Siziliens Hartweizenerzeuger bleiben in der Haushaltsänderung ohne zugesagte Hilfen
Siziliens Haushaltsänderung enthält trotz früherer Zusagen keine Mittel für den Getreidesektor. Hartweizen wird für weniger als 0,20 € je Kilogramm verkauft, während die Kosten steigen und Italiens Importabhängigkeit zunimmt.
Haushaltsänderung enthält keine Mittel für Getreide
Siziliens Hartweizensektor wartet weiter auf kurzfristige regionale Unterstützung. Die von der Regierung des Regionalpräsidenten Renato Schifani beschlossene Haushaltsänderung sieht keine Mittel für die Getreidewirtschaft vor. IlSicilia berichtet, die Regierung habe deren Aufnahme zuvor während der jüngsten Sitzungen der sizilianischen Regionalversammlung angekündigt und zugesichert.
Die Streichung trifft die Betriebe bei steigenden Produktionskosten, sinkender Rentabilität und Marktverwerfungen. Das aktuelle Haushaltspaket umfasst 221 Millionen €, könnte aber auf insgesamt 500 Millionen € anwachsen. Weitere 200 Millionen € sollen den Regionalabgeordneten zur Verfügung stehen, während 100 Millionen € unter der Kontrolle der Versammlung bleiben. Damit könnten Hilfen noch in das Gesetzgebungsverfahren aufgenommen werden; eine feste Zuweisung gibt es bislang jedoch nicht.
Dreijahresplan sieht 100 Millionen € vor
Ein separater, von Coldiretti angestoßener und von allen Fraktionsvorsitzenden der Regionalversammlung unterstützter Gesetzentwurf wird bereits im Ausschuss für produktive Tätigkeiten beraten. Den Vorsitz führt Gaspare Vitrano. Vorgesehen sind 50 Millionen € im Jahr 2026 für sofortige Ausgleichszahlungen an Landwirte, 30 Millionen € im Jahr 2027 und weitere 20 Millionen € im Jahr 2028.
Die späteren Mittel sollen die Wertschöpfungskette stärken, Qualitätszertifizierungen finanzieren und die Vermarktung von sizilianischem Hartweizen verbessern. Das Paket umfasst über drei Jahre 100 Millionen €, hat den in dieser Saison mit Verlust arbeitenden Erzeugern aber noch keine konkrete Hilfe gebracht.
Preis fällt unter 0,20 € je Kilogramm
Nach Angaben von IlSicilia wird sizilianischer Weizen für weniger als 0,20 € je Kilogramm verkauft. Coldiretti Sicilia bezeichnet das örtliche System der nachträglichen Preisfestsetzung als ein Kernproblem. Viele Erzeuger lagern ihr Getreide ein und warten auf bessere Notierungen. Das verringert das sofort verfügbare Angebot und begünstigt zusätzliche Importe. Gelangen die Lagerbestände später gebündelt auf den Markt, kann die Verkaufskonzentration die Preise und die Einkommen der Landwirte weiter drücken.
Confagricoltura zufolge arbeiten Betriebe, die in diesem Sommer Hartweizen ernten, mit Verlust. Der Druck betrifft neben den Höfen auch Lagerhalter, Verarbeiter und Teigwarenhersteller, die verlässliche Mengen mit zertifizierter Herkunft und Qualität benötigen. Importe erweitern zwar die Beschaffungsmöglichkeiten der Verarbeiter, erhöhen aber zugleich deren Abhängigkeit von internationalen Produktions-, Bestands- und Preisentwicklungen.
Italiens Selbstversorgung nimmt weiter ab
Daten des Studienzentrums von Confagricoltura zeigen, dass Italiens Hartweizenfläche zwischen 2012 und 2025 um 10 % zurückging. Der Selbstversorgungsgrad sank von 78 % auf 56,5 %. Für eine vollständige Versorgung aus heimischem Anbau wären mehr als 880.000 zusätzliche Hektar nötig. Italien bezieht inzwischen fast die Hälfte des zu Teigwaren verarbeiteten Hartweizens aus dem Ausland.
Für die Erzeuger könnte sich der Ausblick weiter verschlechtern. Verfügbare Schätzungen erwarten für 2026 ein höheres globales Hartweizenangebot und wachsende Weltbestände, was zusätzlichen Preisdruck auslösen könnte. Confagricoltura hält höhere Notierungen für italienisches Getreide für möglich, wenn dessen Qualität im Wert der im In- und Ausland verkauften Teigwaren berücksichtigt wird. Dafür brauchen sizilianische Erzeuger jedoch funktionierende Qualitätszertifizierungen, eine stärkere Stellung in der Wertschöpfungskette und kurzfristige Liquiditätshilfen. Bis die Regionalpolitiker Mittel zuweisen, bleibt das Paket ein gesetzgeberisches Versprechen und kein verfügbares Geld für die Betriebe.