Spanien weitet Rauchverbot auf Terrassen, Strände und öffentliche Bereiche aus
Spaniens Regierung hat einen Gesetzentwurf gebilligt, der Rauchen und Dampfen auf Gastronomieterrassen, an Stränden, in Verkehrsstationen und weiteren Außenbereichen verbieten soll. E-Zigaretten würden herkömmlichem Tabak gleichgestellt, während Gastronomie, Tourismus und Transportwirtschaft vor Kosten und praktischen Problemen warnen.
Rauchverbot erfasst weitere Außenbereiche
Der spanische Ministerrat hat den Entwurf für eine Reform des Tabakgesetzes gebilligt, die rauchfreie Bereiche deutlich ausweiten und E-Zigaretten denselben Regeln wie herkömmlichen Tabak unterwerfen soll. Laut laSexta will die Regierung den Entwurf im September dem Kongress zuleiten, damit er noch vor dem Ende der laufenden Legislaturperiode in Kraft treten kann. Die Vorlage aktualisiert die seit 2005 geltenden Vorschriften und ist Teil des Gesamtplans zur Prävention und Kontrolle des Tabakkonsums 2024-2027.
Rauchen und Dampfen sollen auf den Terrassen von Bars, Restaurants und Cafés verboten werden, auch wenn diese vollständig offen sind. Auch Strände fallen unter die geplanten Beschränkungen. Innerhalb von 15 Metern um Gesundheits-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen sowie auf Spielplätzen, in Sportanlagen, an Verkehrsstationen und bei Veranstaltungen im Freien soll ebenfalls nicht mehr geraucht werden dürfen. Als Arbeitsplätze geltende Fahrzeuge wären einbezogen; nach Angaben von laSexta soll die private Nutzung jedoch ausgenommen sein.
Das Gesundheitsministerium begründet die Ausweitung mit einem besseren Schutz vor Passivrauch und dem Ziel, Rauchen im öffentlichen Raum weniger selbstverständlich erscheinen zu lassen. Bei einer Zustimmung des Kongresses wäre die Reform Spaniens größte Erweiterung rauchfreier Zonen seit dem Rauchverbot in Innenräumen von Bars.
E-Zigaretten fallen unter die Tabakregeln
Die für herkömmliche Zigaretten geltenden Beschränkungen sollen auch auf E-Zigaretten ohne Nikotin angewandt werden. Erfasst werden zudem Tabakerhitzer und pflanzliche Produkte zum Rauchen, Verdampfen oder Inhalieren. Heraldo berichtet, dass charakteristische Aromen für E-Zigaretten verboten würden und nur Tabakgeschmack zulässig bliebe. Die Regeln für Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring sollen außerdem auf digitale Kanäle ausgeweitet werden.
Nikotinbeutel gehören zur breiteren Kategorie regulierter Produkte. Regierungsquellen erklärten laSexta jedoch, dass das Konsumverbot auf Terrassen für sie nicht gelten solle, weil sie keinen Umgebungsrauch erzeugen. Diese Unterscheidung dürfte beeinflussen, wie Händler, Hersteller und Gastronomen die Regeln bei unterschiedlichen Nikotinprodukten umsetzen.
Der Entwurf verbietet Personen unter 18 Jahren ausdrücklich den Konsum von Tabak und verwandten Produkten. Bisher waren Verkauf und Abgabe an Minderjährige untersagt, nicht aber der Konsum selbst sanktionierbar. Bei der möglichen Strafe weichen die Berichte voneinander ab: Heraldo nennt ein von Eltern oder gesetzlichen Vertretern zu zahlendes Bußgeld von 100 €, während laSexta von bis zu 600 € und möglicher gemeinnütziger Arbeit berichtet. Laut der spanischen Erhebung ESTUDES 2025 rauchten 4,3 % der 14- bis 18-Jährigen täglich, der niedrigste Wert seit Beginn der Reihe 1994. In den vorangegangenen 30 Tagen hatten jedoch 15,5 % Tabak konsumiert.
Gastronomie und Transportbranche widersprechen
Gastronomieverbände argumentieren, dass ein Terrassenverbot den Konsum nicht beseitigen, sondern Gäste auf angrenzende Gehwege verdrängen werde. Hostelería de España bezeichnete die Maßnahme als unverhältnismäßig und warnte vor zusätzlichem Lärm, Abfall und Konflikten zwischen Personal und Gästen. Tourismusverbände, darunter der Verband der Gastronomie- und Tourismusunternehmen von Las Palmas, befürchten eine geringere Attraktivität spanischer Reiseziele für manche britische, deutsche und französische Gäste. Schätzungen zu möglichen Besucher- oder Umsatzverlusten enthalten die Quellen jedoch nicht.
Berufsverbände des Transportgewerbes wenden sich zudem gegen das Verbot in Arbeitsfahrzeugen, wenn der Fahrer allein unterwegs ist. FENADISMER argumentiert, ein Rauchverbot während langer Fahrten könne bei gewohnheitsmäßigen Rauchern Angst oder Konzentrationsprobleme auslösen, und fordert eine Ausnahme für Alleinfahrer. Der spanische Verbraucherverband verlangt separat, das Terrassenverbot und die Haftung der Eltern zu streichen. Diese Einwände werden nun die Parlamentsdebatte über ein Gesetz prägen, das Gastronomie, Tourismus, Transportunternehmen sowie Anbieter von Tabak- und Dampfprodukten betrifft.
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