Spanien passt Antibiotikapackungen an übliche Behandlungsdauer an
Spaniens Arzneimittelbehörde passt die Packungsgrößen bestimmter Antibiotika an die Dauer häufiger Behandlungen an. Neue Packungen mit 20 Tabletten sollen Restbestände in Haushalten, Selbstmedikation und Risiken durch antimikrobielle Resistenzen verringern.
AEMPS beginnt mit der Anpassung von Antibiotikapackungen
Die spanische Agentur für Arzneimittel und Medizinprodukte AEMPS hat damit begonnen, die Packungsgrößen bestimmter Antibiotika an die tatsächliche Dauer gängiger Behandlungen anzupassen. Nach Angaben von COPE enthalten die neuen Packungen 20 Tabletten. Damit sollen ungenutzte Dosen in spanischen Haushalten und die mit Selbstmedikation verbundenen Risiken reduziert werden.
Einige bisherige Packungen enthielten mehr Einheiten, als für ein Standardschema von sieben Tagen mit drei Einnahmen täglich erforderlich waren. Die überarbeiteten Formate sollen die verordnete Menge bereitstellen und Tabletten ausschließen, die nach klinischen Studien nicht benötigt werden. Der Bericht nennt weder alle betroffenen Antibiotika noch einen Zeitplan oder eine Verpflichtung aller Hersteller zur gleichzeitigen Umstellung.
Lieferanten und Apotheken müssen Packungsgrößen umstellen
Für Pharmaunternehmen betrifft die Maßnahme die Präsentation der jeweiligen Produkte, nicht deren Wirkstoffe. Hersteller und Verpackungsbetriebe müssen mit der Einführung möglicherweise Produktionsläufe, Verpackungsmaterialien und Bestände an die neuen Mengen anpassen. Großhändler und Apotheken müssen zudem den Übergang von bisherigen Packungen zu den neuen Formaten mit 20 Tabletten steuern, ohne bei Patienten Unklarheit über die verordnete Therapie zu erzeugen.
Die Änderung rückt die Abgabe einer zur jeweiligen Verordnung passenden Menge stärker in den Mittelpunkt. Zugleich gewinnt die Beratung durch Apotheker an Bedeutung: Sie müssen erklären, dass übrig gebliebene Antibiotika nicht für eine spätere Erkrankung aufbewahrt werden sollten. Julián Navas vom Arzneimittelinformationszentrum der offiziellen Apothekerkammer von Valencia sagte gegenüber COPE, Apotheker wachten über den verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten. Nicht verwendete Arzneimittel sollten an SIGRE-Sammelstellen in Apotheken abgegeben werden.
Resistenzrisiken treiben die Maßnahme an
COPE bezeichnete bakterielle Resistenzen als eine der großen weltweiten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit und brachte resistente Bakterien mit rund 35.000 Todesfällen pro Jahr in Verbindung. Bei falscher Anwendung von Antibiotika können sich Mikroorganismen anpassen und grundsätzlich beherrschbare Erkrankungen zu schweren Infektionen werden. Besondere Sorge bereiten E. coli, Klebsiella pneumoniae und der Erreger der Gonorrhö, von dem bereits gegen herkömmliche Behandlungen resistente Stämme existieren.
Zu den im Bericht genannten wiederkehrenden Problemen gehören Selbstmedikation, die Nichtbeachtung verordneter Einnahmepläne und der Einsatz von Antibiotika gegen virale Erkrankungen wie Erkältungen oder Grippe. Medikamente wie Amoxicillin, Azithromycin und Ciprofloxacin greifen bakterielle Strukturen oder Prozesse an, darunter die Zellwand sowie die Synthese von Proteinen oder RNA. Gegen Viren sind diese Wirkmechanismen nicht wirksam.
Die Packungsreform ist Teil eines nationalen Plans
Die Initiative gehört zum spanischen Nationalen Plan gegen Antibiotikaresistenzen PRAN. Das Programm fördert außerdem eine strengere Kontrolle von Arzneimitteln für den veterinärmedizinischen Bereich. Mit einer besseren Abstimmung von Packungsinhalt und Behandlungsbedarf wollen die Behörden eine praktische Quelle überschüssiger Tabletten beseitigen, die später ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werden könnten.
Für Ärzte und Apotheken hängt der Erfolg weiterhin davon ab, dass Patienten die vorgegebene Dosis und Behandlungsdauer einhalten. Kleinere oder besser abgestimmte Packungen können Fehlanwendungen nicht allein verhindern, wohl aber die nach einer Therapie verbleibende Arzneimittelmenge verringern. Hersteller und Händler müssen nun sicherstellen, dass die neuen Packungen die Apotheken erreichen und Verordnungen, Bestandsführung und Patientenberatung aufeinander abgestimmt bleiben.
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