Sibagro wird erster Schweinefleischexporteur im Kusbass: rund 300 Tonnen in drei Monaten
Der Schweinemastbetrieb Chistogorsky der Gruppe Sibagro ist das erste Unternehmen der russischen Region Kemerowo, das Schweinefleisch exportiert: In drei Monaten gingen rund 300 Tonnen gekühltes und gefrorenes Fleisch nach Kasachstan, Armenien und Kirgisistan. Der Betrieb produziert mehr als 57.000 Tonnen Schweinefleisch pro Jahr und deckt etwa 70 % des regionalen Bedarfs. Als nächstes stehen Ost- und Südostasien auf der Liste.
Der Schweinemastbetrieb Chistogorsky, Teil der Gruppe Sibagro, ist das erste Unternehmen der russischen Region Kemerowo, das Schweinefleisch ins Ausland liefert. Das berichtet sibirnews.ru unter Berufung auf die Pressestelle des Produzenten. Die erste Partie verließ das Land im Sommer, in drei Monaten verschiffte der Betrieb rund 300 Tonnen gekühltes und gefrorenes Fleisch.
Das Fleisch ging in drei Länder: Kasachstan, Armenien und Kirgisistan. Für Sibagro ist der Auslandsvertrieb ein neuer Absatzkanal, der vor dem Hintergrund steigender Produktion am Standort im Kusbass geöffnet wurde.
Erste Partien und Startmärkte
Gemessen an der Größe des Betriebs sind die Mengen bescheiden. Chistogorsky produziert mehr als 57.000 Tonnen Schweinefleisch pro Jahr, rund 300 Tonnen in drei Monaten entsprechen also etwa einem halben Prozent der Jahresproduktion. Alle drei Abnehmerländer gehören der Eurasischen Wirtschaftsunion an und bilden mit Russland einen gemeinsamen Zollraum. Für einen Erstexporteur ist das der kürzeste Weg – und die einzige Richtung, in die gekühltes Schweinefleisch per Lkw noch innerhalb der Haltbarkeitsfrist an den Markt kommt.
- Rund 300 Tonnen gekühltes und gefrorenes Schweinefleisch in drei Monaten
- Zielmärkte: Kasachstan, Armenien und Kirgisistan
- Jahresproduktion in Chistogorsky: mehr als 57.000 Tonnen Schweinefleisch
- Anteil am Schweinefleischbedarf der Region Kemerowo: etwa 70 %
Das Verhältnis von gekühlter zu gefrorener Ware wurde nicht offengelegt, Preise und Vertragswerte ebenfalls nicht veröffentlicht.
Modernisierte Produktionsbasis
Chistogorsky kam 2019 zu Sibagro, seither wurde der Standort umfassend modernisiert. Laut sibirnews.ru umfasste das eine eigene Mischfutteranlage und neue Produktionskapazitäten. Für einen sibirischen Produzenten ist das eigene Futterwerk entscheidend: Futter ist der größte Einzelkostenblock in der Schweinehaltung, und ein Standort tausende Kilometer vom nächsten Seehafen kann kaum zusätzlich Logistikkosten für zugekaufte Rationen tragen.
Derselbe Bericht verknüpft den Schritt in den Export direkt mit der wachsenden Produktion. Chistogorsky deckt bereits etwa 70 % des Schweinefleischbedarfs der Region Kemerowo, im Inland bleibt damit wenig Spielraum. Zusätzliche Mengen aus einem Betrieb mit einem solchen Marktanteil drücken entweder auf die regionalen Großhandelspreise oder müssen Abnehmer außerhalb finden – Export ist die Variante, die die heimischen Margen nicht verwässert.
Als nächstes Asien
Sibagro will über die Eurasische Wirtschaftsunion hinaus. Das Unternehmen plant Lieferungen nach Ost- und Südostasien und hat zuvor die Mongolei, Vietnam und die Philippinen als aussichtsreiche Richtungen genannt. Zudem erklärte es, in die Märkte Chinas und Südkoreas einsteigen zu wollen.
Das sind Märkte einer anderen Größenordnung. Der Schweinefleischhandel mit China und Südkorea hängt an veterinärrechtlichen Zugangsvereinbarungen zwischen den Behörden, nicht allein an kommerziellen Verhandlungen, und erfordert eine Zulassung jedes einzelnen Lieferbetriebs. Zeitpläne, Zielmengen oder den Stand der Genehmigungen für die genannten asiatischen Ziele nennt der Bericht nicht.
Der Kusbass im nationalen Exportbild
Im gesamten russischen Handel bleibt der regionale Agrarexport eine kleine Position. Auf den Kusbass entfallen 1,2 % des gesamten russischen Exports von Agrar- und Ernährungsgütern sowie 17 % der Agrarexporte des Föderationskreises Sibirien – so die von Gouverneur Ilya Seredyuk genannten Zahlen.
Die Region setzt auf eine weitere Ausweitung des Exports und den Ausbau der Agrarverarbeitung, berichtet sibirnews.ru. Für ein Gebiet, dessen Wirtschaft von der Kohle bestimmt wird, ist die Lebensmittelverarbeitung eine der wenigen Exportlinien außerhalb des Bergbaus, und Schweinefleisch gehört zu den Produkten, bei denen die sibirischen Kapazitäten in den letzten Jahren am stärksten gewachsen sind. Ob aus den bislang verschifften 300 Tonnen ein dauerhafter Handelsstrom wird, entscheidet weniger die Kapazität des Betriebs als die Frage, welche Märkte als nächste öffnen.