← Zurück zu den Nachrichten

Solarstrom und Batterien federn Ausfall von Cernavodă-Reaktor 2 in Rumänien ab

Gespeicherter Solarstrom speiste nach der Abschaltung von Cernavodă-Block 2 fast 700 MW in Rumäniens Netz ein und half, die Abendspitze ohne größere Ungleichgewichte zu bewältigen. Am Folgetag lieferte Photovoltaik mehr als 50 % der nationalen Erzeugung, doch die plötzliche Verfügbarkeit der Speicher wirft Fragen zur bisherigen Importabhängigkeit auf.

Solarstrom und Batterien federn Ausfall von Cernavodă-Reaktor 2 in Rumänien ab

Gespeicherter Solarstrom ersetzt Kernkraftleistung

Rumänien hielt sein Stromsystem während der Abendspitze am Donnerstag stabil, nachdem Block 2 des Kernkraftwerks Cernavodă wegen des niedrigen Wasserstands der Donau abgeschaltet worden war. Adevărul berichtete, dass zwischen 21:00 und 22:00 fast 700 MW gespeicherter Photovoltaikstrom ins Netz flossen. Das entsprach in etwa der Leistung des Reaktors; größere Systemungleichgewichte wurden nicht verzeichnet.

Haushalte und Unternehmen mit eigenen Speichersystemen spielten laut der Publikation eine wesentliche Rolle beim Ausgleich des Defizits. Der Einsatz zeigte, dass dezentrale Solaranlagen und Batterien das nationale Netz auch nach Sonnenuntergang stützen können. Dann erzeugen die Module nicht mehr direkt, und der Bedarf muss aus regelbarer Erzeugung, Speichern oder Importen gedeckt werden.

Der hohe Solaranteil setzte sich am Freitag fort. Photovoltaik wurde zur größten Stromquelle Rumäniens und stellte mehr als 50 % der nationalen Erzeugung. Von Adevărul zitierte Daten des Netzbetreibers Transelectrica wiesen eine gesamte inländische Erzeugung von rund 5.541 MW aus. Das System verzeichnete einen Nettoüberschuss und konnte trotz des erst am Vortag erfolgten Ausfalls von Block 2 Strom an ausländische Märkte liefern.

Plötzlicher Batterieeinsatz wirft Fragen auf

Die Einspeisung von fast 700 MW aus Batterien stand im Gegensatz zu den vorherigen Tagen. Rumänien hatte damals täglich mehr als 2.000 MW importiert, um den abendlichen Verbrauch zu decken. Eugenia Gusilov, Gründerin des Romania Energy Center, nannte gegenüber Adevărul zwei mögliche Erklärungen. Die Regulierungsbehörde ANRE könnte nach Ausrufung des Alarmzustands Ende Juli Speicherprojekte beschleunigt genehmigt haben. Alternativ waren die Kapazitäten bereits installiert, blieben aber bis zum Reaktorstopp inaktiv oder ohne Netzanschluss.

Zur Klärung müsste ANRE laut Gusilov offenlegen, ob Ende Juli oder Anfang August Speicherprojekte genehmigt wurden. Transelectrica könnte außerdem neu angeschlossene Batterieparks und deren tatsächlichen Lieferbeginn benennen. Falls zuletzt keine erheblichen Kapazitäten hinzukamen, waren bereits installierte Anlagen zuvor offenbar nicht in Betrieb.

Für Stromabnehmer und Händler ist dies relevant, weil ein früherer Speichereinsatz zumindest einen Teil des Importbedarfs hätte vermeiden können. Zugleich entstehen Fragen zu Anschlussverfahren, Dispatch-Anreizen und der Erfassung dezentraler Batterien. Solche flexiblen Ressourcen sind besonders wertvoll, wenn Kernkraft-, Wasser- oder Wärmekraftwerke eingeschränkt sind.

Wasserkraft dominiert den Regelenergiemarkt

Gusilov führte Rumäniens langsamen Ausbau alternativer Speicher teilweise auf die Stellung der staatlich kontrollierten Hidroelectrica zurück. Ihren Angaben zufolge hält das Unternehmen zwischen 80 % und 96 % des Regelenergiemarktes und zahlt erhebliche Dividenden an den rumänischen Staat. Bei günstiger Wasserführung funktionierte das Modell, doch Dürre und sinkende Wasserkrafterzeugung legen seine Schwächen offen.

Ministerpräsident Ilie Bolojan sagte kürzlich, Hidroelectrica müsse in Speicherkapazität investieren. Dabei muss es nicht nur um Batterien gehen. Das geplante Pumpspeicherkraftwerk Tarnița-Lăpuștești im Kreis Cluj soll rund 1.000 MW leisten. Überschussstrom würde Wasser in ein höheres Becken pumpen; bei steigender Nachfrage oder fallender erneuerbarer Erzeugung könnte es über Turbinen abgelassen werden.

Staatliche Erzeuger holen verspätet auf

Rumänien entwickelt außerdem acht Solarparks in Gemeinschaftsunternehmen von Complexul Energetic Oltenia und privaten Firmen. Die Vorhaben befinden sich in unterschiedlichen Bauphasen und gehören zu einem Restrukturierungsplan, der auch zwei neue Gaskraftwerke und einen teilweisen Ersatz der Kohlekapazität vorsieht.

Gusilov zufolge verpasste das Unternehmen den Solarboom von 2013-2015, weil es auf Kohle und staatliche Subventionen setzte. Nach dem Ende der Subventionen im Jahr 2020 begann es, in Gas und Solarenergie zu diversifizieren, gab die Kohleverstromung aber nicht vollständig auf. Der Ausfall von Block 2 testet nun praktisch, ob Rumänien seinen raschen Photovoltaikausbau mithilfe von Batterien, Pumpspeichern und klareren Regeln für Anschluss und Einsatz flexibler Anlagen in eine verlässliche Abendversorgung überführen kann.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.