Netzengpass bremst Spaniens Erneuerbaren-Dividende – El Economista
Spanien hat eine der größten Erneuerbaren-Flotten Europas aufgebaut, kann diesen Strom laut El Economista aber nicht in neue Industrienachfrage, Investitionen, Wohnungen und Arbeitsplätze umwandeln. Grund ist ein Übertragungs- und Verteilnetz, das der Erzeugung weit hinterherhinkt, sodass Projekte ohne Netzanschluss festhängen.
Spaniens Erneuerbare stoßen an einen Netzengpass
Spanien hat eines der größten Volumina an erneuerbarer Erzeugung Europas errichtet, schafft es laut El Economista aber nicht, diesen sauberen Strom in neue Stromnachfrage, Industrieinvestitionen, Wohnungsbau und Beschäftigung umzuwandeln. Die spanische Zeitung beschreibt das Land als eine Erneuerbaren-Macht, die faktisch „abgekoppelt" ist: auf der einen Seite reichlich Erzeugung, auf der anderen ein Netz, das sie weder transportieren noch aufnehmen kann.
Kapazität eilt dem Netz voraus
Das Ungleichgewicht besteht, wie El Economista es darstellt, im Tempo, mit dem Solar- und Windkapazität zugebaut wurde, gegenüber dem weit langsameren Ausbau des Übertragungs- und Verteilnetzes. Erneuerbare Anlagen lassen sich vergleichsweise schnell genehmigen und errichten, während Hochspannungsleitungen, Umspannwerke und Netzertüchtigungen deutlich länger dauern. Das Ergebnis ist ein System mit reichlich installierter Leistung, aber zu wenigen Anschlüssen, um den Strom dorthin zu bringen, wo neue Nachfrage entstehen würde. Die Erzeugung ist den Leitungen vorausgeeilt, die sie tragen sollen.
Investitionen und Wohnbau gebremst
Laut El Economista bremst die fehlende Netzkapazität Investitionen unmittelbar. Neue Industrieprojekte und Wohnbauvorhaben brauchen gesicherte Netzanschlüsse, bevor sie starten können. Wo diese Anschlüsse nicht verfügbar sind oder lange Wartezeiten haben, stocken die Projekte – und mit ihnen die Industrienachfrage, die Bautätigkeit und die Arbeitsplätze, die die Energiewende freisetzen sollte. Die zentrale These der Zeitung: Billiger Ökostrom allein führt nicht zu Wachstum, wenn das Netz ihn nicht zu den Nutzern bringt. Ein Überschuss an sauberen Megawatt liegt brach, wenn keine angeschlossene Nachfrage sie verbraucht.
Warum das für Industrie und Handel zählt
Für Importeure, Exporteure und Industrieplaner ist der spanische Fall eine Erinnerung daran, dass Erzeugungskapazität nicht dasselbe ist wie nutzbare Energie. Ein Land kann bei installierten Erneuerbaren führen und trotzdem nicht die energieintensive Fertigung, Verarbeitung und Bautätigkeit anziehen, die diesen Vorsprung zu Geld machen würde. Die bindende Beschränkung verschiebt sich von der Stromerzeugung zum Netzanschluss – von Turbinen und Modulen hin zu Leitungen, Transformatoren und Umspannwerken. Unternehmen, die über den Standort energiehungriger Anlagen entscheiden, schauen nicht nur auf den Strompreis, sondern darauf, ob und wann sie sich physisch anschließen können.
Der Bericht von El Economista weist die Netzinfrastruktur als die entscheidende Variable dafür aus, ob Spaniens Erneuerbaren-Vorsprung zum wirtschaftlichen Vorteil wird. Solange das Übertragungs- und Verteilnetz die Erzeugung nicht einholt, riskiert das Land, mehr sauberen Strom zu produzieren, als seine Wirtschaft derzeit nutzen kann, während die daran gebundenen Investitionen, Wohnungen und Arbeitsplätze unerreichbar bleiben. Der Fall dient als warnendes Beispiel für andere Volkswirtschaften, die auf energiegetriebenes Wachstum setzen: Erzeugung aufzubauen ist nur der erste Schritt, und ohne passendes Netz bleibt die versprochene Dividende aus.