Spanische Reisbauern gehen nach Brüssel: Erzeugerpreis fällt durch Importe um 40 %
Die spanische Agrarorganisation Unión de Uniones hat in Brüssel Maßnahmen gegen die Krise im Reissektor gefordert. Nach ihren Angaben ist der Erzeugerpreis um 40 % gefallen, als Ursache nennt sie die Konkurrenz durch Importreis.
Spanische Erzeuger tragen den Reispreis nach Brüssel
Die spanische Agrar- und Viehzuchtorganisation Unión de Uniones hat die Preissituation im Reissektor nach Brüssel getragen und von den EU-Institutionen Maßnahmen gegen das gefordert, was sie als Krise der Kultur bezeichnet. Nach ihren Angaben ist der Preis, den Erzeuger ab Hof erhalten, um 40 % gefallen. Als Ursache nennt die Organisation die Konkurrenz durch importierten Reis und nicht eine schwächere Inlandsnachfrage.
Diese Unterscheidung bestimmt, wie die Beschwerde zu lesen ist. Die 40 % beziehen sich auf den Erzeugerpreis, also auf den Betrag, der beim Verlassen des Betriebs abgerechnet wird, nicht auf Großhandelsnotierungen oder Regalpreise, die sich langsamer bewegen und weiter hinten in der Kette entstehen. Ein Rückgang dieser Größenordnung an der ersten Verkaufsstufe trifft ausschließlich den Erzeuger, denn der größte Teil der Kosten eines Reisjahres ist festgelegt, lange bevor der Verkaufspreis feststeht.
Was minus 40 % ab Hof für die Marge bedeutet
Reis wird in Spanien unter Bewässerung angebaut und ist damit an Wasserzuteilungen, Pumpkosten und Energiepreise gebunden, hinzu kommen Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Maschinen und Fläche. Zur Ernte hin sind diese Kosten weitgehend fixiert. Fällt der Erzeugerpreis um 40 %, ohne dass die Kostenbasis folgt, wird der Verlust in einer einzigen Saison realisiert. Die übliche Reaktion ist eine kleinere Anbaufläche im Folgejahr und nicht eine Senkung der Kosten je Hektar.
Für den Rest der Kette liest sich dieselbe Bewegung anders. Mühlen, Abpacker und Händler, die Rohreis ab Erzeuger kaufen, erhalten billigeren Rohstoff, während Importeure gegenüber der heimischen Ware Marktanteile gewinnen, solange die Einfuhrpreise das lokale Angebot unterbieten. Unión de Uniones benennt Importe als Ursache des Preisverfalls und verschiebt die Auseinandersetzung damit von der nationalen Marktsteuerung in die Handelspolitik. Ob die Verschiebung der Anteile dauerhaft ist, hängt davon ab, wie lange Importware günstiger bleibt als die spanische.
Warum der Appell an die EU und nicht an Madrid geht
Genau darin liegt der Grund für den Auftritt in Brüssel. Zollsätze, präferenzieller Zugang für Drittländer, Schutzklauseln und die Überwachung der Einfuhrmengen sind Kompetenzen der Europäischen Union. Eine nationale Regierung kann Erzeuger mit inländischen Maßnahmen stützen, die Bedingungen für den Zugang von Reis zum Binnenmarkt aber nicht ändern. Jedes Instrument, das auf einen importgetriebenen Preisverfall wirken kann, ob Überprüfung von Schutzmaßnahmen, striktere Importüberwachung oder Anpassung von Präferenzregelungen, wird auf EU-Ebene entschieden. Die Wahl des Ortes zeigt bereits, welchen Hebel die Organisation für wirksam hält.
Was offen bleibt
Die Angaben zum Vorstoß sind knapp. Mehrere Punkte entscheiden über seine Marktwirkung:
- der Bezugszeitraum, über den der Preisrückgang von 40 % ab Hof gemessen wurde;
- welche Instrumente Unión de Uniones konkret von der Europäischen Union verlangt;
- Herkunft und Menge des importierten Reises, auf den die Organisation verweist;
- ob Erzeugerverbände anderer Reisanbauregionen der EU dieselbe Forderung erheben.
Bis das geklärt ist, bleibt der Erzeugerpreis selbst die entscheidende Kennzahl. Er bestimmt, ob die spanische Reisfläche in der nächsten Kampagne gehalten oder reduziert wird, und er ist die Zahl, die die Organisation nun der Europäischen Union vorgelegt hat.