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Spanien plant 0,10 Euro Pfand auf Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons

Spanien plant ein Pfand von 0,10 Euro auf Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons bis drei Liter. Das Rücknahmesystem soll vorläufig im November 2026 starten und bringt neue Kennzeichnungs-, Rücknahme- und Erstattungspflichten.

Spanien plant 0,10 Euro Pfand auf Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons

Verfehlte Sammelquote löst Pfandsystem aus

Spanien plant ein Pfand von 0,10 Euro auf Getränke in Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons mit einem Volumen von bis zu drei Litern. Nach Angaben von Diario Sur soll das in Spanien als SDDR bezeichnete Pfand-, Rückgabe- und Erstattungssystem vorläufig im November 2026 in Betrieb gehen. Einzelne Details der Umsetzung sind allerdings noch nicht abschließend festgelegt.

Auslöser ist, dass Spanien das Ziel der Europäischen Union für die getrennte Sammlung von Einweg-Plastikflaschen bis drei Liter verfehlt hat. Für 2023 galt eine Quote von 70%, tatsächlich erreichte das Land laut den von Diario Sur zitierten Daten des Ministeriums für den ökologischen Wandel 42,3%. Damit wurde eine Bestimmung des Königlichen Dekrets 1055/2022 über Verpackungen und Verpackungsabfälle aktiviert, das das Abfallgesetz 7/2022 umsetzt. Das System soll Spanien dem EU-Ziel näherbringen, bis 2029 insgesamt 90% der Plastikflaschen getrennt zu sammeln.

Das Pfand läuft durch die gesamte Lieferkette

Hersteller, Händler und Geschäfte müssen das Pfand beim Verkauf der erfassten Produkte berechnen. Der Betrag wird durch sämtliche Stufen der Handelskette bis zum Endkunden weitergegeben. Die Regel gilt für Einkäufe im stationären Handel, im Internet und an Verkaufsautomaten. Das Pfand für jeden einzelnen Behälter muss auf der Endabrechnung erscheinen.

Für eine Sechserpackung Milchkartons wären damit insgesamt 0,60 Euro zu zahlen, jeweils 0,10 Euro pro Karton. Betroffene Verpackungen müssen mit einem Symbol oder dem spanischen Wort „retornable“ eindeutig gekennzeichnet werden. Marken benötigen außerdem einen eigenen EAN-Strichcode für Spanien oder einen QR-Code für Produkte, die im spanischen System verkauft werden. Für Getränkehersteller und Verpackungslieferanten bedeutet das Anpassungen bei Verpackungsgestaltung, Produktregistrierung und Bestandsführung.

Händler übernehmen Rücknahme und Erstattung

Verbraucher erhalten ihr Pfand zurück, wenn sie den leeren Behälter in einem akzeptablen Zustand abgeben. Bei strukturellen Schäden, Rissen, starker Verformung, extremer Verschmutzung, anhaltendem Geruch, physischen Veränderungen oder einem unlesbaren beziehungsweise entfernten Strichcode muss das Geschäft die Verpackung zwar zum Recycling behalten, das Pfand aber nicht erstatten. Übliche Getränkereste sowie leichte Quetschungen oder Dellen dürfen kein Ablehnungsgrund sein. Die Vorgaben verlangen verhältnismäßige Erhaltungsbedingungen, die eine Rückgabe nicht unattraktiv machen.

Die Verpackung muss nicht zwingend dort zurückgegeben werden, wo sie gekauft wurde. Ein Geschäft muss Behälter von Produkten, Formaten oder Marken annehmen, die es selbst führt. Diese Einschränkung soll kleine Händler schützen. Ein Geschäft, das beispielsweise nur Wasserflaschen mit 500 Millilitern verkauft, muss keinen Drei-Liter-Behälter annehmen. Supermärkte und große Einkaufszentren dürften deshalb eine breitere Auswahl an Rückgaben bearbeiten.

Erstattungswege sind noch nicht endgültig geregelt

In anderen europäischen Märkten werden Rücknahmeautomaten eingesetzt, die den Strichcode scannen und einen Bon oder Gutschein über den angesammelten Pfandbetrag ausgeben. Laut Diario Sur hat Spanien noch nicht alle operativen Einzelheiten festgelegt. Mögliche Erstattungswege nach Vorbild anderer Länder sind Bargeld an der Kasse, eine Verrechnung mit einem weiteren Einkauf, eine Gutschrift auf dem Kundenkonto des Supermarkts, eine Zahlung auf die Bankkarte sowie eine Erstattung über Bizum oder eine digitale Geldbörse.

Herstellern und Händlern bleibt damit nur begrenzte Zeit, um Kennzeichnungen, spanienbezogene Produktcodes, Annahmestellen, Arbeitsabläufe für Beschäftigte und die Erstattungsinfrastruktur vorzubereiten. Verbraucher zahlen beim Einkauf zunächst mehr, können das Pfand durch die Rückgabe geeigneter Behälter aber vollständig zurückerhalten. Die wirtschaftlichen Folgen hängen von den endgültigen Regeln ab, vor allem von der Abwicklung der Rückgaben und der Verteilung von Pflichten und Kosten zwischen Herstellern, Vertrieb und Handel.

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