Compass Lexecon: Spanien droht ab 2028 ein Leistungsdefizit — auch bei Laufzeitverlängerung von Almaraz
Spanien benötigt ab 2028 zusätzliche Kraftwerksleistung, selbst wenn die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Almaraz weiterlaufen. Das geht aus einem Bericht von Compass Lexecon hervor, auf den sich El Economista beruft: Der Beitrag der Laufzeitverlängerung wurde berechnet und für nicht ausreichend befunden. Die Größe des Defizits nennt die veröffentlichte Zusammenfassung nicht.
Eine Verlängerung, die die Lücke nicht schließt
Spanien wird ab 2028 zusätzliche elektrische Leistung benötigen, selbst wenn die beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Almaraz weiter am Netz bleiben. Das geht aus einem Bericht der Beratungsgesellschaft Compass Lexecon hervor, auf den sich die spanische Wirtschaftszeitung El Economista beruft. Damit erhält die Versorgungslücke ein Datum, das der Weiterbetrieb der Anlage allein nicht aufhebt.
Die Berater haben berechnet, welchen Beitrag eine Laufzeitverlängerung von Almaraz zum spanischen System leisten würde, und kommen zu dem Schluss, dass dieser Beitrag den künftigen Bedarf des Systems nicht deckt, so El Economista. In der Analyse erscheint die Verlängerung als Teilantwort: Sie verkleinert das Problem, löst es aber nicht.
Almaraz ist ein Standort mit zwei Blöcken, und die öffentliche Debatte über seine Zukunft verlief bislang im Wesentlichen binär — Weiterbetrieb oder Stilllegung. Die Rechnung von Compass Lexecon verschiebt die Fragestellung: Es geht nicht mehr allein um das Schicksal der Anlage, sondern darum, wie viel zusätzliche Leistung Spanien unabhängig davon ans Netz bringen muss.
Leistung ist nicht gleich Arbeit
Diese Unterscheidung bestimmt, wie das Ergebnis zu lesen ist. Angemessenheitsanalysen messen gesicherte Leistung — Megawatt, die in den Stunden höchster Systembelastung verfügbar sind — und nicht die Jahresarbeit in Megawattstunden. Ein System kann über das Jahr komfortabel versorgt sein und in der Spitzenlast dennoch knapp werden.
Deshalb fällt ein einzelner großer Grundlastblock in diesen Stunden überproportional ins Gewicht — und deshalb schließt sein Weiterbetrieb eine Angemessenheitslücke nicht automatisch. Die Größe der Lücke hängt vom Nachfragewachstum ab, vom Umfang der Stilllegungen im Bestand und davon, welcher Anteil der neu zugebauten Leistung regelbar und nicht fluktuierend ist.
Was die veröffentlichte Zusammenfassung offenlässt
Die veröffentlichte Darstellung der Arbeit von Compass Lexecon lässt mehrere Parameter offen. Wer die kommerzielle Chance bewerten will, braucht genau diese Zahlen:
- die Größe des Defizits in Megawatt und seine Entwicklung nach 2028
- die zugrunde liegenden Nachfrageannahmen, einschließlich Elektrifizierung und neuer Industrielast
- die Behandlung von Speichern, Lastmanagement und grenzüberschreitenden Kuppelleitungen
- welche Technologien die Lücke füllen sollen und zu welchen Kosten
- wer die Studie in Auftrag gegeben hat
Vorlaufzeiten machen 2028 zu einem nahen Datum
Für die Stromwirtschaft liegt 2028 nicht in der Ferne. Genehmigungen, Netzanschluss, Beschaffung und Bau regelbarer Kraftwerke und großer Speicher dauern Jahre, und die Investitionsentscheidungen für dieses Datum fallen jetzt. Die Aussage, dass die Lücke ab 2028 aufgeht, betrifft damit den laufenden Investitionszyklus und nicht eine ferne Prognose.
Für Erzeuger, Projektentwickler, Industriekunden und Investoren in spanische Anlagen lautet die praktische Frage, welcher Mechanismus die fehlende Leistung bezahlt. Antwort und Zeitplan entscheiden darüber, ob das von Compass Lexecon ermittelte Defizit durch Neubau, durch Importe über die Kuppelleitungen oder durch höhere Preise in Stunden angespannter Systemlage gedeckt wird.