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Schwarzmeer-Störungen treiben Golden Wheat zu teurerem US-Weizen

Golden Wheat ersetzte vier ausgefallene oder verspätete Schwarzmeer-Ladungen durch Weizen aus Bulgarien und den USA. Das US-Getreide kostete den vietnamesischen Käufer deutlich mehr, was auch Mehl verteuern dürfte.

Schwarzmeer-Störungen treiben Golden Wheat zu teurerem US-Weizen

Vier Schwarzmeer-Ladungen fallen aus

Der vietnamesische Mehlhersteller und Futtermittelimporteur Golden Wheat hat vertraglich vereinbarten Schwarzmeer-Weizen durch Ware aus Bulgarien und den USA ersetzt. Zuvor hatten Händler mitgeteilt, dass das ursprünglich bestellte Getreide nicht verschifft werde. Agrointel berichtet unter Berufung auf Bloomberg und Latifundist.com, dass vier Ladungen betroffen waren, die rund einem Fünftel des Jahresbedarfs des Unternehmens entsprachen.

Die Lieferstörung folgte auf eine Eskalation des russischen Krieges gegen die Ukraine im Sommer. Golden-Wheat-Geschäftsführer Thuy Vuong erklärte, das Unternehmen sei gegenüber der Schwarzmeer-Krise zu anfällig gewesen. Es hielt deshalb ständig Kontakt zu den Verkäufern und verfolgte die Bewegungen der Schiffe.

Golden Wheat überprüfte außerdem die Vertragsbedingungen und Versicherungskosten. Die Risiken beschränkten sich nicht auf die Ausfahrt aus dem Schwarzen Meer, da die Getreideschiffe auf dem Weg nach Vietnam anschließend auch das Rote Meer passieren mussten.

Bulgarien und die USA schließen die Lücke

Zwei Ladungen ersetzte Golden Wheat durch bulgarischen Weizen. Die Schiffe wurden zur Beladung nach Burgas umgeleitet, rund 500 km entlang der Küste von Odesa entfernt, wie es in dem von Agrointel zitierten ukrainischen Medienbericht heißt.

Für zwei weitere ausgefallene oder verspätete Ladungen wandte sich das Unternehmen an Lieferanten in den USA. Der US-Weizen kostete Golden Wheat deutlich mehr, und laut Vuong sind die Preise seitdem weiter gestiegen. Angaben zu Mengen, Qualitätsklassen, Vertragswerten sowie zusätzlichen Fracht- und Versicherungskosten der Ersatzlieferungen liegen nicht vor.

Eine Vertragsposition ist weiterhin ungeklärt. Nach Angaben von Vuong bat der Verkäufer um eine Verlängerung der Lieferfrist, um länger auf eine Verbesserung der Lage in Odesa warten zu können. Für Käufer entsteht damit ein operatives Problem: Sie müssen ihre Mühlen versorgen, obwohl bereits vertraglich gebundenes Getreide nicht verfügbar ist.

Importeure suchen in weiteren Märkten

Die Verschiebungen reichen über Vietnam hinaus. Die ukrainische Journalistin Evghenia Tkachenko berichtete, dass sich die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate den baltischen Staaten zuwenden. Bangladesch suche Getreide in Rumänien und Argentinien und kaufe zudem kleinere Mengen in Indien. Abnehmer blickten sogar nach Australien, obwohl die diesjährige Ernte dort noch nicht eingebracht war.

Das alternative Angebot ist begrenzt. Dürre verringerte die Weizen- und Maiserträge in den USA, während Hitzewellen die europäischen Ernten belasteten. Andere Herkunftsländer können Schwarzmeer-Getreide deshalb nur begrenzt kurzfristig ersetzen. Neben dem reinen Weizenpreis gewinnen verfügbare Frachtraten, Versicherungsschutz und Liefersicherheit an Bedeutung.

Höhere Kosten bedrohen die Mehlpreise

Golden Wheat rechnet nicht mit einer schnellen Normalisierung. Vuong erwartet, dass die Weizenpreise unabhängig von den Entwicklungen im Schwarzen Meer frühestens im März auf ein normales Niveau zurückkehren. Unter diesen Bedingungen lasse sich ein Preisanstieg bei Grundnahrungsmitteln, insbesondere bei Mehl, nicht vermeiden.

Für Mühlen und Futtermittelimporteure zeigt der Fall, dass eine preisgünstige Herkunft teuer werden kann, sobald Ausfallrisiken, Schiffsumleitungen und Ersatzkäufe berücksichtigt werden. Golden Wheat konnte anderes Getreide beschaffen, musste den Bedarf aber zwischen Bulgarien und den USA aufteilen und den höheren US-Preis akzeptieren. Solange Schwarzmeer-Lieferungen nicht berechenbarer werden, dürften Käufer ihre Lieferantenbasis verbreitern und für zuverlässige Zustellung mehr bezahlen.

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