Spanien plant bis 2027 eine Batteriespeicherleistung von 7,1 GW
Spanien will 2027 Batteriespeicher mit knapp 7,1 GW ans Netz bringen, verglichen mit derzeit nur 260 MW. Fördermittel und ein geplanter Kapazitätsmarkt könnten die Finanzierung erleichtern, doch Großanlagen erzielen geringere Erlöse mit Systemdienstleistungen.
Batterieleistung nähert sich der Nennleistung des Atomparks
Spanien bereitet einen starken Ausbau großer Batteriespeicher vor. Im Jahr 2027 sollen laut El Confidencial Digital knapp 7,1 GW ans Netz gehen. Das entspräche der gemeinsamen Nennleistung der sieben aktiven Kernreaktoren des Landes, obwohl beide Technologien grundverschiedene Aufgaben erfüllen. Kernkraftwerke erzeugen kontinuierlich Strom, während Batterien andernorts produzierte Energie speichern und bei höherer Nachfrage oder höheren Preisen wieder abgeben.
Der geplante Zuwachs ist gegenüber den heute installierten rund 260 MW erheblich. Die im spanischen Staatsanzeiger veröffentlichte offizielle Planung enthält Projekte mit 6,4 GW, deren Anträge genehmigt wurden. Weitere 3,9 GW wurden bis 2029 angekündigt. Die Projektpipeline ist damit umfangreich, doch weder eine Genehmigung noch eine Ankündigung garantiert Finanzierung, Bau und fristgerechte Inbetriebnahme.
Fördermittel und Kapazitätszahlungen stützen Investitionen
Pablo Martínez, Spanien-Chef von Modo Energy, bezeichnete die Umsetzung der offiziellen Pipeline von 6,4 GW in betriebsbereite Anlagen als größte Hürde, weil die Finanzierung noch nicht vollständig geklärt ist. Das spanische Ministerium für den ökologischen Wandel hat 818,3 Millionen € aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung für 126 Projekte bereitgestellt. Die Förderung unterstützt 2,2 GW Leistung und 9,4 GWh Speicherkapazität und senkt damit den anfänglichen Kapitalbedarf ausgewählter Vorhaben.
Ein separater Kapazitätsmarkt soll Erzeuger, Speicher und flexible Nachfrage für ihre Verfügbarkeit in kritischen Netzsituationen vergüten. Für den Mechanismus sind zwischen 2026 und 2036 bis zu 9 Milliarden € vorgesehen. Vertraglich gesicherte Verfügbarkeitszahlungen könnten für Batterieentwickler und Kreditgeber die schwankenden Erlöse aus Großhandel und Systemdienstleistungen ergänzen. Das würde die Fremdfinanzierung und endgültige Investitionsentscheidungen erleichtern.
Die Investitionswirkung kann über eigenständige Batteriespeicher hinausgehen. Hybridprojekte aus Speichern und Solar- oder Windkraft können bei niedriger Nachfrage laden, die Abregelung erneuerbarer Erzeugung reduzieren und zu Spitzenzeiten entladen. Dadurch kann sich die Wirtschaftlichkeit bestehender und neuer Erneuerbaren-Anlagen verbessern, während mehr Solarstrom vom Tag in die Abendstunden verschoben wird. Bau und Betrieb schaffen außerdem wirtschaftliche Aktivität im Inland, wobei die Quelle keine Angaben zu Beschäftigung oder Gesamtinvestitionen macht.
Große Anlagen stehen vor einem Erlösproblem
Die Erlösaussichten unterscheiden sich deutlich nach Projektgröße. Ein aktueller Bericht von Ember zeigt, dass Vier-Stunden-Batterien mit einer Kombination aus Day-Ahead-Handel und Systemdienstleistungen relevante Einnahmen erzielen können. Begrenzte Liquidität verringert jedoch die Chancen sehr großer Anlagen im Systemdienstleistungsmarkt. Laut Bericht könnte ein Projekt mit 500 MW außerhalb des Day-Ahead-Marktes 72 % weniger erlösen als eine Anlage mit 5 MW.
Für Spaniens größte geplante Batterieparks ist dieser Unterschied entscheidend. Mehrere zusätzliche Gigawatt werden um dieselben Preisspannen und denselben Bedarf an Ausgleichsleistungen konkurrieren, sodass die Renditen mit wachsender Marktdichte sinken könnten. Entwickler benötigen deshalb einen Mix aus Day-Ahead-Arbitrage, Systemdienstleistungen, Kapazitätszahlungen und staatlicher Förderung. Werden Finanzierung und Bau umgesetzt, können Batterien das spanische Stromsystem flexibler machen und die Abregelung erneuerbarer Energien verringern. Der Vergleich von 7,1 GW mit der Kernkraft betrifft allerdings nur die installierte Leistung, nicht die Stromerzeugung, Betriebsdauer oder Jahresproduktion.