laut La Unión weniger als die Hälfte ihrer Produktionskosten beträgt.