Spaniens Baustoffsektor gewinnt durch höhere Zementnachfrage und Exporte an Dynamik
Spaniens Baustoffexporte stiegen von Januar bis Mai 2026 um 3,5 % auf 11,8117 Milliarden €. Der Zementverbrauch legte im ersten Halbjahr um 7,5 % zu, doch Energiekosten und rückläufige Neubauverkäufe bleiben Belastungsfaktoren.
Exporte kehren auf Wachstumskurs zurück
Spaniens Baustoffindustrie zeigte im ersten Halbjahr 2026 breitere Erholungstendenzen, getragen von höheren Exporten, steigender Beschäftigung und einer stärkeren Inlandsnachfrage. Caloryfrio berichtet unter Berufung auf den im Juli veröffentlichten Konjunkturbericht des spanischen Verbands CEPCO, dass die Ausfuhren von Baustoffen und Bauprodukten in den ersten fünf Monaten um 3,5 % gegenüber dem Vorjahr zunahmen. Damit kehrte sich die Schwäche um, die weite Teile des Jahres 2025 geprägt hatte.
Von Januar bis Mai erreichten die Exporte einen Wert von 11,8117 Milliarden €. Die Einfuhren stiegen um 4 %, sodass der Handelsüberschuss mit 1,44 Milliarden € nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr blieb. Preisbereinigt wuchs das Exportvolumen jedoch lediglich um 0,6 %, während das Importvolumen um 1,1 % zulegte. Die Erholung des realen Außenhandels blieb somit moderat.
Zwischen den Produktgruppen bestanden deutliche Unterschiede. Keramikfliesen erzielten Exporte von 1,4067 Milliarden € und einen Handelsüberschuss von 1,357 Milliarden €. Bei Metallkonstruktionen standen Ausfuhren von 969 Millionen € und ein Überschuss von 566 Millionen € zu Buche, bei Steinprodukten 253,6 Millionen € beziehungsweise 212 Millionen €. Andere Beton-, Gips- und Zementwaren kamen auf einen Überschuss von fast 197 Millionen €. Chemische Produkte verzeichneten dagegen ein Defizit von 1,128 Milliarden €, Rohre, Armaturen, Ventile und zugehörige Ausrüstung eines von 468,6 Millionen €.
Zementverbrauch und Industrieproduktion ziehen an
Der inländische Zementverbrauch erreichte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 8,25 Millionen Tonnen. Das waren 7,5 % beziehungsweise 576.796 Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juni wurden 1,37 Millionen Tonnen verbraucht, ein Plus von 5,5 %. Trotz dieser Entwicklung senkte der Branchenverband Oficemen seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auf 2 % und erwartet einen Verbrauch von annähernd 17 Millionen Tonnen. Nach Einschätzung der Industrie reicht dieses Volumen nicht aus, um den Bedarf bei Wohnungsbau, Sanierung und Infrastruktur zu decken.
Auch die Produktion von Transportbeton nahm im ersten Quartal zu, obwohl starke Niederschläge zahlreiche Baustellen ausbremsten. Das Segment wächst inzwischen seit dreizehn Quartalen in Folge. Der Verbrauch von Betonfertigteilen stieg 2025 um 8 %, wobei die Valencianische Gemeinschaft, Kantabrien und Navarra die stärksten regionalen Zuwächse verzeichneten. Dies unterstreicht die wachsende Nutzung industrialisierter Bauverfahren.
Der Verbrauch von Bauzuschlagstoffen erhöhte sich 2025 um 8,1 % auf 177,6 Millionen Tonnen. Darunter waren 7 Millionen Tonnen Recycling- und 2,5 Millionen Tonnen künstliche Zuschlagstoffe. Werden Nebenprodukte anderer Rohstoffbranchen einbezogen, stammten 6,7 % des Verbrauchs nicht aus natürlichen Lagerstätten. Die Produktion gebrannter Ziegel und Dachziegel nahm um 4,6 % auf 5,7 Millionen Tonnen zu, während der Branchenumsatz um 5 % auf 755 Millionen € stieg.
Mehr Beschäftigung, aber weiterhin Kostenrisiken
Das Erwerbspersonenpotenzial der Baustoffindustrie überschritt im zweiten Quartal 2026 die Marke von 432.000 Menschen und lag damit 3,4 % über dem Vorquartal. Die Zahl der Beschäftigten erreichte 409.279, während 23.147 Menschen arbeitslos waren. Daraus ergab sich eine Arbeitslosenquote von 5,7 %, verglichen mit 9,9 % in der spanischen Gesamtwirtschaft. Auf den Sektor entfielen 1,8 % der landesweiten Beschäftigung und 13,2 % der spanischen Industriearbeitsplätze.
Auch die Industriedaten stützten das positivere Bild. Der saison- und kalenderbereinigte Industrieproduktionsindex Spaniens stieg im Mai um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr. Die Chemieproduktion legte um 14,4 % zu, die Herstellung elektrischer Ausrüstungen um 9,9 %. Sowohl die Rohstoffgewinnung als auch die Herstellung von Metallerzeugnissen wuchsen um 6,3 %. Der Markt für Mineralwolle entwickelte sich 2025 ebenfalls günstig, gestützt durch energetische Sanierungen und Maßnahmen zur Senkung des Heiz- und Kühlbedarfs.
Energiekosten und die Entwicklung des Wohnungsmarkts könnten die Erholung weiterhin begrenzen. Die industriellen Erzeugerpreise lagen im Juni 7 % über dem Vorjahresniveau; fast die Hälfte des gesamten Anstiegs ging auf Energie zurück. Besonders betroffen sind Hersteller von Zement, Keramik, Glas, Dämmstoffen und Metallerzeugnissen. Gleichzeitig sanken die Verkäufe neuer Wohnungen im Mai um 4,7 %, obwohl die vorangegangenen zwölf Monate noch ein Plus von 1,6 % auswiesen. Die Umsetzung geplanter Investitionen, die Energiepreise und die Wohnungsnachfrage werden über die Fortsetzung des Aufschwungs im zweiten Halbjahr entscheiden.
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